Ein Imbiss in Hanoi, Vietnam

Soziale Situation Wirtschaftswachstum bringt große Erfolge und große Herausforderungen mit sich

Die vietnamesische Volkswirtschaft verzeichnet seit Mitte der 1980er Jahre ein stabiles Wirtschaftswachstum, dazu kommen in den vergangenen Jahren Erfolge bei der Inflationsbekämpfung.

Nicht alle Bevölkerungsgruppen profitieren gleichermaßen vom wirtschaftlichen Aufschwung: Den aufstrebenden Stadtregionen stehen zahlreiche ländliche Gebiete mit ausgeprägten Strukturproblemen gegenüber. Viele Menschen ziehen daher in die Städte, weil sie sich dort einen höheren Lebensstandard erhoffen.

Die zunehmende Verstädterung, die Entstehung einer urbanen Unterschicht und die Auflösung traditioneller Familienstrukturen stellen die vietnamesische Gesellschaft vor große Herausforderungen. Daher hat die Regierung mit dem Aufbau sozialer Sicherungssysteme begonnen, deren Leistungsfähigkeit jedoch gegenwärtig noch begrenzt ist. 2017 waren nur die Beschäftigten im formellen Sektor (knapp ein Viertel aller Erwerbstätigen) in die Arbeitslosen-, Unfall- und Rentenversicherung einbezogen.

Die Analphabetenrate Vietnams liegt bei rund fünf Prozent der über 15-Jährigen und ist damit vergleichsweise niedrig. Das Bildungswesen kann mit der schnellen wirtschaftlichen Entwicklung jedoch nicht mithalten. Der Mangel an arbeitsmarktgerecht ausgebildeten Fachkräften stellt eine große Herausforderung dar. Dies liegt auch daran, dass viele Berufsbildungsangebote nicht den Bedürfnissen des Arbeitsmarkts entsprechen. Daher ist die Reform der beruflichen Bildung eine wichtige Voraussetzung für die weitere wirtschaftliche Entwicklung und die Erhöhung der Produktivität.

Die vietnamesische Regierung beabsichtigt einen gezielten quantitativen und qualitativen Ausbau bedarfsorientierter Berufsbildungsangebote. Ein wichtiger Schwerpunkt liegt dabei auf der Zusammenarbeit mit der Wirtschaft. Damit orientiert sich die Regierung an einem Kernelement des deutschen dualen Berufsbildungssystems.