Überschwemmung auf den Philippinen

Klimarisikoversicherungen

Klimarisikoversicherungen sichern Menschen besser gegen klimabedingte Schäden und Verluste ab und stärken so ihre finanzielle Widerstandsfähigkeit gegen negative Auswirkungen des Klimawandels. Die Auszahlungen können im Katastrophenfall schnelle Hilfe leisten und gegen Verarmung, Hunger und drohende Verschuldung schützen. Der Dialog zwischen Regierungen, Versicherern und Experten kann zudem das Katastrophenmanagement verbessern.

Der Klimawandel beeinflusst die Häufigkeit und Stärke extremer Wetterereignisse. Fast überall auf der Welt sind stärkere Hitzeextreme zu beobachten. Wirbelstürme verursachen aufgrund intensiverer Regenfälle und höherer Sturmfluten mehr Schäden. Besonders betroffen sind Entwicklungs- und Schwellenländer, in denen die Klimaveränderungen bereits erreichte Entwicklungsfortschritte bedrohen. 

Klimarisikoversicherungen ermöglichen es betroffenen Menschen, besser mit den Folgen extremer Wetterereignisse umzugehen. Die deutsche Entwicklungspolitik engagiert sich insbesondere über die InsuResilience Global Partnership weltweit für ein umfassendes und aktives Management von Klimarisiken. Dabei fördert sie die Zusammenarbeit von Staaten, dem Privatsektor, multilateralen Institutionen, zivilgesellschaftlichen Organisationen sowie Forschungsinstituten.

Widerstandsfähigkeit gegenüber dem Klimawandel steigern 

Die negativen Auswirkungen des Klimawandels treffen Menschen besonders hart, die geringere Möglichkeiten haben, um sich nach einer Katastrophe finanziell und wirtschaftlich zu erholen. Die Lebensgrundlagen und Zukunftsperspektiven dieser verwundbaren (vulnerablen) Gruppen sind bedroht, zum Beispiel durch zerstörte Häuser, ausbleibende Ernten oder Viehsterben. Krankheiten, Mangelernährung und klimabedingte Migration und Vertreibung können die Folge sein. Die Bewältigung der Auswirkungen kann zu weiterer Verschuldung der betroffenen Regionen führen und deren wirtschaftliche Entwicklung erheblich zurückwerfen.

Eine nachhaltige Entwicklung, mit der die Widerstandsfähigkeit der vulnerablen Länder und Menschen gegenüber dem Klimawandel gestärkt wird, kann nur durch ein integriertes Klimarisikomanagement erreicht werden. Dazu gehört der Umgang mit finanziellen Schäden extremer Wetterereignisse. Klimarisikoversicherungen können betroffene Menschen dort unterstützen, wo andere Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel an ihre Grenzen stoßen. Sie decken Schäden ab, die durch Risikoprävention und -reduktion nicht vermieden werden können. 

Empirische Untersuchungen zeigen, dass sich die Wirtschaft in Ländern mit funktionierendem Versicherungsschutz viel schneller erholt. Dennoch ist dies im Kontext von Entwicklungs- und Schwellenländern ein neuartiger Ansatz. Laut der Munich RE (Externer Link) decken Versicherungen dort bisher deutlich unter 10 Prozent der eintretenden Schäden ab, wobei die wirtschaftlichen Folgeschäden durch (Klima-)Katastrophen nicht mit eingerechnet sind. In Industrieländern hingegen sind schätzungsweise 50 Prozent der Schäden durch entsprechende Versicherungen geschützt. 

Was ist eine Klimarisikoversicherung?

Klimarisikoversicherungen bieten finanziellen Schutz gegen die negativen Folgen von Extremwetterereignissen. Man unterscheidet zwischen indirekten und direkten Versicherungsansätzen.

