Sitzungssaal der internationalen Geberkonferenz des Grünen Klimafonds, deren Gastgeber die Bundesregierung am 20.11.2014 in Berlin war
Urheberrecht© Ralf Rühmeier
Klimawandel und Entwicklungspolitik Klimafinanzierung: Deutschland als verantwortungsvoller Partner
Die deutsche Entwicklungspolitik unterstützt mit öffentlichen Mitteln die Umsetzung des Pariser Klimaabkommens (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen). Dabei handelt es sich um eine gemeinsame Aufgabe, die das Engagement von Staaten weltweit erfordert – auch durch Eigenbeiträge der Entwicklungs- und Schwellenländer und durch die Beteiligung der privaten Wirtschaft.
Nur wenn auch Entwicklungs- und Schwellenländer ehrgeizig ihren Treibhausgasausstoß verringern und sich an die Folgen des Klimawandels anpassen, können wir noch im Laufe dieses Jahrhunderts weltweit Klimaneutralität (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) und Klimaresilienz (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) erreichen. Diese Länder dabei zu unterstützen ist nicht nur Ausdruck globaler Verantwortung – es trägt ebenso zur langfristigen Stabilität, Sicherheit und wirtschaftlichen Zusammenarbeit bei, von der auch Deutschland profitiert.
Ehrgeiziges neues Finanzierungsziel vereinbart
Nach intensiven Verhandlungen vereinbarten die Vertragsstaaten auf der Klimakonferenz im November 2024 in Baku (COP29) ein neues Klimafinanzierungsziel (New Collective Quantified Goal, NCQG), das ein Kernziel von jährlich mindestens 300 Milliarden US-Dollar bis 2035 vorsieht. Dieses Kernziel löst das alte 100-Milliarden-US-Dollar-Ziel seit 2026 ab. Zusätzlich wurde auf der COP30 in Belém die Verdreifachung der Anpassungsfinanzierung bis 2035 im Rahmen des NCQG vereinbart.
Bereits 2009 beschlossen die Industrieländer auf dem Klimagipfel in Kopenhagen, ab 2020 jährlich 100 Milliarden US-Dollar für Klimaschutz und Anpassung in Entwicklungsländern bereitzustellen beziehungsweise zu mobilisieren. Dieses Ziel wurde auf der Pariser Klimakonferenz 2015 bis 2025 verlängert und laut OECD (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen)-Berechnung seit 2022 jährlich erreicht. Zusätzlich haben sich die Industrieländer auf der Klimakonferenz in Glasgow 2021 verpflichtet, ihre Mittel für Anpassungsmaßnahmen in Entwicklungsländern bis 2025 im Vergleich zu 2019 mindestens zu verdoppeln. Damit soll ein Gleichgewicht zwischen Investitionen in Klimaschutz und Anpassung an die Folgen des Klimawandels erreicht werden.
Die Industrieländer übernehmen weiterhin die Führungsrolle bei der Bereitstellung der Mittel, einkommensstärkere Länder des Globalen Südens sollen ebenfalls einen Beitrag leisten. Diese Erweiterung der Geberbasis ist ein Paradigmenwechsel. Erstmals werden auch die freiwilligen klimarelevanten Beiträge der Entwicklungsländer zur Erreichung des neuen Klimafinanzierungsziel angerechnet.
Auch multilaterale Entwicklungsbanken (MDBs) und Klimafonds spielen eine wichtige Rolle, um Menschen weltweit vor den Auswirkungen des Klimawandels zu schützen. So sollen im Rahmen des NCQG die jährlichen Förderungen durch die Klimafonds, etwa des Grünen Klimafonds (GCF), bis spätestens 2030 gegenüber 2022 verdreifacht werden. Die MDBs wollen ihre Klimafinanzierung ebenfalls deutlich ausweiten und haben zur COP29 in Baku 2024 in Aussicht gestellt (Externer Link), bis 2030 jährlich 120 Milliarden US-Dollar für Länder mit niedrigen und mittleren Einkommen bereitzustellen und 65 Milliarden US-Dollar aus dem Privatsektor zu mobilisieren. Dies zeigt die wachsende Bedeutung multilateraler Klimafinanzierung.
