Rückblick und Ausblick Die Geschichte des Ministeriums

Deutsch­land ist in­zwi­schen seit mehr als 60 Jah­ren ent­wick­lungs­po­litisch ak­tiv. Schon in den 1950er und 1960er Jah­ren bil­de­te sich Ent­wick­lungs­po­li­tik als ei­gen­stän­di­ges po­li­ti­sches Hand­lungs­feld her­aus. Das Leid zwei­er Welt­krie­ge hat­te die Not­wen­dig­keit in­ter­na­tio­na­ler Zu­sam­men­ar­beit und Un­ter­stüt­zung deut­lich ge­macht. Zu­gleich wur­den durch das En­de der Ko­lo­ni­al­herr­schaft die Nord-Süd-Be­zie­hun­gen neu de­fi­niert: Die ehe­ma­li­gen Ko­lo­ni­al­mäch­te stan­den nun in der Ver­ant­wor­tung, die neu ent­stan­de­nen oder ent­ste­hen­den un­ab­hän­gi­gen Staa­ten in Afri­ka und Asi­en da­bei zu un­ter­stüt­zen, vor­han­de­ne Ent­wick­lungs­de­fi­zi­te zu über­win­den.

1952–1970 Erste entwicklungspolitische Aktivitäten

Die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land en­ga­gier­te sich 1952 erst­mals kon­kret für Ent­wick­lungs­po­li­tik, in­dem sie sich am "Er­wei­ter­ten Bei­stands­pro­gramm der Ver­ein­ten Na­tio­nen für wirt­schaft­liche Ent­wick­lung un­ter­ent­wi­ckel­ter Län­der und Re­gio­nen" be­tei­lig­te. Wei­te­re Ak­ti­vi­tä­ten folg­ten und Schritt für Schritt wur­de die Ent­wick­lungs­po­li­tik zu ei­ner neu­en Staats­auf­ga­be – was schlie­ß­lich 1961 zur Grün­dung ei­nes ei­ge­nen Bun­des­mi­nis­te­ri­ums für wirt­schaft­liche Zu­sam­men­ar­beit (BMZ) führ­te. Als "Ge­burts­tag" des BMZ gilt der 14. No­vem­ber 1961. An die­sem Tag wur­de Wal­ter Scheel zum ers­ten Bun­des­mi­nis­ter für wirt­schaft­liche Zu­sam­men­ar­beit er­nannt.

Scheel über­nahm kei­ne leich­te Auf­ga­be: Das BMZ spiel­te in­ner­halb der Bun­des­re­gie­rung zu­nächst nur ei­ne ko­or­di­nie­ren­de Rol­le. Die Zu­stän­dig­keit für tech­ni­sche Un­ter­stüt­zung und Be­ra­tung so­wie Ka­pi­tal­hil­fe lag wei­ter­hin beim Aus­wär­ti­gen Amt be­zie­hungs­wei­se beim Wirt­schafts- und Fi­nanz­mi­nis­te­ri­um.

Erst in den 1970er Jah­ren ging die Ver­ant­wor­tung für die tech­ni­sche (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) und fi­nan­zi­el­le Zu­sam­men­ar­beit (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) end­gül­tig auf das BMZ über. Die Fe­der­füh­rung für die Ent­wick­lungs­po­li­tik der Eu­ro­päi­schen Uni­on wur­de erst 1998 auf das BMZ über­tra­gen.

Marie Schlei, Bundesentwicklungsministerin von 1976 bis 1978, bei einer Grundsteinlegung für ein Projekt in Kenia

Marie Schlei, Bundesentwicklungsministerin von 1976 bis 1978, bei einer Grundsteinlegung für ein Projekt in Kenia

Marie Schlei, Bundesentwicklungsministerin von 1976 bis 1978, bei einer Grundsteinlegung für ein Projekt in Kenia

Und auch au­ßen­po­li­tisch war der deut­schen Ent­wick­lungs­po­li­tik ein en­ger Rah­men vor­ge­ge­ben: Im Zu­ge des "Kal­ten Krie­ges" ver­such­ten die west­li­chen Staa­ten eben­so wie die Län­der des Ost­blocks ih­ren Ein­fluss­be­reich ste­tig aus­zu­wei­ten – auch in den Ent­wick­lungs­ländern.

