Dorfbewohnerinnen um einen öffentlichen Brunnen in Tschad

Tschad Land im Umbruch

Tschad ist eines der ärmsten Länder der Welt. Im Index der menschlichen Entwicklung (HDI (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen)) belegt es Rang 190 der 191 aufgeführten Staaten. Mehr als 40 Prozent der Tschaderinnen und Tschader leben in Armut. Zwar wird seit 2003 in Tschad Erdöl gefördert, andere Wirtschaftsbereiche sind jedoch kaum entwickelt. Die Verschuldung ist hoch.

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Das Land ist mit großen Herausforderungen konfrontiert. Dazu zählen ein starkes Bevölkerungswachstum, die Folgen des Klimawandels und die damit verbundene Ernährungsunsicherheit, Machtkämpfe, die teils gewaltsam ausgetragen werden, eine weit verbreitete Korruption, ethnische Konflikte, Angriffe islamistischer Terrorgruppen und die Versorgung von Flüchtlingen und Binnenvertriebenen. Die Corona-Pandemie hat die ohnehin schwierige Lage weiter verschärft.

Nach dem plötzlichen Tod des langjährigen Staatspräsidenten Idriss Déby im April 2021 befindet sich Tschad im politischen Umbruch. Entgegen der Verfassung hat ein Militärrat vorübergehend die Führung des zentralafrikanischen Staates übernommen. Die Übergangsphase soll in demokratische Wahlen münden. 

Sicherheitspolitisch übernimmt Tschad eine wichtige militärische Rolle in der Region mit der Beteiligung an verschiedenen multinationalen und regionalen Eingreiftruppen (MINUSMA, G5 du Sahel, Multinational Joint Task Force).


Deutsche Entwicklungszusammenarbeit mit Tschad

Tschad gehört zu den sogenannten Nexus- und Friedenspartnern des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Die Zusammenarbeit mit diesen Partnern konzentriert sich auf die Beseitigung der strukturellen Ursachen von Konflikten, Flucht und Gewalt. Das BMZ unterstützt sie bei der Friedenssicherung und fördert Prozesse der Stabilisierung.

Übergangshilfe und Sonderinitiative Flucht

Die zwischenstaatliche Entwicklungszusammenarbeit von Deutschland und Tschad wurde 2008 eingestellt. In den vergangenen Jahren hat das BMZ das zentralafrikanische Land dennoch weiter unterstützt, vor allem im Rahmen der strukturbildenden Übergangshilfe. Gefördert werden neben Projekten, die von der GIZ (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) und der KfW (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) umgesetzt werden, Vorhaben von Nichtregierungsorganisationen und multilateralen (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) Partnern wie dem Welternährungsprogramm (WFP).

Im Mittelpunkt stehen die Ernährungssicherung, die Stärkung der Resilienz (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) und die Bereitstellung von Basisdienstleitungen in den Bereichen Trinkwasser, Sanitärversorgung, reproduktive Gesundheit und Landwirtschaft.

Um die Existenzgrundlagen der lokalen Bevölkerung und der aufgenommenen Flüchtlinge zu verbessern, hat das BMZ Tschad außerdem im Rahmen der Sonderinitiative "Flucht" unterstützt. 

Das BMZ beteiligt sich zudem an dem Fonds des UN-Entwicklungsprogramms (UNDP (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen)) zur Unterstützung des Transitionsprozesses in Tschad. siehe auch: Politische Situation).

Darüber hinaus ist Tschad eines der begünstigten Empfängerländer  im Rahmen der deutschen Entwicklungszusammenarbeit mit der Sahel-Allianz sowie mit Regionalorganisationen, etwa der Tschadseebeckenkommission (Commission du Bassin du Lac Tchad, CBLT), der Zentralafrikanischen Wirtschafts- und Währungsgemeinschaft (CEMAC (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen)) und der Zentralafrikanischen Forstkommission (COMIFAC (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen)). Weiterhin unterstützt das BMZ Tschad über die Förderung der Zivilgesellschaft, Kirchen, politischen Stiftungen und der Wirtschaft sowie über die EU und multilaterale Institutionen.
 

Aktuelle Situation

Eine Frau gibt bei den Präsidentschaftswahlen 2016 in Tschad ihre Stimme ab.
Straßenszene in N'Djamena, der Hauptstadt des Tschad: Eine lange Reihe Menschen gehen über eine geschotterte Straße.

Stand: 08.08.2022