Fußgängerbrücke in Hanoi, Vietnam

Vietnam Sozialismus mit Marktwirtschaft vereinbaren

Das Ziel ist ehrgeizig: Vietnam will bis zum Jahr 2045 den Status eines Landes mit hohem Einkommen erreichen („High Income Country“ nach Klassifikation der Weltbank). Dafür müsste das jährliche Pro-Kopf-Einkommen von derzeit umgerechnet 2.650 auf über 12.695 US-Dollar steigen.

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Ein Imbiss in Hanoi, Vietnam

Durch eine schrittweise Erneuerungspolitik („Doi Moi“) hat die sozialistische Republik seit Mitte der 1980er Jahre bereits bemerkenswerte wirtschaftliche Erfolge erzielt. Die Rahmenbedingungen für privatwirtschaftliches Engagement und internationale Investoren haben sich verbessert, die Exportwirtschaft hat sich gut entwickelt. Aus europäischer Sicht sind allerdings deutliche Defizite in der Rechtsstaatlichkeit zu verzeichnen.

Der wirtschaftliche Fortschritt hat zu einem beeindruckenden Rückgang der Armut beigetragen: Lebten Mitte der 1990er Jahre noch mehr als 50 Prozent der Bevölkerung unterhalb der nationalen Armutsgrenze, waren es 2018 nur noch knapp sieben Prozent. Doch vor allem die ländliche Bevölkerung kann noch nicht ausreichend vom ökonomischen Aufschwung profitieren. Der starke Rückgang der Wirtschaftstätigkeit infolge der Corona-Pandemie hat zudem viele Menschen zumindest vorübergehend in neue Existenznöte gebracht.

Damit das Land seinen Erfolgskurs fortsetzen kann, müssen die Auswirkungen der Pandemie bewältigt und grundlegende Strukturprobleme gelöst werden. So kommt zum Beispiel die geplante Privatisierung von ausgewählten Staatsbetrieben nur langsam voran und es herrscht ein enormer Mangel an qualifizierten Fachkräften.

Das Wirtschaftswachstum Vietnams geht außerdem stark auf Kosten der Umwelt. Die vietnamesische Regierung strebt daher auf Grundlage ihrer „Grünen Wachstumsstrategie“ ein nachhaltigeres Wachstumsmodell an. In diesem Zuge hat der Premierminister Pham Minh Chinh auf der Weltklimakonferenz COP26 im November 2021 angekündigt, mit internationaler Unterstützung das Netto-Null-Emissionen-Ziel bis 2050 erreichen und bis zum Ende der 2040er Jahre aus der Kohleenergie aussteigen zu wollen.

Risiko Klimawandel

Vietnam gehört laut dem Global Climate Risk Index zu den zwanzig am stärksten vom Klimawandel betroffenen Ländern. Die dicht besiedelten Deltaregionen entlang der Küste Vietnams sind in besonderem Maße von den Folgen des Klimawandels betroffen. Der zu erwartende Anstieg des Meeresspiegels und die Zunahme extremer Wetterereignisse haben bereits jetzt gravierende Auswirkungen auf die Wirtschaftsentwicklung des Landes. Dazu kommt als weitere Herausforderung das Absinken von Landflächen aufgrund übermäßiger Grundwasserentnahme. Für die vietnamesische Regierung haben darum Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel einen hohen politischen Stellenwert.


Deutsche Entwicklungszusammenarbeit mit Vietnam

Entwicklungs-Staatssekretär Jochen Flasbarth und der vietnamesische Vize-Premierminister Pham Bin Minh

Nach der Wiedervereinigung von Nord- und Südvietnam 1976 pflegte die DDR enge Kontakte zur neu gegründeten Sozialistischen Republik Vietnam. Mit der deutschen Wiedervereinigung nahm die Bundesrepublik 1990 die bilaterale (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) Entwicklungszusammenarbeit wieder auf. 2011 vereinbarten Deutschland und Vietnam eine „strategische Partnerschaft“, um ihre politischen, wirtschaftlichen, kulturellen und entwicklungspolitischen Beziehungen weiter auszubauen.

Im Rahmen des Reformprozesses BMZ 2030 wurde Vietnam zu einem „globalen Partner“ aufgewertet. Im Zentrum der Kooperation steht die gemeinsame Lösung globaler Zukunftsfragen, etwa in den Bereichen Klima- und Umweltschutz, Stabilität der Weltwirtschaft und multilaterale Zusammenarbeit.