Frauen in der Provinz Sofala in Mosambik, die ein Jahr nach dem verheerenden Wirbelsturm Idai noch vom Welternährungsprogramm unterstützt werden

Indirekte Versicherungsansätze Interner Link

Bei indirekten Versicherungen, auch Makroversicherungen genannt, sind Regierungen die Versicherungsnehmer. Im Schadensfall erhalten sie die Auszahlungen und setzen die finanziellen Mittel für die betroffenen Bevölkerungsgruppen ein.

Reisernte in Bangladesch

Direkte Versicherungsansätze Interner Link

Bei direkten Versicherungen, darunter auch Mikroversicherungen, sichern sich Privatpersonen oder Unternehmen, wie etwa Mikrofinanzinstitute oder Saatgutfirmen, gegen Risiken ab, beispielsweise gegen Ernteausfälle infolge einer Dürre. Im Schadensfall erhalten sie direkte finanzielle Leistungen.

Wozu werden Klimarisikoversicherungen gebraucht?

Schnelle Nothilfe und rascher Wiederaufbau: Während die internationale Staatengemeinschaft und Hilfsorganisationen nach einer Katastrophe oft mühsam Geld einsammeln, verstreicht wertvolle Zeit. Oft dauert es Monate, bis die Betroffenen Hilfe erhalten. Immer mehr Regierungen und humanitäre Akteure erkennen, dass Klimarisikoversicherungen schnelles und effektives Handeln ermöglichen. So schützen sie Menschenleben, Existenzen, aber auch den nationalen Haushalt vor den Auswirkungen des Klimawandels.

Durch den vorausschauenden Charakter von Risikofinanzierung durch Klimarisikoversicherungen kann in Notsituationen schon kurz nach bzw. teilweise sogar vor Eintreten des Schadens Geld an Betroffene ausgezahlt werden. Das rettet Leben und Besitz und sichert Entwicklungserfolge. Versicherungen tragen somit zu Armutsminderung, Schuldentragfähigkeit, nachhaltiger Entwicklung und auch zur Bekämpfung von wirtschaftlichen Migrationsursachen bei.

Anspruch auf Ersatz erlittener Schäden: Klimarisikoversicherungen geben Versicherungsnehmern bei Eintritt der festgelegten Bedingungen die Sicherheit, nach einer Katastrophe tatsächlich Hilfe zu erhalten. Die Betroffenen werden dadurch unabhängiger von Hilfsleistungen und können selbst dazu beitragen, ihre Existenzgrundlage abzusichern. Im Fall von indexbasierten Dürreversicherungen ist die Versicherungsauszahlung beispielsweise an die Unterschreitung bestimmter Niederschlagsmengen gebunden.

Deutsches Engagement InsuResilience Global Partnership

Ausbau von Finanzierungs- und Versicherungslösungen für Klima- und Katastrophenrisiken

Standbild aus dem Video "InsuResilience Global Partnership"
InsuResilience Global Partnership – A platform for action


Die InsuResilience Global Partnership (Externer Link) hat das Ziel, die Resilienz der ärmsten und verwundbarsten Bevölkerungsgruppen in Entwicklungs- und Schwellenländern gegen Klimarisiken und Katastrophen zu stärken. Deutschland hat die Partnerschaft 2017 im Rahmen seiner G20-Präsidentschaft gemeinsam mit anderen Partnern ins Leben gerufen. Die Multi-Akteurs-Partnerschaft umfasst inzwischen über 100 Mitglieder aus Industrie- und Entwicklungsländern, Zivilgesellschaft, Privatwirtschaft, internationalen Organisationen und Forschung. Deutschland ist größter Unterstützer dieser zentralen Initiative.