So war die Bun­des­re­pu­blik ei­nem ge­wis­sen Druck der Bünd­nis­part­ner aus­ge­setzt, sich stär­ker in­ter­national zu en­ga­gie­ren, um den Ein­fluss des Ost­blocks ein­zu­däm­men. Das führ­te zum Bei­spiel da­zu, dass die Bun­des­re­pu­blik die Ent­wick­lungs­zusam­men­ar­beit mit Län­dern ein­stell­te, die di­plo­ma­ti­sche Be­zie­hun­gen zur DDR auf­nah­men ("Hall­stein-Dok­trin").

Bundesminister Hans-Jürgen Wischnewski besucht 1967 eine technische Schule in Thailand.

Hans-Jürgen Wischnewski, Entwicklungsminister von 1966 bis 1968,  beim Besuch einer technischen Schule in Thailand.

Hans-Jürgen Wischnewski, Entwicklungsminister von 1966 bis 1968,  beim Besuch einer technischen Schule in Thailand.

In­halt­lich war die Po­li­tik des BMZ in den 1960er Jah­ren auf die För­de­rung der Wirt­schaft, die In­te­gra­ti­on der Ent­wick­lungs­länder in den Welt­markt und die Wah­rung ei­ge­ner Au­ßen­han­dels­in­ter­es­sen aus­ge­rich­tet. Die Über­zeu­gung je­ner Zeit war, dass wirt­schaft­li­ches Wachs­tum län­ger­fris­tig auch den är­me­ren Be­völ­ke­rungs­schich­ten zu­gu­te­kom­men wür­de und dass ei­ne Mit­tel­schicht ent­ste­hen wür­de, die dann ei­nen po­li­ti­schen Wan­del zu mehr De­mo­kra­tie und Par­ti­zi­pa­ti­on durch­set­zen könn­te.

1970–1990 Partnerschaftlicher Ansatz der Entwicklungspolitik

In den 1970er Jah­ren ka­men in den west­li­chen In­dus­trie­län­dern im­mer mehr Zwei­fel an die­sem rein wachs­tums­ori­en­tier­ten Ent­wick­lungs­mo­dell auf, da es da­mit nicht ge­lang, ein wei­te­res An­wach­sen der Ar­mut zu ver­hin­dern. In der deut­schen Ge­sell­schaft for­mier­te sich ei­ne "Drit­te-Welt-Be­we­gung", die ein neu­es Ver­hält­nis zwi­schen rei­chen und ar­men Staa­ten ein­for­der­te: weg von der rei­nen Ge­ber- und Emp­fän­ger­rol­le, hin zu ei­ner Partner­schaft Gleich­be­rech­tig­ter.

Das BMZ rich­te­te sein Au­gen­merk nun stär­ker auf die Grund­be­dürf­nis­se der Men­schen, et­wa nach Nah­rung, Bil­dung und Ge­sund­heit. Auch die Rol­le der Frau­en ge­riet ins Blick­feld – ihr Po­ten­zi­al, zur Ent­wick­lung bei­zu­tra­gen, war bis da­hin ver­nach­läs­sigt wor­den. Noch ver­mied die Ent­wick­lungs­po­li­tik es je­doch kon­se­quent, sich in innen­poli­tische An­ge­le­gen­hei­ten der Partner­länder ein­zu­mi­schen.

Bun­des­mi­nis­ter Jür­gen Warn­ke (rechts) und Cos­ta Ri­cas Au­ßen­mi­nis­ter Car­los Jo­sé Gu­tier­rez tau­schen 1985 im Bun­des­mi­nis­te­ri­um für wirt­schaft­li­che Zu­sam­men­ar­beit in Bonn nach Un­ter­zeich­nung ei­nes Fi­nanz­hil­fe­ab­kom­mens zwi­schen bei­den Län­dern die Ur­kun­den aus.

Bun­des­mi­nis­ter Jür­gen Warn­ke (rechts) und Cos­ta Ri­cas Au­ßen­mi­nis­ter Car­los Jo­sé Gu­tier­rez tau­schen 1985 im Bun­des­mi­nis­te­ri­um für wirt­schaft­li­che Zu­sam­men­ar­beit in Bonn nach Un­ter­zeich­nung ei­nes Fi­nanz­hil­fe­ab­kom­mens zwi­schen bei­den Län­dern die Ur­kun­den aus.

