Wartungsarbeiten an einer Hochspannungsleitung in Vietnam

Kernthema “Klima und Energie, Just Transition Ausbau erneuerbarer Energien, Anpassung an den Klimawandel

Vietnams wachsende Wirtschaft lässt die Nachfrage nach Strom kräftig steigen – dadurch steigt auch der Treibhausgasausstoß des Landes. Gleichzeitig gehört Vietnam zu den Ländern, die besonders stark vom Klimawandel bedroht sind. Deutschland fördert die vietnamesische Energiewende.

Erneuerbare Energien und Energieeffizienz

Die vietnamesische Stromerzeugung basierte bis vor kurzem zu je einem Drittel auf Wasser- und Kohlekraft sowie Erdgas. Seit 2017 wurde jedoch der Anteil von Solar- und Windenergie rasant auf ein Drittel ausgebaut und markiert den ersten Meilenstein einer vietnamesischen Energiewende. Vietnam möchte diese Entwicklung fortsetzen und zum Beispiel ab 2030 keine neuen Kohlekraftwerke mehr bauen.

Zudem hat Vietnam auf der Weltklimakonferenz COP26 im November 2021 angekündigt, mit internationaler Unterstützung das Netto-Null-Emissionen-Ziel bis 2050 erreichen und bis zum Ende der 2040er Jahre aus der Kohleenergie aussteigen zu wollen. Der immer noch hohe Anteil an Kohleverstromung soll sukzessive durch erneuerbare Energien (vor allem On- und Offshore Windenergie) und Erdgas ersetzt werden. Gleichzeitig gilt das vietnamesische Stromnetz als veraltet und muss – auch mit Blick auf die Integration unbeständiger Stromerzeugung aus Sonne und Wind – modernisiert werden. Dies erfolgt schon heute im Rahmen der Umsetzung eines intelligenten Netzes (Smart Grid). Darüber hinaus unternimmt das Land große Anstrengungen im Bereich Energieeffizienz, da Vietnam im regionalen Vergleich die höchste Energieintensität und damit Ineffizienzen aufweist.

Ein Mitarbeiter der Sao Mai Corporation arbeitet an einer Aufdach-Solaranlage in Vietnam.

Ein Mitarbeiter der Sao Mai Corporation arbeitet an einer Aufdach-Solaranlage in Vietnam.

Ein Mitarbeiter der Sao Mai Corporation arbeitet an einer Aufdach-Solaranlage in Vietnam.

Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit unterstützt das zuständige Ministerium, die relevanten Behörden und den staatlichen Energieversorger dabei, Kompetenzen aufzubauen, die rechtlichen und technischen Rahmenbedingungen hin zu einer nachhaltigen Energieversorgung und zu mehr Energieeffizienz zu verbessern und Marktbarrieren für in- und ausländische Investoren im Sektor abzubauen.

Ein wichtiger Eckpfeiler ist die Förderung dezentraler Stromerzeugung durch Solardachanlagen, insbesondere in Industrie und Handel, um diese aktuell nicht genutzten Flächen sinnvoll und verbrauchernah zu erschließen. Außerdem soll künftig im Sinne einer „doppelten Landnutzung“ die Kombination von landwirtschaftlicher Produktion und Energieerzeugung aus Solarkraft (Agri-Photovoltaik) umgesetzt werden. Hierzu wird die Zusammenarbeit zwischen vietnamesischen und deutschen Hochschulen und Privatunternehmen vom BMZ gefördert.


Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel

Um die Folgen des Klimawandels abzufedern, muss die vietnamesische Regierung Klimaprognosen erstellen, das Land- und Wassermanagement provinzübergreifend verbessern, in den Küstenschutz investieren und die Anpassung von Wertschöpfungsketten in Landwirtschaft und Aquakultur an die veränderten Umweltbedingungen fördern. Das BMZ unterstützt die vietnamesischen Partner dabei, entsprechende Programme zu planen, zu finanzieren und gemeinsam mit der privaten Wirtschaft und der Zivilgesellschaft umzusetzen.

Nachhaltige Stadtentwicklung

Die Verstädterungsrate in Vietnam liegt bei 40 Prozent, rund ein Drittel der 870 Städte in Vietnam liegen an der durch den Klimawandel gefährdeten Küste Vietnams. Mit dem neuen Planungsgesetz von 2019, einem Plan für eine nachhaltige Entwicklung intelligenter Städte und einer Resolution zum Thema „Planung, Bau, Verwaltung und nachhaltige Entwicklung der städtischen Gebiete Vietnams bis zum Jahr 2030, mit einer Vision bis 2045“ unternimmt die vietnamesische Regierung erste Schritte als Antwort auf den Klimawandel und die erheblichen Lücken und Widersprüche zwischen Stadtplanung, Stadtentwicklung und Infrastrukturmanagement sowie der nicht vorhandenen systematischen Berücksichtigung von urbaner Klimaresilienz.

Stand: 22.06.2022