Die verschiedenen Programme innerhalb der Partnerschaft unterstützen im Voraus vereinbarte Ansätze, wie zum Beispiel Klimarisikoversicherungen, die das finanzielle Risiko von Klimaauswirkungen und Katastrophen abdecken. Durch schnelle Hilfe und Wiederaufbau werden die Lebensgrundlagen armer und vulnerabler Menschen vor klimabedingten Folgen geschützt. Gleichzeitig unterstützt die Partnerschaft die Umsetzung von umfassenden Strategien zu Klima- und Katastrophenrisiken auf nationaler und lokaler Ebene in armen und verwundbaren Ländern. 

Mit der Vision 2025 (Externer Link) hat sich die Partnerschaft ein ambitioniertes Ziel gesetzt: 500 Millionen der ärmsten und verwundbarsten Menschen sollen bis 2025 abgesichert werden. 

Sturmschäden auf der Karibikinsel Dominica nach dem Hurrikan "Maria" im September 2017

Eine globale Partnerschaft im Rahmen der G20 und der V20 Interner Link

Während der deutschen G20-Präsidentschaft 2017 nahm das Thema Klimarisikofinanzierung und -versicherung einen prominenten Platz auf der Agenda der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer ein.

Logo: InsuResilience Global Partnership

Resilienz gegen Klimarisiken stärken Interner Link

Die InsuResilience Global Partnership hat das Ziel, die langfristige Resilienz der ärmsten und verwundbarsten Bevölkerungsgruppen in Entwicklungs- und Schwellenländern gegen Klimarisiken zu stärken: Regierungen, Unternehmen und Haushalte sollen durch den Ausbau von Instrumenten der Klimarisikofinanzierung und -versicherung nach einer Naturkatastrophe schneller und gezielter reagieren können und dadurch mögliche Folgekosten reduzieren.

Eine Bäuerin mit ihrer Ziegenherde im Nordwesten Kenias, der von Dürre betroffen ist

Vision 2025 – globale Ambitionen steigern Interner Link

Die Partnerschaft hat sich mit ihrer Vision 2025 ambitionierte Ziele gesetzt: Bis 2025 sollen 500 Millionen der ärmsten und verwundbarsten Menschen gegen Klimarisiken und Katastrophen abgesichert werden.

Teilnehmerinnen und Teilnehmer bei der Unterzeichnung der trilateralen Vereinbarung im Rahmen des UN-Klimagipfels in New York im September 2019

Trilaterale Vereinbarung zwischen Deutschland, Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen und Insurance Development Forum  Interner Link

Im Rahmen des UN-Klimagipfels im September 2019 haben sich BMZ, das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) sowie das Insurance Development Forum (IDF) als Vertretung des privatwirtschaftlichen Versicherungssektors auf ein gemeinsames Vorgehen geeinigt, um die Ambitionen für die Finanzierung und Versicherung von Klimarisiken zu erhöhen.

Website der InsuResilience Global Partnership

Expertise und Erfahrungen aller wichtiger Akteure bündeln Interner Link

Zur Erreichung der Ziele bündelt die Partnerschaft unter ihrem Dach Expertise und Erfahrungen aller Beteiligten. Sie bringt deshalb Vertreterinnen und Vertreter aus Entwicklungs- und Industrieländern, internationalen Organisationen und Entwicklungsbanken, dem Privatsektor, der Zivilgesellschaft und der Wissenschaft zusammen.

Deutsches Engagement Erfolge des BMZ im Bereich Klimarisikoversicherungen

Cover Insuresilience Global Partnership

InsuResilience Global Partnership

Die globale Partner­schaft für Finanz­ierungs- und Versicherungs­lösungen gegen Klima- und Katastrophen­risiken

Dateityp PDF | Sachstandsdatum 11/2021 | Dateigröße 338 KB, Seiten 2 Seiten

Seit ihrer Gründung hat die InsuResilience Global Partnership große For­tschritte erzielt: Mehr als 1,1 Milliarden Euro wurden von den verschie­denen Gebern bisher zugesagt, um Versicherungs- und Finanz­ierungs­­ansätze für Klima- und Katas­trophen­­risiken auszu­weiten und zu entwickeln. Deutschland ist mit rund 800 Millionen Euro größter Unter­­stützer.

