Klimafinanzierung Engagement zur Mobilisierung privater Klimafinanzierung
In vielen Entwicklungs- und Schwellenländern besteht ein erheblicher Finanzierungsbedarf, um die Ziele des Pariser Abkommens zu verwirklichen. Es wird geschätzt, dass dafür Investitionen von rund 2,4 Billionen US-Dollar jährlich bis 2030 nötig sind. Die von den Präsidentschaften der COP26 und COP27 sowie den UN Climate Change High-Level Champions eingesetzte „Independent High-Level Expert Group on Climate Finance“ bestätigte diesen Bedarf. Auftrag der Expertengruppe war es, politische Empfehlungen zu entwickeln, um öffentliche und private Investitionen gezielt in klimafreundliche Entwicklungen zu lenken.
Im neuen Klimafinanzierungsziel, das auf der Klimakonferenz in Baku 2024 beschlossen wurde, fand diese Schätzung Berücksichtigung: Es wurde die Bestrebung formuliert, die Klimafinanzierung für Entwicklungsländer bis 2035 auf 1,3 Billionen US-Dollar zu steigern. Der im November 2025 auf der COP30 vorgestellte Fahrplan („Baku to Belém Roadmap (Externer Link)“) zeigt Wege auf, wie dieses Ziel erreicht werden soll.
Bereits die Aktionsagenda von Addis Abeba (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen)aus dem Jahr 2015 und zuletzt auch das Abschlussdokument der 4. Entwicklungsfinanzierungskonferenz von Sevilla rückten die Bedeutung sogenannter „Blending“-Ansätze ins Zentrum. Blended Finance beschreibt laut OECD (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) „die strategische Nutzung öffentlicher Entwicklungsfinanzierung zur Mobilisierung zusätzlicher Finanzierung für die Umsetzung der nachhaltigen Entwicklungsziele (SDGs (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen)) in Entwicklungsländern“ – insbesondere dort, wo private Investitionen sonst ausbleiben würden.
Laut OECD-Bericht (Externer Link)vom Mai 2024 erreichte die internationale Klimafinanzierung im Jahr 2022 erstmals das 100-Milliarden-Ziel: Die bereitgestellten und mobilisierten Mittel stiegen auf 115,9 Milliarden US-Dollar (2021: 89,6 Milliarden US-Dollar). Die mobilisierte private Finanzierung wuchs auf 21,9 Milliarden US-Dollar – ein deutlicher Anstieg im Vergleich zu 14,4 Milliarden US-Dollar im Vorjahr. Als bislang größter Hebel privater Investitionen erwies sich die öffentliche Klimafinanzierung durch die multilateralen Entwicklungsbanken.
Im Jahr 2024 hat die Bundesregierung rund 11,8 Milliarden Euro für Klimafinanzierung bereitgestellt. Davon mobilisierte die Bundesregierung durch den Einsatz öffentlicher Mittel über die DEG und KfW Entwicklungsbank rund 1,11 Milliarden Euro (circa 9 Prozent) an privater Klimafinanzierung. Der Großteil (98 Prozent) dieser privaten Mittel entfällt auf Maßnahmen zur Minderung von Treibhausgasemissionen, die häufig attraktiver für private Investitionen sind. Die Bundesregierung strebt an, zukünftig mehr private Mittel für Anpassungsmaßnahmen zu mobilisieren.
Seit dem Jahr 2017 gibt es eine einheitliche OECD-Methodik (Externer Link), um mobilisierte private Mittel aus verschiedenen Finanzinstrumenten wie Garantien, zinsvergünstigte Darlehen, Direktinvestitionen, Kreditlinien und strukturierte Fonds zu erfassen. Deutschland wendet diese Methodik bei der Berichterstattung über privat mobilisierte Mittel zur Klimafinanzierung der KfW Entwicklungsbank (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) und der DEG (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) an.
Auch die multilateralen Entwicklungsbanken und Klimafonds wie der Green Climate Fund (GCF), die Global Environmental Facility (GEF) und die Climate Investment Funds (CIF) mobilisieren in bedeutendem Umfang private Finanzierung, woran Deutschland durch seine Unterstützung einen großen Anteil hat.
Beim UN Climate Action Summit 2019 kündigten die multilateralen Entwicklungsbanken an, bis 2025 jährlich mindestens 65 Milliarden US-Dollar für Klimafinanzierung bereitzustellen. Darüber hinaus wurde das gemeinsame Ziel formuliert, 40 Milliarden US-Dollar an privatem Kapital zu hebeln.
Der gemeinsame Bericht dieser Banken zur Klimafinanzierung 2024 bestätigt den Trend der Vorjahre: Insgesamt stellten sie 85 Milliarden US-Dollar an Klimafinanzierung für Länder mit niedrigen und mittleren Einkommen bereit (gegenüber 61 Milliarden US-Dollar in 2022) und mobilisierten zusätzlich 54 Milliarden US-Dollar aus dem Privatsektor.
Um die internationale Debatte zur privaten Klimafinanzierung zu stärken, hat Deutschland 2023 die „High Level Friends Group Private Climate Finance for Development“ (HLFG) gegründet. Ziel der Gruppe ist es, gemeinsam Wege zu entwickeln, wie mehr private Investitionen für Klimaschutz und Anpassung in Entwicklungs- und Schwellenländern (EMDEs) mobilisiert werden können. Die Ergebnisse fließen in internationale politische und fachliche Diskussionen ein. So wurden in mehreren „Acceleration Dialogues“ Empfehlungen erarbeitet, wie nationale Entwicklungsbanken in EMDEs noch besser zum Klimaschutz beitragen können. Im Rahmen der HLFG findet zudem ein Peer-Learning-Austausch zu Kohlenstoffmärkten statt, in dem EMDEs Erfahrungen, Herausforderungen und Lösungsansätze beim Aufbau und der Umsetzung nationaler Rahmenbedingungen für Kohlenstoffmärkte teilen. Zur HLFG gehören Vertreter von Ministerien aus dem globalen Süden und Norden, internationalen Organisationen, privaten Finanzinstitutionen, Thinktanks, der Wissenschaft sowie Entwicklungsbanken. Das Sekretariat der HLFG (Externer Link) wird von der Climate Policy Initiative gehostet.
Stand: 29.04.2026