Bun­des­mi­nis­ter Jür­gen Warn­ke (rechts) und Cos­ta Ri­cas Au­ßen­mi­nis­ter Car­los Jo­sé Gu­tier­rez tau­schen 1985 im Bun­des­mi­nis­te­ri­um für wirt­schaft­li­che Zu­sam­men­ar­beit in Bonn nach Un­ter­zeich­nung ei­nes Fi­nanz­hil­fe­ab­kom­mens zwi­schen bei­den Län­dern die Ur­kun­den aus.

Auch die so­ge­nann­te mul­ti­la­te­ra­le Zu­sam­men­ar­beit ge­wann in den 1970er und 1980er Jah­ren stark an Be­deu­tung. So un­ter­stütz­te die Bun­des­re­pu­blik eu­ro­päi­sche Ab­kom­men mit Ent­wick­lungs­ländern in Afri­ka, der Ka­ri­bik und im Pa­zi­fik, die Fi­nanz­hil­fen und Han­dels­er­leich­te­run­gen vor­sa­hen (Lo­mé-Ab­kom­men).

Auch die Struk­tur­an­pas­sungs­pro­gram­me des In­ter­na­ti­o­nalen Wäh­rungs­fonds (IWF (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen)) und der Welt­bank (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) für hoch­ver­schul­de­te Län­der fan­den in der deut­schen Po­li­tik brei­te Zu­stim­mung. Sie knüpf­ten die Ver­ga­be neu­er Kre­di­te an um­fang­rei­che Auf­la­gen wie Markt­li­be­ra­li­sie­rung und Spar­maß­nah­men im Staats­haus­halt. Und ab Mit­te der 1980er be­rück­sich­tig­te das BMZ bei sei­ner Po­li­tik ei­nen wei­te­ren neu­en As­pekt: Nach der Re­ak­tor­ka­ta­stro­phe von Tscher­no­byl 1986 wur­den Um­welt­be­lan­ge stär­ker the­ma­ti­siert.

1949–1990 Entwicklungspolitik in der DDR

Die Deut­sche De­mo­kra­ti­sche Re­pu­blik (DDR) hat ihr En­gage­ment in Ent­wick­lungs­ländern stets als "so­li­da­ri­sche Un­ter­stüt­zung" ver­stan­den und sich da­durch be­wusst von der west­deut­schen und west­eu­ro­päi­schen "Ent­wick­lungs­hil­fe" ab­ge­grenzt. Dem­entspre­chend hat sich das En­gage­ment der DDR weit­ge­hend auf so­zia­lis­ti­sche Län­der wie zum Bei­spiel An­go­la, Mo­sam­bik, Äthio­pi­en und Ku­ba be­schränkt.

Schon in den 1960er Jah­ren en­ga­gier­te sich die DDR in vie­len der ge­ra­de un­ab­hän­gig ge­wor­de­nen afri­ka­ni­schen Staa­ten. Ein wich­ti­ges Ziel die­ses En­ga­ge­ments war, von mög­lichst vie­len Staa­ten ei­ne of­fi­zi­el­le di­plo­ma­ti­sche An­er­ken­nung zu er­hal­ten – die Bun­des­re­pu­blik ver­such­te gleich­zei­tig, dies zu ver­hin­dern. In Afri­ka ent­stand da­durch ein ge­wis­ser Wett­be­werb der west- und ost­deut­schen Welt­an­schau­un­gen.

Ein Schwer­punkt der DDR-Ent­wick­lungs­po­li­tik war die Zu­sam­men­ar­beit im Bil­dungs­sek­tor. Ins­ge­samt ha­ben mehr als 30.000 jun­ge Men­schen aus Ent­wick­lungs­ländern in der DDR stu­diert, rund 200.000 er­hiel­ten ei­ne Aus- oder Wei­ter­bil­dung.

Im Rah­men der Wie­der­ver­ei­ni­gung wur­de ein "ent­wick­lungs­po­li­ti­scher Run­der Tisch" ein­ge­rich­tet, der die Ent­wick­lungs­zusam­men­ar­beit der bei­den deut­schen Staa­ten zu­sam­men­füh­ren soll­te. Die He­raus­for­de­rung war, lau­fen­de Pro­gram­me ge­re­gelt zu En­de zu füh­ren. Schü­ler, Stu­den­ten oder Aus­zu­bil­den­de aus Ent­wick­lungs­ländern, die sich in der DDR auf­hiel­ten, wur­den zum Bei­spiel zu­nächst wei­ter be­treut. Um ih­re Wie­der­ein­glie­de­rung im Hei­mat­land zu er­leich­tern, wur­den un­ter an­de­rem Exis­tenz­grün­dungs­pro­gram­me ins Le­ben ge­ru­fen.