Mit diesen Mitteln werden unter anderem nationale und sub­nationale Regierungen dabei unterstützt, um­fassende Strategien zum Klima- und Katas­trophen­risiko­management zu entwickeln, damit sie besser gegen die negativen Auswirkungen des Klima­wandels gewappnet sind. Bereits bestehende Programme, wie die African Risk Capacity (ARC), werden weiterhin von Deutschland unterstützt. Die ARC-Dürre­versicherung hat bis Mitte 2020 61 Millionen US-Dollar an die Regierungen von Mauretanien, Senegal, Malawi, Niger und Elfenbeinküste und humanitäre Akteure wie das Start Network ausgezahlt, wodurch mehr als 3,2 Millionen Menschen in akuten Dürre­katastrophen geholfen werden konnte.

Im Jahr 2016 gründete Deutschland gemeinsam mit Großbritannien, USA, Japan, den pazifischen Inselstaaten und der Weltbank eine neue Risiko­versicherungs­fazilität, die Pacific Catastrophe Risk Assessment and Financing Initiative (Externer Link) (PCRAFI). Sie bietet den Regierungen der pazifischen Insel­staaten Versicherungsprodukte gegen tropische Wirbelstürme, Tsunamis und Erdbeben an. Beispielsweise erhielt Tonga Anfang 2018 über die PCRAFI bereits sieben Tage nach Zyklon "Gita" eine Auszahlung von 3,5 Millionen US-Dollar. Im April 2020 folgte eine weitere Auszahlung über 4,5 Millionen US-Dollar wenige Tage nach Zyklon "Harold" für Nothilfe und Wiederaufbau. 

Neue Programme zur Umsetzung

Um den Ausbau von Versicherungs- und Finanzierungs­ansätzen für vulnerable Länder in größerem Maßstab weiter zu fördern, hat Deutschland 2018 in Zusammenarbeit mit Großbritannien und der Weltbank ein neues Implementierungs­programm gegründet, die Global Risk Financing Facility (GRiF). Ein weiteres neues Programm ist der InsuResilience Solutions Fund (ISF), den die Bundes­regierung zusammen mit der KfW ins Leben gerufen hat. Beim ISF wird ein besonderer Schwer­punkt auf die Einbeziehung und Zusammen­arbeit mit dem Privat­sektor gelegt.

Im Zuge der neuen Programme wurde innerhalb der InsuResilience Global Partnership die Program Alliance aufgebaut, um eine Koordination der unterschiedlichen Umsetzungs­bemühungen sicherzustellen. Deutschland und Großbritannien sind als wichtige Gebe­rländer vertreten. Durch den regelmäßigen Aus­tausch können die Versicherungs- und Finanzierungs­produkte noch besser den Bedürf­nissen der Partnerl­änder angepasst und die Markt­einführung neuer Produkte begleitet werden.

Globale Bedeutung

Im Rahmen des UN-Klimagipfels im September 2019, den der UN-Generalsekretär António Guterres einberufen hat, wurde die Partnerschaft als eine der zentralen globalen Resilienz-Initiativen hervorgehoben. In ihrer auf dem UN-Klimagipfel verkündeten Vision 2025 hat sich die Partnerschaft dazu verpflichtet, einen Schwerpunkt auf die Gleichstellung der Geschlechter zu legen. Das Thema Gender wird als Querschnittsziel in alle Aktivitäten zu Versicherungs- und Finanzierungsansätzen für Klima- und Katastrophenrisiken integriert.

Zusammenarbeit konkret

Dorf in der Somali-Region in Äthiopien, in dem sich wegen der anhaltenden Dürre Nomaden angesiedelt haben

Afrika: Absicherung gegen Ernteausfälle Policen gegen Dürrefolgen – ARC und ARC Replica Interner Link

Die African Risk Capacity (ARC) und ARC Replica unterstützen afrikanische Staaten dabei, sich besser auf Dürren vorzubereiten und sichern diese gegen finanzielle Schäden nach Dürren. So kann schnell und effektiv geholfen werden.