Bei Regierungsverhandlungen im Juli 2021 sagte das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) dem Partnerland 113,5 Millionen Euro neu zu. Davon entfallen 29,4 Millionen Euro auf die technische (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) und 84,1 Millionen auf die finanzielle Zusammenarbeit (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen). 60 Millionen Euro wurden als zinsverbillige Darlehen zur Verfügung gestellt und sollen in erster Linie dazu dienen, die Folgen der Corona-Krise abzufedern.

Die Entwicklungszusammenarbeit konzentriert sich künftig auf folgende Kernthemen:

  • Nachhaltige Wirtschaftsentwicklung, Ausbildung und Beschäftigung
    Aktionsfelder: Privatsektor- und Finanzsystementwicklung, berufliche Bildung
  • Klima und Energie, Just Transition
    Aktionsfelder: erneuerbare Energien und Energieeffizienz, Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel, nachhaltige Stadtentwicklung
  • Schutz unserer natürlichen Lebensgrundlagen
    Aktionsfelder: Biodiversität, Waldschutz
  • Gesundheit, Soziale Sicherung und Bevölkerungspolitik
    Aktionsfeld: Gesundheit, Pandemien und One Health

Außerdem trägt das BMZ dazu bei, die Regierungsführung in Vietnam zu verbessern, insbesondere in den Bereichen Rechtsstaatlichkeit und Rechtssicherheit, und unterstützt einen werteorientierten Ansatz digitaler Transformation.

 Lehrlinge in der Schweißwerkstatt in einer Berufsschule in Ho-Chi-Minh-Stadt (Saigon), Vietnam

Kernthema “Nachhaltige Wirtschaftsentwicklung, Ausbildung und Beschäftigung” Qualifizierte Fachkräfte für eine zukunftsfähige und nachhaltige Wirtschaft Interner Link

Um das Wirtschaftswachstum nachhaltig und sozial ausgewogen zu gestalten und in regionalen und internationalen Märkten wettbewerbsfähig zu sein, muss Vietnam seine Wirtschaft weiter modernisieren und dringend benötigte Fachkräfte ausbilden. Das BMZ unterstützt Vietnam dabei, die berufliche Bildung auszubauen und die Wirtschaft zu reformieren.

Wartungsarbeiten an einer Hochspannungsleitung in Vietnam

Kernthema “Klima und Energie, Just Transition Ausbau erneuerbarer Energien, Anpassung an den Klimawandel Interner Link

Vietnams wachsende Wirtschaft lässt die Nachfrage nach Strom kräftig steigen – dadurch steigt auch der Treibhausgasausstoß des Landes. Gleichzeitig gehört Vietnam zu den Ländern, die besonders stark vom Klimawandel bedroht sind. Deutschland fördert die vietnamesische Energiewende.

Ein Bauer mit Mangrovensamen und Setzlingen

Kernthema “Schutz unserer natürlichen Lebensgrundlagen” Wälder nachhaltig bewirtschaften, Artenvielfalt bewahren Interner Link

Vietnam gehört zu den sogenannten Biodiversitäts-Hotspots der Welt. Die Artenvielfalt und die Ökosystemleistungen der Wälder sind sowohl für den Klimaschutz und die Anpassung an den Klimawandel von großer Bedeutung als auch für die Existenzsicherung der ländlichen Bevölkerung. Das BMZ unterstützt Vietnam beim nachhaltigen Waldmanagement und beim Schutz der Biodiversität.

Schwimmender Markt auf dem Mekong

Kernthema “Gesundheit, Soziale Sicherung und Bevölkerungspolitik” Pandemieprävention stärken und One-Health-Ansatz ausbauen Interner Link

Das Gesundheitssystem Vietnams befindet sich im Umbruch. Während die medizinische Versorgung in den größeren Städten, auch durch den wachsenden Privatsektor, immer besser wird, hinkt die medizinische Versorgung in ländlichen Gegenden noch sehr hinterher. Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit setzt an dieser Versorgungslücke an.

Aktuelle Situation

Politische Situation
Das Ho-Chi-Minh-Mausoleum in Hanoi, Vietnam
Soziale Situation
Umwelt und Klima
Wirtschaftliche Situation
Einkaufsstraße in Hanoi bei Nacht

Stand: 22.06.2022