Straßenszene in Sokoto, Nigeria

Soziale Situation Armut und Korruption all­gegen­wärtig

Trotz hoher Einnahmen aus der Rohstoff­industrie und erster wirtschafts­politischer Reformen ist es der Regierung Nigerias bislang nicht gelungen, spürbare Verbesser­ungen für die Menschen im Land zu erreichen.

Etwa die Hälfte der Bevölkerung lebt in extremer Armut, wobei die Lebens­bedingungen im jahrzehntelang vernachlässigten Norden deutlich schlechter sind als im Süden. Die durch­schnitt­liche Lebens­erwartung ist eine der niedrigsten der Welt, sie beträgt nur 55 Jahre.

Die Ernährungs- und Gesundheits­situation vieler Menschen ist von Geburt an dramatisch schlecht: Nach Angaben der Weltbank (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) sterben von 1.000 Neu­geborenen 117 vor ihrem fünften Geburtstag. Nur etwa ein Fünftel  der Bevölkerung hat Zugang zu hygienisch einwandfreiem Trink­wasser, die Mehrheit  der Einwohner­innen und Einwohner verfügt nicht einmal über eine Basis­sanitär­versorgung.

Nur etwa 55 Prozent der Bevölkerung sind an das öffentliche Strom­netz angeschlossen, im ländlichen Bereich sind es nur 25 Prozent. Die Analphabeten­quote liegt bei fast 40 Prozent.

Der Ölreich­tum des Landes kommt nur einer kleinen Elite zugute. Günstlings­wirtschaft und Korruption gehören zum Alltag. Auf dem Korruptions­wahrnehmungsindex 2020 (Externer Link) von Transparency International liegt Nigeria auf dem 149. Platz von 180 bewerteten Staaten.

Bevölkerung wächst rapide

Die nigerianische Bevölkerung wächst derzeit jährlich um 2,5 Prozent – also um rund fünf Millionen Menschen. In den vergangenen 30 Jahren hat sie sich mehr als verdoppelt, von etwa 95 Millionen Einwohner­innen und Einwohner im Jahr 1990 auf rund 206 Millionen (2020). Die Vereinten Nationen gehen von einer weiteren Verdopplung auf 400 Millionen Menschen bis zur Mitte des Jahr­hunderts aus. Bereits jetzt sind mehr als 40 Prozent der Bevöl­kerung unter 15 Jahre alt.

Angesichts dieser Bevölkerungs­zunahme reichte das wirt­schaftliche Wachstum der vergangenen Jahre bei weitem nicht aus, um nachhaltige Entwicklungs­fortschritte zu erzielen. Für die stetig wachsende junge Generation gibt es kaum Aus­sichten auf geregelte Arbeits­verhältnisse, Wohnungen oder eine soziale Grund­versorgung. Nach Angaben des nigerianischen Nationalen Statistik­büros lag die Arbeitslosen­quote Ende 2020 bei 33 Prozent, unter den Jugend­­lichen bei 42 Prozent.

Diese Perspektiv­losigkeit birgt extrem hohes Konflikt­potenzial. Bereits jetzt versuchen wachsende Teile der nigerianischen Gesell­schaft, ihre persönlichen und politischen Interessen mit Gewalt durch­zusetzen.