Ein junges Mädchen auf einer Behelfsbrücke nach einer Überflutung in der Provinz Sindh in Pakistan

Pakistan: Lokale Mikroversicherungen Unterstützung von lokalen Institutionen durch den InsuResilience Investment Fund Interner Link

Pakistan leidet regelmäßig unter extremen Wettereignissen mit negativen Folgen für die Bevölkerung, besonders im landwirtschaftlichen Bereich. Mit Unterstützung des InsuResilience Investment Funds (IIF) bietet eine lokale pakistanische Stiftung Bäuerinnen und Bauern nun die Möglichkeit, zum Erwerb von Vieh aufgenommene Mikrokredite mit einer Klimarisikoversicherung zu koppeln. 

Überschwemmung in Iquitos, Peru

Peru: InsuResilience Solutions Fund  Entwicklung eines neuen Versicherungsprogramms für öffentliche Schulen in Peru Interner Link

Zunehmende Wetterextreme wie Überschwemmungen stellen Peru vor eine große Herausforderung. Dabei ist die öffentliche Infrastruktur von besonderer Bedeutung. Der InsuResilience Solutions Fund setzt an dieser Stelle an und fördert ein Versicherungsprogramm für öffentliche Schulen.

Fachlicher Hintergrund Was versteht man unter Klimarisikofinanzierung?

Extremwetterereignisse sind unterschiedlich stark und häufig. Um den daraus resultierenden Klimarisiken wirksam zu begegnen, werden aufeinander abgestimmte Instrumente der Risikofinanzierung benötigt, die jeweils unterschiedliche Finanzierungsbedarfe abdecken: Direkte und indirekte Klimarisikoversicherungen, Garantien, Bonds oder (Reserve-)Fonds sowie Kredite oder Zuschüsse helfen betroffenen Menschen, sich einerseits schnell von Katastrophen zu erholen und sich andererseits zukünftig besser davor zu schützen.

Schäden durch Zyklon Evan 2012 auf Samoa

Schäden durch Zyklon Evan 2012 auf Samoa

Schäden durch Zyklon Evan 2012 auf Samoa

Klimarisikofinanzierung ist dann am wirksamsten, wenn sie in eine umfassende Risikomanagementstrategie eines Landes eingebettet und in die Budget- und Kreditlinien eines Staatshaushaltes einkalkuliert ist. Jedes Finanzierungsmodell sollte fallspezifisch anhand der lokalen Gegebenheiten und Risikofaktoren identifiziert werden, um einen möglichst hohen Nutzen für die betroffenen Menschen zu gewährleisten. Die Wahl des effizientesten Instruments wird aufgrund des gegebenen Risikos bestimmt – beispielsweise sind bei kleinen, oft wiederkehrenden Ereignissen eher Reservefonds im Staatshaushalt geeignet, während Extremereignisse am effektivsten durch Versicherungen abgedeckt werden können.

Über eine ganzheitliche Klimarisikofinanzierung haben Regierungen, humanitäre Akteure oder andere Organisationen im Falle einer Katastrophe schnellen Zugriff auf finanzielle Mittel. Das entlastet den Staatshaushalt und schafft finanzielle Sicherheit und Planbarkeit. Auf staatlicher Ebene ist dabei entscheidend, dass vorab definiert wird, wie im Katastrophenfall die Auszahlung der Mittel erfolgen soll, damit die ärmsten und verwundbarsten Bevölkerungsgruppen davon schnell profitieren und Folgeeffekte minimiert werden.

