Historisches Gebäude in Zinder, Niger

Niger Agrarstaat in der Sahelzone

Reich an Bodenschätzen, entwicklungsorientiert und nach dem demokratischen Neuanfang 2011 politisch relativ stabil – aber zurzeit noch bitterarm: So könnte die Situation in Niger zusammengefasst werden.

1960 wurde das westafrikanische Land von Frankreich unabhängig. Die folgenden Jahrzehnte waren durch wechselnde Militärregierungen und diverse Staatsstreiche geprägt. Von 1999 bis 2009 regierte der demokratisch gewählte Staatspräsident Mamadou Tandja, unter dem das Land eine gewisse Stabilität erlangte. Die Hoffnung auf Demokratisierung und wirtschaftliche Entwicklung erfüllte sich nicht – Tandja regierte zunehmend autoritär.

Nachdem sich Präsident Tandja 2009 geweigert hatte, in Einklang mit der Verfassung nach zwei Amtszeiten abzutreten, wurde er 2010 vom Militär gestürzt. Es wurde eine neue Verfassung mit mehr Bürgerrechten erarbeitet, die von der Bevölkerung per Referendum angenommen wurde. Anfang 2011 fanden Wahlen auf kommunaler, regionaler und nationaler Ebene statt. Aus den Präsidentschaftswahlen ging der langjährige Oppositionsführer Mahamadou Issoufou als Sieger hervor, 2016 wurde er im Amt bestätigt. Die Wahlen verliefen trotz eines Boykottversuchs der Opposition rechtmäßig und ruhig. Das innenpolitische Klima hat sich seit Beginn der zweiten fünfjährigen Amtszeit von Präsident Issoufou verbessert.

Die nigrische Regierung hat sich ehrgeizige Entwicklungsziele gesetzt. Dazu zählen unter anderem die Verringerung der Armut und Ernährungsunsicherheit, die Festigung der Demokratie und die Verbesserung der Regierungsführung, der wirtschaftliche Aufschwung sowie die Stabilisierung der Sicherheitslage.

Entwicklungszusammenarbeit

Im Zuge der politischen Krise 2009/2010 wurden die vereinbarten Entwicklungsprogramme vorläufig gestoppt. Lediglich humanitäre Maßnahmen zur Linderung akuter Nahrungsmittelkrisen wurden finanziert.

Nach der Rückkehr Nigers zu demokratischen Strukturen hat Deutschland seine Zusammenarbeit mit dem Land 2011 wieder aufgenommen. Die Schwerpunkte der Kooperation liegen auf den Bereichen "Dezentralisierung und gute Regierungsführung" sowie "Produktive Landwirtschaft und Ernährungssicherung". Darüber hinaus unterstützt Deutschland Niger in den Bereichen Grundbildung und Gesundheit (Familienplanung).

Hirten mit ihren Ziegen in der Nähe von Niamey, Niger

Hoffnungen der Bevölkerung ruhen auf dem Präsidenten Interner Link

Seit 2011 ruhen die Hoffnungen der Bevölkerung von Niger auf Präsident Mahamadou Issoufou und seiner Regierung. Von Issoufou wird erwartet, dass er das westafrikanische Land auf den Weg der Demokratie zurückführt, politische und wirtschaftliche Reformen einleitet und wirksame Lösungen für die großen sozialen Probleme entwickelt.

Zeitungslesende Männer in Niamey, Niger

Demokratie noch nicht ausreichend entwickelt Interner Link

Trotz zu verzeichnender Fortschritte sind Demokratie und Rechtsstaatlichkeit in Niger noch nicht ausreichend entwickelt. Die Verfolgung von Einzelinteressen, die sich an ethnischer und regionaler Herkunft ausrichten, prägt den politischen Alltag.

Frauen mit Ziegen und Kamelen in Makanga

Frauen sind sozial und wirtschaftlich benachteiligt Interner Link

Niger hat alle wichtigen internationalen Menschenrechtskonventionen ratifiziert. Auch in der Verfassung sind die elementaren Bürgerrechte verankert. Die nationale Gesetzgebung liegt jedoch in vielen Bereichen hinter diesen Vorgaben zurück.

Ein Mann in einem Boot auf dem Fluss Niger

Große Armut Interner Link

Niger gehört zu den ärmsten Ländern der Welt. Auf dem aktuellen Index der menschlichen Entwicklung der Vereinten Nationen (HDI) belegt das Land den letzten Rang der 189 gelisteten Staaten.

Frau vor einem Gemeinschaftsgarten in Maradi, Niger

Dominierende Position des Agrarsektors Interner Link

Trotz der ungünstigen geografischen Gegebenheiten stützt sich die Wirtschaft Nigers weitgehend auf den Agrarsektor. Nach Angaben der Weltbank trug er 2018 39,1 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei.

Mädchen, die aus Nigeria nach Niger geflohen sind, während einer Mathematikstunde in Bosso, Niger

Aufnahme- und Transitland für Geflüchtete Interner Link

Die Krisen in Mali, Nigeria und Libyen beeinträchtigen auch die Entwicklung Nigers. Das Land sieht sich gleich mit mehreren Herausforderungen konfrontiert, die seine Stabilität und innere Sicherheit gefährden.

