Straßenszene in N'Djamena, der Hauptstadt des Tschad: Eine lange Reihe Menschen gehen über eine geschotterte Straße.

Wirtschaftliche Situation Starke Abhängigkeit von Erdölexporten

Tschad befindet sich in einer tiefen wirtschaftlichen Krise. Nach zwei Rezessionsjahren erholte sich die Wirtschaft ab 2018 zwar leicht. 2020 ging das Bruttoinlandsprodukt (BIP) jedoch aufgrund der Corona-Pandemie wieder um 0,9 Prozent zurück. Für 2022 rechnet der Internationale Währungsfonds (IWF (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen)) mit einem BIP-Wachstum von 3,3 Prozent (Stand: April 2022).

Um die Armut im Land zu verringern, braucht es grundlegende wirtschaftliche Reformen, eine Ausweitung der Wirtschaftstätigkeit auf neue Märkte, eine wirksame Bekämpfung von Korruption und Vetternwirtschaft und Verbesserungen im Bildungssystem. Die Regierung Tschads hat zwar einen nationalen Entwicklungsplan vorgelegt, der sich an den Zielen der Agenda 2030 (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) der Vereinten Nationen und der Agenda 2063 der Afrikanischen Union orientiert. Ihr fehlen bislang jedoch unter anderem die finanziellen Mittel.


Zu wenig Investitionen in Wirtschaft und Infrastruktur

Ein erhebliches Problem ist die fehlende Diversifizierung der Wirtschaft: Ein großer Teil der Staatseinnahmen stammt aus der Erdölproduktion, andere Wirtschaftsbereiche sind kaum entwickelt. Entsprechend groß ist die Abhängigkeit des Landes von der Entwicklung der Rohstoffweltmärkte.

Tschad verfügt über keine funktionierende Marktwirtschaft, es fehlt an privatem Kapital für Investitionen. Das Straßensystem Tschads zählt zu den am schlechtesten ausgebauten in Afrika. Während der Regenzeit sind weite Teile des Landes nicht per Fahrzeug zu erreichen – ein deutliches Entwicklungshemmnis angesichts der Binnenlage Tschads und der großen Entfernungen zu den Seehäfen.

Rund 70 Prozent der Einwohnerinnen und Einwohner leben von der Landwirtschaft, die sie nur zur Selbstversorgung betreiben. Eine zunehmende Zahl extremer Wetterereignisse wie Dürren und Überschwemmungen infolge des Klimawandels lässt die landwirtschaftlichen Erträge stark schwanken. Der verstärkte Zuzug aus der Sahelregion in den fruchtbaren und klimatisch gemäßigteren Süden sorgt für Konflikte um Ressourcen wie Boden und Wasser.

Schuldenkrise

Weltbank (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) und IWF schätzen das Überschuldungsrisiko des Landes als hoch ein. Der durch die Corona-Pandemie ausgelöste Einbruch des Ölpreises hat die öffentlichen Finanzen stark unter Druck gesetzt. Tschad zählt zu den ersten Ländern, die bei der G20 (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) eine Umschuldung nach dem neu aufgesetzten Rahmenwerk für Schuldenerleichterungen (Common Framework for Debt Treatments beyond the DSSI) beantragt haben.

Entscheidend für den Erfolg der Verhandlungen wird allerdings sein, ob sich auch der größte private Gläubiger des Landes, ein europäischer Rohstoffkonzern, zu Zugeständnissen bereit erklärt. Der Kredit wird vom Tschad in Form von Öllieferungen zurückbezahlt.

Die Schließung der Märkte und Geschäfte im Zuge der Corona-Pandemie sorgte für eine weitere Verschlechterung der wirtschaftlichen und sozialen Lage.

Stand: 04.08.2022