Neben dem Kernziel von mindestens 300 Milliarden US-Dollar jährlich wurde in Baku außerdem vereinbart, ein globales Finanzierungsziel von 1,3 Billionen US-Dollar jährlich bis 2035 anzustreben. Dieses Ziel soll vor allem durch grüne Investitionen von privaten Unternehmen und Anlegern gespeist werden. Für die Umsetzung hat das BMZ die Erstellung eines Plans („Baku to Belém Roadmap“) gefördert, der auf der COP30 im November 2025 in Belém vorgestellt wurde.
Notwendig ist dabei ein vollständiger Umbau des globalen Finanzsystems: Alle Finanzflüsse müssen auf Klimaneutralität und Klimaresilienz ausgerichtet werden – einschließlich privater Investitionen und ausländischer Direktinvestitionen, wie etwa bei Unternehmensübernahmen, Fabrikmodernisierungen, Stromnetzerweiterungen oder Pensionsfondsanlagen. Dazu haben sich die Vertragsstaaten des Pariser Klimaabkommens in Artikel 2.1.c (Externer Link) verpflichtet.
Der deutsche Beitrag zur internationalen Klimafinanzierung
Deutschland hat in den vergangenen Jahren erhebliche Beiträge zur internationalen Klimafinanzierung geleistet. Im Jahr 2025 belief sich der deutsche Beitrag auf 10,8 Milliarden Euro. Damit hat Deutschland seinen fairen Anteil am globalen 100-Milliarden-US-Dollar-Ziel geleistet – und damit weltweit Menschen vor den Auswirkungen des Klimawandels geschützt. Ein wichtiges Ziel dabei ist es, die Minderung von Treibhausgasen und die Anpassung an den Klimawandel in einem angemessenen Verhältnis zu fördern. Auch in Zukunft wird Deutschland seinen fairen Anteil an der internationalen Klimafinanzierung leisten und dabei verstärkt auf die Mobilisierung von privaten Mitteln sowie Beiträge nicht-traditioneller Geber setzen – so ist es im Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD vereinbart.
Das BMZ verantwortet den Großteil der deutschen Klimafinanzierung. Zentrale Instrumente sind dabei Mittel aus dem Bundeshaushalt und haushaltsschonende Kredite von KfW Entwicklungsbank (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) und DEG (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen). Eine gezielte Förderung erfolgt zudem über die Internationale Klimaschutzinitiative (IKI) des Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN) und Vorhaben weiterer Bundesministerien. Darüber hinaus mobilisierte Deutschland gezielt private Klimafinanzierung, etwa durch revolvierende Kreditlinien (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) an lokale (Entwicklungs-)Banken, Beteiligungen an Fonds und öffentlich-private Partnerschaften (PPP (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen)).
Klimafinanzierung 2025
Bilaterales und regionales Engagement
Die Klimafinanzierung unterstützt sowohl Maßnahmen zur Minderung von Treibhausgasemissionen als auch zur Anpassung an den Klimawandel. Einige der Projekte leisten darüber hinaus einen Beitrag zum Schutz von Wäldern und biologischer Vielfalt – unter anderem im Rahmen von REDD+ (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen). Das BMZ unterstützt außerdem ausgewählte Partnerländer dabei, internationale Marktmechanismen nach Artikel 6 (Externer Link) des Pariser Klimaabkommens so zu nutzen, dass sie finanzielle Anreize für Emissionsminderung mit konkreten Vorteilen für eine nachhaltige Entwicklung (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) verbinden.
Der Schwerpunkt der deutschen Klimafinanzierung liegt auf der bilateralen Zusammenarbeit (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen). Das BMZ arbeitet mit fast allen Partnerländern daran, Klimaschutz und Klimaanpassung in nationale Entwicklungsstrategien einzubinden. Die deutsche Unterstützung orientiert sich dabei an den Prioritäten und Initiativen der Partner und stärkt ihre Handlungsfähigkeit, eigene Klimaziele zu verfolgen.
