Frauen beim Reisdreschen in Sunu

Nigeria Bittere Armut trotz Rohstoffreichtum

Mit mehr als 190 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern ist Nigeria der bevölkerungsreichste Staat Afrikas sowie die größte Volkswirtschaft des Kontinents. Das Land gehört zu den wichtigsten Erdölproduzenten weltweit. Doch trotz wirtschaftspolitischer Reformen ist es der Regierung bislang nicht gelungen, diesen Rohstoffreichtum für die wirtschaftliche und soziale Entwicklung des Landes zu nutzen. Im aktuellen Index der menschlichen Entwicklung (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) (HDI) belegt Nigeria Platz 158 von 189 Staaten. Der westafrikanische Staat hat mittlerweile Indien als Land mit der größten Anzahl extrem armer Menschen abgelöst.

Nigeria ist mit sozialen, ethnischen, religiösen und politischen Konflikten konfrontiert. Lange Phasen autoritärer Militärherrschaft haben zur Instabilität des Landes beigetragen. Neben der weit verbreiteten Armut zählen Defizite in der Regierungsführung, ein hohes Maß an Korruption, ein geringes Wirtschaftswachstum, eine marode Infrastruktur, eine angespannte Sicherheitslage und wiederholte terroristische Anschläge zu den großen Herausforderungen für die Politik.

Ent­wick­lungs­po­li­ti­sche Zu­sam­men­ar­beit

Nigeria gehört zu den Ländern, die Deutschland im Rahmen thematischer und regionaler Programme fördert. Die Entwicklungszusammenarbeit konzentriert sich auf die nachhaltige Wirtschaftsentwicklung inklusive Beschäftigungsförderung und berufliche Bildung sowie auf die Förderung von erneuerbaren Energien und Energieeffizienz.

Politische Situation
Tor in der nigerianischen Hauptstadt Abuja

Defizite bei Demokratie und Rechtsstaatlichkeit Interner Link

Seit Nigeria vor 60 Jahren unabhängig wurde, hat es zahlreiche politische Krisen durchlebt. Nach drei Jahrzehnten Militärherrschaft setzte 1999 ein Demokratisierungsprozess ein.

Sicherheitslage
Binnenvertriebene in der ostnigerianischen Stadt Yola, die vor Boko Haram geflohen sind

Konflikte in vielen Landesteilen Interner Link

Große soziale Ungleichheiten und mangelnde Zukunftsperspektiven sorgen für Spannungen innerhalb der nigerianischen Gesellschaft und tragen dazu bei, dass das Land immer wieder von gewalttätigen Auseinandersetzungen erschüttert wird.

Soziale Situation
Straßenszene in Sokoto, Nigeria

Armut und Korruption allgegenwärtig Interner Link

Trotz hoher Einnahmen aus der Rohstoffindustrie und erster wirtschaftspolitischer Reformen ist es der Regierung Nigerias bislang nicht gelungen, spürbare Verbesserungen für die Menschen im Land zu erreichen.

Wirtschaftliche Situation
Öl- und Benzinverkauf in einem Dorf im Nigerdelta

Große Abhängigkeit vom Erdöl Interner Link

Nigerias Wirtschaft wird stark vom Öl- und Gasgeschäft dominiert. Es verschafft dem Land zwar hohe Exporterlöse, sorgt jedoch für eine starke Abhängigkeit der Staatseinnahmen von der Ölpreisentwicklung. Außerdem entstehen in diesem Sektor kaum neue Arbeitsplätze.

Deutsche Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit mit Nigeria

Die entwicklungspolitische Zusammenarbeit zwischen Nigeria und Deutschland besteht seit der Unabhängigkeit des Landes im Jahr 1960.

Während der Militärdiktatur von Sani Abacha (1993 bis 1998) wurde die bilaterale Zusammenarbeit größtenteils eingestellt. Seit dem demokratischen Neubeginn 1999 konzentriert sich die deutsche Entwicklungspolitik darauf, die Reformbemühungen der Regierung im Hinblick auf Armutsbekämpfung, Wirtschaftswachstum und regionale Stabilität zu unterstützen. 2017 wurden dafür Mittel in Höhe von 72,1 Millionen Euro zugesagt.

Die deutsch-nigerianische Entwicklungszusammenarbeit konzentriert sich auf folgende Schwerpunkte:

  • Nachhaltige Wirtschaftsentwicklung
  • Erneuerbare Energien/Energieeffizienz

Darüber hinaus fördert das BMZ ein Impfprogramm der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und des UN-Kinderhilfswerks (UNICEF) zur Bekämpfung von Polio. Unterstützt werden vor allem Impfkampagnen im Norden des Landes.

Schülerinnen einer staatlichen Sekundarschule in Abeokuta, Nigeria

Schülerinnen einer staatlichen Sekundarschule in Abeokuta, Nigeria

Schülerinnen einer staatlichen Sekundarschule in Abeokuta, Nigeria

Sonderinitiativen

Mit Mitteln der Sonderinitiative "EINEWELT ohne Hunger" wurde in Nigeria ein sogenanntes Grünes Innovationszentrum gegründet. Es unterstützt die Reform des Agrarsektors und setzt vor allem bei der Ernährungssicherung an.

Auf das Fehlen von Bildungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten sowie auf den Mangel an langfristigen Perspektiven reagieren viele junge Menschen in Nigeria mit Migration. Mit Mitteln der Sonderinitiative Flucht und Migration hat das Bundesentwicklungsministerium (BMZ) daher Beratungszentren in Lagos, Abuja und Benin City eingerichtet. Sie bieten Information und Beratung an, zeigen Alternativen zur Migration auf und schaffen über die Vermittlung von Jobs konkrete Bleibeperspektiven.

Auch Flüchtlinge und Migrantinnen und Migranten, die aus Deutschland in ihr Heimatland zurückkehren, werden unterstützt. Im Rahmen seines Programms Perspektive Heimat hat das BMZ die Mittel für Vorhaben zur Berufsbildung und Beschäftigungsförderung in Nigeria aufgestockt.

Arbeiter in einer kleinen Reismühle in Jega, Nigeria

Schwerpunkt Nachhaltige Wirtschaftsentwicklung Zugang zu Krediten und beruflicher Aus- und Fortbildung Interner Link

Um die Armut in Nigeria erfolgreich zu reduzieren, werden unter anderem deutlich mehr Arbeits- und Einkommensmöglichkeiten für die wachsende Bevölkerung benötigt. Der Privatsektor, der viele Arbeitsplätze bieten könnte, ist bisher aber nur sehr schwach entwickelt. Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit konzentriert sich daher auf die Verbesserung der Rahmenbedingungen für privatwirtschaftliches Handeln.

Solarbetriebener Wasserspeicher in Ikot Ada Udo im Niger-Delta

Schwerpunkt Erneuerbare Energien/Energieeffizienz Nutzung von Solarenergie ausbauen Interner Link

Trotz großer Investitionen gibt es in weiten Teilen Nigerias nur stundenweise Elektrizität. Fast 60 Prozent der ländlichen Bevölkerung sind nicht ans Stromnetz angebunden, sondern versorgen sich über umweltschädliche und teure Dieselgeneratoren mit Energie. Deutschland unterstützt die nigerianische Regierung dabei, verstärkt in erneuerbare Energien zu investieren, um eine Stromversorgung aufzubauen, die Ressourcen und Umwelt schont.