Fachlicher Hintergrund Potenziale von Risikofinanzierung und Klima­risiko­versicher­ungen 

Versicherungen eignen sich vor allem für die Absicherung von mittleren bis schweren Risiken, die in höheren Wiederkehrperioden ab etwa 15 Jahren vorkommen. Regional kann sich diese Eignung allerdings stark unterscheiden. Risikobewertungen sind notwendig, um den adäquaten Einsatz von Versicherungen und weiteren Instrumente der Risikofinanzierung wie beispielsweise Reservefonds genauer zu bestimmen.

Diese werden in einer umfassenden Finanzierungsstrategie des Klima- und Katastrophenrisikomanagements genau festgelegt und entsprechend den lokalen Bedürfnissen angepasst.    

Anreize für vorbeugendes und risikominderndes Verhalten: Der Abschluss einer Dürreversicherung erfolgt auf Basis einer systematischen Risikobewertung. Durch risikomindernde Maßnahmen, wie zum Beispiel den Anbau einer dürreresistenteren Frucht oder den Bau schützender Infrastruktur, kann die Höhe der Versicherungsprämie für Kleinbäuerinnen und Kleinbauern reduziert werden. Das fördert das Bewusstsein für die Entwicklung von Anpassungsmaßnahmen und Risikovorsorge für den Fall einer Katastrophe. Zudem verlangen einige regionale Risikopools, wie die African Risk Capacity , die Entwicklung von Notfallplänen als Vorbedingung für einen Versicherungsabschluss. Die Notfallpläne sorgen dafür, dass ausgezahlte Mittel effektiv eingesetzt werden.

Feldarbeit in Nordkenia

Feldarbeit in Nordkenia

Feldarbeit in Nordkenia

Synergien zwischen öffentlichen und privaten Bemühungen: Im Allgemeinen mobilisieren Versicherungsprodukte und Finanzlösungen privates Kapital auf vielfältige Weise. Erstens verringern Versicherungen das Risiko finanzieller Verluste, ermöglichen so zusätzliche lokale Investitionen und machen mehr Projekte bankfähig. Zweitens stützen sich Versicherungslösungen oder -pools auf (privates) Rückversicherungskapital, wodurch das erforderliche Solvenz(risiko)kapital erheblich verringert wird. Schließlich können Versicherungsvehikel wie (strukturierte) Fonds, Anleihen oder Fazilitäten eine große Zahl privater Investoren mobilisieren, die aufgrund der Diversifizierungsmöglichkeit angezogen werden.

Somit sind Klimarisikoversicherungen ein gutes Beispiel in der Entwicklungspolitik, wie der öffentliche Sektor gemeinsam mit der Privatwirtschaft Produkte zugunsten von armen und verwundbaren Menschen entwickelt. Insbesondere Versicherungsunternehmen können ihr Risikokapital sowie ihre Expertise zu Risikoanalysen und Versicherungsprodukten einbringen, während der öffentliche Sektor einerseits die finanzielle Förderung bereitstellt, aber auch die politischen und rechtlichen Rahmenbedingungen schaffen muss. Die Entwicklung von lokalen Versicherungsmärkten fällt ebenfalls in diesen Bereich. 

Instrumente zur Risikobewertung sind eine wesentliche Voraussetzung für Versicherungen. Im Entwicklungskontext ist die Datenverfügbarkeit begrenzt und die Datenqualität bringt eine weitere Unsicherheitsstufe mit sich, die zu teureren Prämien führen kann. Hier gibt es gemeinsame Bestrebungen, die globale Datenverfügbarkeit bzw. globale Risikomodelle zur Verfügung zu stellen.

Gesteigerte Tragfähigkeit von Klimarisiken in Staatshaushalten: Klimabedinge Katastrophen können Staatshaushalte signifikant belasten, wenn öffentliche Mittel für die unmittelbare Nothilfe und anschließenden Wiederaufbau mobilisiert werden müssen. Dies kann einerseits zu einer Reallokation von Mitteln führen, die sonst der langfristigen Entwicklung des Landes zugutegekommen wären. Andererseits müssen Länder direkt nach der Katastrophe Schulden häufig zu sehr schlechten Finanzierungsbedingungen aufnehmen. Dies hat erhebliche Folgen für das Verschuldungsniveau bereits armer Länder.