Im Durchschnitt der letzten Jahre kommen rund 80 Prozent der jährlichen deutschen Haushaltsmittel für Klimafinanzierung aus dem Etat des BMZ. Ergänzt wird dieses Engagement durch die Internationale Klimaschutzinitiative (IKI) (Externer Link), die im BMUKN verankert ist und eng mit dem BMZ abgestimmt wird (Externer Link). Auch das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) und das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) tragen zur deutschen Klimafinanzierung bei.
Deutschland bringt in internationale Klimaverhandlungen über das BMZ und das verhandlungsführende BMUKN aktiv seine entwicklungspolitischen Positionen ein – immer mit dem Ziel, Klimaschutz und nachhaltige Entwicklung weltweit voranzubringen.
Multilaterales Engagement
Um strukturelle Veränderungen in großem Maßstab zu ermöglichen, sind multilaterale (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) und internationale Organisationen wichtige Partner, so zum Beispiel die multilateralen Klimafonds, die Weltbankgruppe (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) und die Vereinten Nationen: Sie setzen in Entwicklungs- und Schwellenländern umfangreiche Programme um und koordinieren die Beiträge verschiedener Geber. Multilaterale Institutionen spielen häufig auch eine entscheidende Rolle im Politikdialog auf nationaler und internationaler Ebene. Deshalb ergänzt das BMZ sein bilaterales Engagement durch eine ehrgeizige multilaterale Zusammenarbeit im Klimabereich.
Deutschland leistet bedeutende finanzielle Beiträge zur multilateralen Klimafinanzierung. Das BMZ gehört zu den größten Unterstützern des Grünen Klimafonds (Green Climate Fund (Externer Link), GCF) und der Globalen Umweltfazilität (Global Environment Facility (Externer Link), GEF). Auch bei den GEF-Unterfonds, etwa dem Least Developed Countries Fund (Externer Link), dem Special Climate Change Fund (Externer Link) und beim Anpassungsfonds (Adaptation Fund (Externer Link)) sowie bei den Klimainvestitionsfonds (Climate Investment Funds (Externer Link), CIF) und dem Fonds zum Umgang mit Verlusten und Schäden (Fund for responding to Loss and Damage, FRLD) engagiert sich Deutschland stark. Dabei setzt sich die Bundesregierung nachdrücklich für eine fondsübergreifende Zusammenarbeit ein und verfolgt aktiv die Interessen und Werte der deutschen Entwicklungspolitik.
Wie viel die Fonds bewirken, zeigen sie inzwischen in einem gemeinsamen Ergebnisbericht: Bereits heute helfen die geförderten Vorhaben 371 Millionen Menschen dabei, sich gegen Dürren, Stürme und Überschwemmungen zu wappnen – bis zum Ende ihrer Laufzeit sollen es 1,8 Milliarden Menschen sein. Über die gesamte Laufzeit sollen zudem 9,3 Milliarden Tonnen Treibhausgase gar nicht erst entstehen.
Ein weiteres zentrales Anliegen Deutschlands ist die Unterstützung der Partner beim Umgang mit klimabedingten Verlusten und Schäden.
Gemeinsam mit den Entwicklungsbanken arbeitet das BMZ daran, die Rahmenbedingungen für eine wirksame Klimapolitik zu verbessern. Eine besondere Rolle spielen dabei Reformen im globalen Finanzsystem: Multilaterale und nationale Entwicklungsbanken können hier Wegbereiter sein, um internationale und lokale Finanzflüsse systematisch in Richtung emissionsarmer und klimaresilienter Investitionen umzulenken. Dafür ist es entscheidend, dass sie den Klimawandel und seine Folgen bei all ihren Tätigkeiten als Querschnittsthema berücksichtigen.
Auf Initiative des BMZ wurde zum Beispiel erreicht, dass die Internationale Entwicklungsorganisation (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) (International Development Association, IDA), das Finanzierungsinstrument der Weltbank für die ärmsten Länder, die Themen Klimaschutz und Anpassung fest in ihrem Kerngeschäft verankert hat. Solche strukturellen Veränderungen wirken langfristig – zugunsten der Partnerländer und auch im Interesse globaler Stabilität, fairer Märkte und gemeinsamer Krisenprävention.
Stand: 06.10.2026