Sicherheitslage Konflikte in vielen Landesteilen

Große soziale Ungleichheiten und mangelnde Zukunftsperspektiven sorgen für Spannungen innerhalb der nigerianischen Gesellschaft und tragen dazu bei, dass das Land immer wieder von gewalttätigen Auseinandersetzungen erschüttert wird.

Binnenvertriebene in der ostnigerianischen Stadt Yola, die vor Boko Haram geflohen sind

Binnenvertriebene in der ostnigerianischen Stadt Yola, die vor Boko Haram geflohen sind

Binnenvertriebene in der ostnigerianischen Stadt Yola, die vor Boko Haram geflohen sind

Häufig werden soziale und wirtschaftliche Konflikte ethnisch oder religiös instrumentalisiert. In Nigeria leben mehr als 250 ethnische Gruppen, der Norden des Landes ist vorwiegend muslimisch, der Süden stärker christlich geprägt.

Die Sicherheitslage und die humanitäre Situation im Nordosten des Landes haben sich 2018 wieder verschlechtert. Im Grenzgebiet von Nigeria, Kamerun, Niger und Tschad verübt die islamistische Terrorgruppierung "Boko Haram" weiterhin Anschläge auf staatliche Einrichtungen, Märkte, Schulen, Kirchen und Moscheen. Eine internationale Einsatztruppe konnte sie 2015 zwar aus weiten Landesteilen Nigerias vertreiben. Doch das Militär ist bisher nicht in der Lage, die Sicherheit in der Region zu garantieren und die Bevölkerung vor Angriffen zu schützen.

Das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) bezifferte die Zahl der nigerianischen Binnenvertriebenen Ende November 2020 auf mehr als 2,7 Millionen Menschen.

Kampf um Ressourcen

Regional ausgeweitet haben sich in jüngster Zeit Konflikte zwischen Hirten und Bauern in Zentralnigeria. Die Wanderhirten ziehen traditionell vom Norden des Landes in Richtung Süden, um ihre Rinder weiden zu lassen und Fleisch in die Schlachthöfe des Südens zu bringen. Die früheren Weidekorridore gibt es jedoch nicht mehr - das Land ist inzwischen entweder bebaut oder wird landwirtschaftlich genutzt. Den Auseinandersetzungen fielen bereits mehrere Hundert Menschen zum Opfer.

Der Streit um Land und Ressourcen könnte zu einer ethno-religiösen Spaltung der Gesellschaft führen, da muslimische Hirten vorwiegend christlichen Farmern gegenüberstehen. Die fortschreitende Wüstenbildung in Nordnigeria, das Bevölkerungswachstum und die angespannte wirtschaftliche Lage tragen zur Verschärfung des Konflikts bei.

Hohes Eskalationspotenzial

Angespannt bleibt die Lage auch in den Ölfördergebieten des Niger-Deltas. Dort lieferten sich verschiedene bewaffnete lokale Gruppen, paramilitärisch organisierte kriminelle Banden und Sicherheitskräfte jahrelange Kämpfe. Erst ein 2009 gestartetes Amnestieprogramm der Regierung, das unter anderem staatliche Transferzahlungen an ehemalige Aufständische vorsieht, sorgte für eine Beruhigung der Lage. 2016 wurde eine Waffenruhe vereinbart, allerdings sind weiterhin gewaltbereite Milizen in der Region aktiv. Experten warnen vor einem Wiederaufflammen der Kämpfe, falls sichtbare Fortschritte bei der wirtschaftlichen Entwicklung der Region und bei der Beseitigung der durch die Ölförderung verursachten Umweltschäden weiterhin ausbleiben.

Ein weiterer Konfliktherd schwelt im Südosten des Landes, wo sich separatistische Gruppen für die Unabhängigkeit der Provinz Biafra einsetzen. Ähnliche Bestrebungen hatten Ende der 1960er Jahre zu einem fast drei Jahre andauernden Bürgerkrieg geführt.