Für die wei­te­re För­de­rung von Pro­jek­ten und Pro­gram­men wur­den nach der Wie­der­ver­ei­ni­gung be­stimm­te Be­din­gun­gen an die Partner­länder ge­stellt – zum Bei­spiel ei­ne de­mo­kra­ti­sche Ge­sell­schafts­ord­nung. Vie­le der von der ehe­ma­li­gen DDR ge­för­der­ten Län­der konn­ten des­halb nach 1990 nicht mehr wei­ter un­ter­stützt wer­den. Ein­zel­ne Vor­ha­ben wur­den wei­ter­ge­führt – ein Bei­spiel da­für ist ein Be­rufs­bil­dungs­pro­gramm im Je­men.

Ein Er­be der DDR-Zeit sind vie­le bis heu­te be­stehen­de sehr gu­te Kon­tak­te zu Ex­per­tin­nen und Ex­per­ten in den Part­ner­län­dern der deut­schen Ent­wick­lungs­zusam­men­ar­beit, die ih­re Aus­bil­dung in der DDR er­hal­ten ha­ben.

1990–2000 Neue Herausforderungen nach den politischen Umbrüchen in Europa

Bundesentwicklungsminister Carl-Dieter Spranger 1995 in Albanien

Bundesentwicklungsminister Carl-Dieter Spranger 1995 in Albanien

Bundesentwicklungsminister Carl-Dieter Spranger 1995 in Albanien

Die re­vo­lu­tio­nä­ren Ver­än­de­run­gen in Ost­eu­ro­pa, die Auf­lö­sung der So­wjet­uni­on und da­mit der Weg­fall des Ost-West-Kon­flikts und auch das En­de des Apart­heid-Sys­tems in Süd­afri­ka be­frei­ten die deut­sche Ent­wick­lungs­po­li­tik An­fang der 1990er Jah­re von stra­te­gi­schen und ideo­lo­gi­schen Fes­seln. Doch neue Kon­flik­te brach­ten neue He­raus­for­de­run­gen mit sich: Die Krie­ge im ehe­ma­li­gen Ju­go­sla­wi­en, der Staats­zer­fall in So­ma­lia und der Völ­ker­mord in Ru­an­da stell­ten die in­ter­natio­nale Staa­ten­ge­mein­schaft vor die Fra­ge, wann und wie in Kon­flik­te ein­ge­grif­fen wer­den kann und muss.

Auch das BMZ ver­ab­schie­de­te sich nun vom Grund­satz der Nicht­ein­mi­schung und for­mu­lier­te ei­ne stär­ker wer­te­ori­en­tier­te Po­li­tik. De­mo­kra­tie, gu­te Regie­rungs­führung und die Ein­hal­tung der Men­schen­rech­te wur­den zu wich­ti­gen Fak­to­ren in der Zu­sam­men­ar­beit mit den Part­ner­län­dern.

Die 1990er Jah­re wa­ren die Zeit der gro­ßen Welt­kon­fe­ren­zen. Da­zu zähl­ten die Um­welt­kon­fe­renz von Rio de Ja­nei­ro 1992, die Welt­kon­fe­renz für Men­schen­rech­te in Wien 1993, die Be­völ­ke­rungs­kon­fe­renz in Kai­ro 1994, der Welt­so­zi­al­gip­fel in Ko­pen­ha­gen 1995 und die Welt­frau­en­kon­fe­renz in Pe­king im glei­chen Jahr. Die­se Kon­fe­ren­zen wa­ren wich­ti­ge Schrit­te zu der Er­kennt­nis, dass die Pro­ble­me ei­ner glo­ba­li­sier­ten Welt nicht von ein­zel­nen Staa­ten ge­löst wer­den kön­nen son­dern ab­ge­stimm­te glo­ba­le Lö­sun­gen er­for­dern.