Vorab definierte Risikofinanzierungslösungen geben vulnerablen Ländern Verlässlichkeit in der finanziellen Tragfähigkeit von Klimarisiken. Beispiele für diese Lösungen, um auf Klimaschocks und Naturkatastrophen zu reagieren, sind der Aufbau von Reserven im Staatsbudget, die Aufnahme bedingter Darlehen, die nach Naturkatastrophen zu vorab festgelegten Konditionen aktiviert werden können, oder Versicherungslösungen, die rasche Liquidität ohne Schuldenaufnahme bereitstellen, um für Klimaextreme gewappnet zu sein.

Versicherungslösungen

 Caribbean Catastrophe Risk Insurance Facility

Caribbean Catastrophe Risk Insurance Facility (CCRIF) Interner Link

Die Caribbean Catastrophe Risk Insurance Facility (CCRIF) für karibische Staaten war der erste regionale Versicherungspool dieser Art, als er 2007 gegründet wurde. 2015 wurde die Versicherung auf die Staaten Mittelamerikas ausgeweitet. Mittlerweile sind die zentralamerikanischen Länder Guatemala, Panama und Nicaragua beigetreten.

Logo: Global Risk Financing Facility

Die Global Risk Financing Facility (GRiF) Interner Link

Im Oktober 2018 hat Deutschland gemeinsam mit Großbritannien und der Weltbank ein neues Implementierungsprogramm zur Ausweitung und Weiterentwicklung von Klimarisikoversicherungen für vulnerable Länder gegründet, die Global Risk Financing Facility (GRiF).

Logo: Global Index Insurance Facility

Global Index Insurance Facility (GIIF) Interner Link

Die Global Index Insurance Facility (GIIF) ist ein spezielles Programm der Weltbankgruppe und wird als Teil der Global Practice Finance, Competitiveness & Innovation verwaltet. Dieses Vorhaben wird im Rahmen der InsuResilience Global Partnerschaft umgesetzt, zu deren Mitgliedern alle Geber der GIIF zählen.

Logo: InsuResilience Solutions Fund

InsuResilience Solutions Fund (ISF) Interner Link

Ein weiteres wichtiges Umsetzungsprogramm der InsuResilience Global Partnership ist der InsuResilience Solutions Fund (ISF). Dieser unterstützt die Entwicklung innovativer Klimarisikoversicherungsprodukte in Entwicklungs- und Schwellenländern, um die Auswirkungen des Klimawandels abzumildern. 

Logo: InsuResilience Investment Fund

InsuResilience Investment Fund (IIF) Interner Link

Der von Deutschland über die KfW konzipierte und mitfinanzierte InsuResilience Investment Fund (IIF) investiert Eigenkapital und Darlehen in private Versicherungen und Intermediäre mit Aktivitäten in Entwicklungsländern, um bis zu 100 Millionen armen und vulnerablen Menschen Zugang zu Klimarisikoversicherungen zu ermöglichen.

Vom Erdbeben zerstörtes Haus in Haiti

Natural Disaster Fund (NDF) Interner Link

Der Natural Disaster Fund (NDF) bietet Entwicklungsländern angepasste Lösungen an, die auf wissenschaftlichen Wettermodellen, versicherungsmathematischen Methoden und Risikotransferinstrumenten aufbauen.

BMZ-Factsheets

Cover Insuresilience Global Partnership

InsuResilience Global Partnership

Die globale Partner­schaft für Finanz­ierungs- und Versicherungs­lösungen gegen Klima- und Katastrophen­risiken

Dateityp PDF | Sachstandsdatum 11/2021 | Dateigröße 338 KB, Seiten 2 Seiten