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller trifft Mahamadou Issoufou, den Präsidenten von Niger

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller trifft Mahamadou Issoufou, den Präsidenten von Niger

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller trifft Mahamadou Issoufou, den Präsidenten von Niger

Deutsche Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit mit Niger

Nach der Rückkehr Nigers zur Demokratie konnte die zuvor vorübergehend eingestellte Entwicklungszusammenarbeit 2011 wiederaufgenommen werden. 2014 erfolgten Zusagen in Höhe von 62 Millionen Euro für die Jahre 2014 bis 2017. 2015 und 2016 wurden zusätzlich 30 Millionen Euro zugesagt.

Deutschland ist nach Frankreich und den USA der drittgrößte bilaterale Geber des Landes. Die Zusammenarbeit konzentriert sich auf zwei Schwerpunkte:

  • Dezentralisierung und gute Regierungsführung
  • Produktive Landwirtschaft und Ernährungssicherung

Darüber hinaus unterstützt die Bundesrepublik Deutschland die Republik Niger in den Bereichen Grundbildung und Gesundheit.

Deutsches Engagement für Flüchtlinge und Migranten Maßnahmenpaket in Höhe von 66 Millionen Euro vereinbart

Aufnahmezentrum der Internationalen Organisation für Migration in Agadez, Niger

Aufnahmezentrum der Internationalen Organisation für Migration in Agadez, Niger

Aufnahmezentrum der Internationalen Organisation für Migration in Agadez, Niger

Um Niger bei der Situation der Flüchtlinge und Migranten zu unterstützen, wurde bei den deutsch-nigrischen Regierungsverhandlungen 2017 ein Maßnahmenpaket in Höhe von 66 Millionen Euro vereinbart. Niger soll beim Umgang mit migrationspolitischen Herausforderungen unterstützt werden. Insbesondere in der Region Agadez wird lokalen Gemeinden geholfen, den Bedürfnissen der ansässigen Bevölkerung, sowie der Migranten, Flüchtlinge und Rückkehrer besser zu begegnen. Zusätzlich werden die Folgen der Migrationsbewegungen von Beobachtungsstellen analysiert und die Kommunen bei der Umsetzung passender Maßnahmen unterstützt.

Die beschlossenen Maßnahmen konzentrieren sich auf die Beseitigung von Fluchtursachen. Es werden beispielsweise Schulen gebaut und ausgestattet sowie der Aufbau von Basisinfrastruktur (Gesundheitsstationen, Märkte) durch arbeitsintensive Programme unterstützt, um Arbeit für die lokale Bevölkerung zu schaffen. Weitere Projekte umfassen Berufsbildung, Qualifizierung und Beschäftigungsförderung (unter anderem ländliche Berufe, Mechanikerinnen und Mechaniker, Schneiderinnen und Schneider), Hilfe bei Unternehmensgründungen durch Anschubfinanzierungen, Alphabetisierung sowie Kampagnen zu Sexualaufklärung und Familienplanung. Ein Beratungsvorhaben unterstützt Niger bei der Entwicklung und Umsetzung einer ganzheitlichen und abgestimmten Politik, um die Herausforderungen der Migration zu bewältigen. Dabei werden Austauschforen gefördert – zwischen Ministerien oder mit der Zivilgesellschaft (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen).

Gewürzhandel auf dem Markt in Niamey, Niger

Kommunale Strukturen stärken Interner Link

Seit 2004 verfolgt Niger eine Politik der Dezentralisierung mit dem Ziel, die kommunalen Strukturen im Land zu stärken. Eine der Herausforderungen dabei ist, den Kommunen nicht nur die Kompetenzen für bestimmte Gebiete zu übertragen, sondern auch die zur Erfüllung dieser Aufgaben notwendigen finanziellen Mittel bereitzustellen.

Ein Junge trägt lebende Hühner über den Markt in Niamey.

Natürliche Ressourcen schützen Interner Link

Niger ist ein Binnenstaat. Die Sahara bedeckt den größten Teil der Landesfläche, der Rest Nigers gehört zur semiariden, also überwiegend trockenen Sahelzone. Dadurch ist nur ein geringer Teil des Landes landwirtschaftlich nutzbar.

Teilnehmerinnen eines Pilotprojekts, um die Bildungschancen für Mädchen in der Region Torodi in Niger zu verbessern

Bildungsqualität verbessern, Gesundheitszentren aufbauen Interner Link

Im Grundbildungsbereich richtet sich das deutsche Engagement auf ausgewählte Kernprobleme. Deutschland fördert die Umsetzung des Bildungssektorprogramms der nigrischen Regierung, unter anderem durch den Bau und die Ausstattung von Schulklassen, die Fortbildung von Lehrkräften und Schulverwaltungspersonal und die Erhöhung der Aufnahmekapazitäten von Grundschulen.