2000–2014 Zukunftspolitik im Zeichen der Millenniumsentwicklungsziele

Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul bei der Verabschiedung der ersten 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Freiwilligendienstes "weltwärts" 2008 in Berlin

Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul bei der Verabschiedung der ersten 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Freiwilligendienstes "weltwärts" 2008 in Berlin

Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul bei der Verabschiedung der ersten 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Freiwilligendienstes weltwärts 2008 in Berlin

Der welt­po­li­ti­sche An­satz führ­te im Jahr 2000 zur Mill­en­ni­ums­er­klä­rung (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) von New York. Die Staa­ten­ge­mein­schaft nahm sich vor, ge­mein­sam ge­gen drän­gen­de glo­ba­le Pro­ble­me wie Ar­mut, Hun­ger, Kin­der­sterb­lich­keit, Bil­dungs­man­gel und In­fek­ti­ons­krank­hei­ten vor­zu­ge­hen. 2001 wur­den acht kon­kre­te Zie­le ver­ein­bart, die bis 2015 er­reicht wer­den sol­len – die Mill­en­ni­ums­ent­wick­lungs­zie­le (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) (MDGs). Sie ha­ben seit­dem die in­ter­natio­nale und die deut­sche Ent­wick­lungs­po­li­tik be­stimmt.

Po­li­ti­sche und kul­tu­rel­le Kon­flik­te, Nah­rungs­mit­tel­kri­sen, die sicht­bar wer­den­den Fol­gen des Kli­ma­wan­dels und die glo­ba­le Wirt­schafts- und Fi­nanz­kri­se präg­ten das ers­te Jahr­zehnt des neu­en Jahr­tau­sends. An­ge­sichts die­ser neu­en He­raus­for­de­run­gen wur­de der Grund­satz der nach­hal­ti­gen Ent­wick­lung zum Leit­prin­zip für die Ar­beit des BMZ: Ent­wick­lung muss wirt­schaft­lich ef­fi­zi­ent, so­zi­al ge­recht und öko­lo­gisch trag­fä­hig sein, um dau­er­haft Frie­den und Wohl­stand für al­le zu schaf­fen. Ziel ist ei­ne so­zia­le und öko­lo­gi­sche Markt­wirt­schaft, durch die auch die Men­schen in den Ent­wick­lungs­län­dern von der Glo­ba­li­sie­rung pro­fi­tie­ren.

In­ner­halb der Bun­des­re­gie­rung wird nach­hal­tige Ent­wick­lung (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) heu­te als Quer­schnitts­auf­ga­be der Au­ßen-, Wirt­schafts-, Um­welt- und Si­cher­heits­po­li­tik an­ge­se­hen. Das BMZ setzt sich da­für ein, durch ei­ne ab­ge­stimm­te Po­li­tik der ein­zel­nen Bun­des­res­sorts die Ef­fi­zi­enz, Wirk­sam­keit, Trans­pa­renz und Sicht­bar­keit der ent­wick­lungs­po­litischen Ak­ti­vi­tä­ten zu ver­bes­sern.

Die­sem Ziel dien­te zum Bei­spiel auch ei­ne Struk­tur­re­form der deut­schen Ent­wick­lungs­zusam­men­ar­beit: Ver­schie­de­ne Durch­füh­rungs­or­ga­ni­sa­tio­nen (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) der tech­ni­schen Zu­sam­men­ar­beit wur­den 2011 un­ter dem Dach der Deut­schen Ge­sell­schaft für In­ter­natio­nale Zu­sam­men­ar­beit (GIZ (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen)) ver­eint. Zi­vil­ge­sell­schaft­li­che (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) und kom­mu­na­le Ak­ti­vi­tä­ten för­dert das BMZ seit 2012 zen­tral über die Ser­vice­stel­le En­gage­ment Glo­bal. Und der Er­folg der ent­wick­lungs­po­litischen Maß­nah­men wird nun durch das un­ab­hän­gi­ge Deut­sche Eva­lu­ie­rungs­in­sti­tut der Ent­wick­lungs­zusam­men­ar­beit (DE­val) ana­ly­siert und be­wer­tet.

Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel und Bun­des­ent­wick­lungs­mi­nis­ter Gerd Mül­ler mit Teil­neh­mern des Zu­kunfts­fo­rums bei der Über­ga­be der Zu­kunfts­char­ta im November 2014 in Ber­lin

Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel und Bun­des­ent­wick­lungs­mi­nis­ter Gerd Mül­ler mit Teil­neh­mern des Zu­kunfts­fo­rums bei der Über­ga­be der Zu­kunfts­char­ta im November 2014 in Ber­lin

Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel und Bun­des­ent­wick­lungs­mi­nis­ter Gerd Mül­ler mit Teil­neh­mern des Zu­kunfts­fo­rums bei der Über­ga­be der Zu­kunfts­char­ta im November 2014 in Ber­lin

Gro­ßen Wert legt das BMZ heu­te dar­auf, in ei­nen ge­sell­schaft­li­chen Dia­log ein­zu­tre­ten: Die Po­li­tik braucht die Un­ter­stüt­zung der Bür­ge­rin­nen und Bür­ger, der Ver­ei­ne, ge­mein­nüt­zi­gen Or­ga­ni­sa­ti­o­nen und Stif­tun­gen, der Kir­chen, der Wis­sen­schaft und der Wirt­schafts­un­ter­neh­men. Nur ge­mein­sam lässt sich ei­ne Ent­wick­lungs­po­li­tik ge­stal­ten, die den Men­schen und sei­ne Wür­de in den Mit­tel­punkt stellt und Wohl­stand für al­le zum Ziel hat. Ein Fo­rum für ei­nen sol­chen ge­sell­schaft­li­chen Dia­log und cha­rak­te­ris­tisch für die neu aus­ge­rich­te­te deut­sche Ent­wick­lungs­zusam­men­ar­beit war zum Bei­spiel das Dis­kus­si­ons­fo­rum "Zu­kunfts­char­ta Ei­neWelt – un­se­re Ver­ant­wor­tung", zu dem das BMZ im Jahr 2014 ein­ge­la­den hat. Die Öf­fent­lich­keit konn­te sich an die­sem Fo­rum mit Ide­en für die zu­künf­ti­ge Ge­stal­tung der deut­schen Ent­wick­lungs­zusam­men­ar­beit be­tei­li­gen.

Seit 2015 17 Ziele für eine bessere Welt

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller beim Weltgipfel für nachhaltige Entwicklung 2015 in New York

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller beim Weltgipfel für nachhaltige Entwicklung 2015 in New York

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller beim Weltgipfel für nachhaltige Entwicklung 2015 in New York

Im Jahr 2015 hat die Weltgemeinschaft zwei wichtige Fahrpläne für die nächsten Jahre verabschiedet, mit denen sie die Herausforderungen, die die gesamte Menschheit betreffen, gemeinsam angehen will:

Im September 2015 einigten sich alle 193 Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen auf einen Vertrag, in dem es um die Zukunft der Menschheit geht: die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen). Menschen auf der ganzen Welt haben an der Formulierung des Textes mitgewirkt. In seinem Mittelpunkt stehen 17 Entwicklungsziele für eine bessere und gerechtere Welt (englisch: Sustainable Development Goals, SDGs). Die 17 Ziele gelten universal und für alle Länder gleichermaßen. Sie reichen von der Beseitigung des weltweiten Hungers über die Stärkung von nachhaltigem Konsum und nachhaltiger Produktion bis hin zu Maßnahmen für den Klimaschutz.

Im Dezember 2015 wurde auf der Weltklimakonferenz in Paris das erste universell verbindliche Klimaabkommen verabschiedet. Im Pariser Klimaabkommen (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) hat sich die Staatengemeinschaft vorgenommen, den durchschnittlichen weltweiten Temperaturanstieg auf deutlich unter zwei Grad Celsius gegenüber dem vorindustriellen Niveau zu halten und Anstrengungen zu unternehmen, ihn auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen.

Deutschland unterstützt die gemeinsame Umsetzung der Agenda 2030 und des Pariser Klimaabkommens durch zahlreiche entwicklungspolitische Initiativen in den Partnerländern und durch intensives Engagement auf internationaler Ebene.

Wichtige Arbeitsschwerpunkte der deutschen Entwicklungszusammenarbeit sind dabei die ländliche Entwicklung und Ernährungssicherung, die Achtung der Menschenrechte und gute Regierungsführung, Frieden, Energie und Klimaschutz sowie die Einhaltung von Sozial- und Umweltstandards, unter anderem in internationalen Lieferketten.