Hauseingang in der Oasenstadt Oualata, Mauretanien

Mauretanien Bindeglied zwischen Nord- und Subsahara-Afrika

In Mauretanien leben rund 4,5 Millionen Menschen auf einer Fläche, die ungefähr dreimal so groß ist wie Deutschland. Im Vergleich zu anderen Ländern der Sahelzone gilt Mauretanien als politisch relativ gefestigt. Es spielt daher eine wichtige Rolle für die Stabilität der gesamten Region.

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Arbeiter in einer Fischfabrik im Hafen von Nouadhibou, Mauretanien

Zwischen den arabischen Maghreb-Staaten und den Ländern südlich der Sahara bildet Mauretanien ein Bindeglied. Das zeigt sich zum Beispiel in der ethnischen Zusammensetzung seiner Bevölkerung: Etwa 30 Prozent sind arabische Mauren, rund 30 Prozent gehören Volksgruppen aus Subsahara-Afrika an. Die restlichen etwa 40 Prozent werden der Gruppe der Haratin zugerechnet, das sind Nachkommen früherer Sklavinnen und Sklaven, die sich in die maurische Bevölkerung integriert haben.

Mauretanien gehört zu den am wenigsten entwickelten Ländern der Welt. 80 Prozent des Landes sind Wüste; Landwirtschaft ist nur im Süden im Tal des Senegal möglich – dem einzigen Fluss des Landes, der ganzjährig Wasser führt.

Ein großer Teil der Bevölkerung lebt in Armut. Das Bildungs- und Gesundheitswesen und die staatliche Verwaltung sind grundlegend reformbedürftig. Auf dem aktuellen Index der menschlichen Entwicklung der Vereinten Nationen (HDI (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen)) belegt Mauretanien Platz 158 von 191 ausgewerteten Ländern.


Deutsche Ent­wick­lungs­zu­sam­men­arbeit mit Mauretanien

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Mitarbeiterinnen der Kommunalverwaltung in Ouad Naga, Mauretanien

Mauretanien gehört zu den Partnerländern der deutschen Entwicklungszusammenarbeit, mit denen die Bundesrepublik auf Basis zwischenstaatlich vereinbarter Verträge eng zusammenarbeitet und langfristige gemeinsame Entwicklungsziele verfolgt. Das deutsche Engagement zielt insbesondere darauf ab, wirtschaftliche, politische und gesellschaftliche Perspektiven für Jugendliche, Frauen und benachteiligte ethnische Gruppen zu schaffen. Übergeordnetes Ziel ist, einem Übergreifen des Terrorismus aus den Nachbarstaaten Mali, Burkina Faso, Niger und Tschad vorzubeugen.

Die deutsch-mauretanische Entwicklungszusammenarbeit konzentriert sich auf die Kernthemen „Frieden und gesellschaftlicher Zusammenhalt“, „Schutz unserer Lebensgrundlagen – Umwelt und natürliche Ressourcen“ sowie „Ausbildung und nachhaltiges Wachstum für gute Jobs“.

Die wirtschaftliche und soziale Entwicklung Mauretaniens ist stark von den Beiträgen der internationalen Gebergemeinschaft abhängig. Bei deutsch-mauretanischen Regierungsverhandlungen im Dezember 2018 wurden 24,5 Millionen Euro für die Jahre 2018 und 2019 neu zugesagt. Davon entfallen 12 Millionen Euro auf die finanzielle (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) und 12,5 Millionen Euro auf die technische Zusammenarbeit (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen). Zusätzliche Mittel erhält das Partnerland aus den BMZ-Sonderinitiativen „Stabilisierung Nordafrikas und des Nahen Ostens“, „Fluchtursachen bekämpfen – Flüchtlinge reintegrieren“ sowie „EINE WELT ohne Hunger“.

Ausrichtung an neuer BMZ-Strategie

Im Sommer 2020 fanden Regierungskonsultationen zwischen Deutschland und Mauretanien statt. Dabei wurde vereinbart, dass sich die Zusammenarbeit – dem Reformkonzept BMZ 2030 folgend – künftig auf drei Kernthemen konzentrieren soll:

  • Frieden und gesellschaftlicher Zusammenhalt
  • Schutz unserer Lebensgrundlagen
  • Nachhaltige Wirtschaftsentwicklung, Ausbildung und Beschäftigung

Regionale Zusammenarbeit

Im Rahmen der regionalen Entwicklungszusammenarbeit fördert Deutschland insbesondere Projekte des Welternährungsprogramms und des Kinderhilfswerks UNICEF. Unterstützt wird außerdem ein Programm der Weltbank (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen), das arme und besonders gefährdete Haushalte in der Sahel-Region dabei unterstützt, widerstandsfähiger gegen die Auswirkungen des Klimawandels zu werden (Sahel Adaptive Social Protection Program).

Regionalbündnis G5 und Sahel-Allianz

Logo: Sahel-Allianz

2014 haben sich Mauretanien, Mali, Burkina Faso, Niger und Tschad zum Regionalbündnis G5 Sahel (Externer Link) zusammengeschlossen. Das Bündnis hat eine militärische und eine Entwicklungskomponente. Deutschland unterstützt die G5 sowohl sicherheits- als auch entwicklungspolitisch. Das BMZ ist ausschließlich entwicklungspolitisch im Sahel tätig.

Um das internationale Engagement in der Region besser zu koordinieren und wirksamer zu gestalten, wurde 2017 die Sahel-Allianz gegründet. Ihre Arbeit konzentriert sich vor allem auf die Kernbereiche Bildung und Jugendbeschäftigung, ländliche Entwicklung und Ernährungssicherung, Klima und Energie, gute Regierungsführung sowie Grundversorgung und Dezentralisierung.

Corona-Pandemie Unterstützung von Ge­sund­heits­ein­richtungen

Logo der Weltgesundheitsorganisation (WHO)

Die Corona-Pandemie stellt Mauretanien vor erhebliche gesundheitliche und sozio-ökonomische Herausforderungen. Deutschland unterstützt das Partnerland bei der Bewältigung der Krise. Unter anderem wurden fast 100 Krankenhäuser und kommunale Gesundheitsstationen mit Schutzausrüstung versorgt. Außerdem werden Sensibilisierungsmaßnahmen gefördert, die einer Ausbreitung des Virus und der Zunahme häuslicher Gewalt entgegenwirken sollen. Finanziert wurden zudem eine Studie zu den Auswirkungen der Krise auf die Ernährungssicherheit im Land sowie Hygienemaßnahmen, um die Funktionsfähigkeit des Fischhandels zu gewährleisten.

Mitarbeiterinnen der Kommunalverwaltung in Ouad Naga, Mauretanien

Kernthema „Frieden und gesellschaftlicher Zusammenhalt“ Transparenz erhöhen, Menschenrechte stärken Interner Link

Um die politische Stabilität Mauretaniens zu erhöhen, unterstützt Deutschland das Partnerland beim Demokratisierungsprozess und bei der Verbesserung der Regierungsführung.

Ein Offizier der mauretanischen Küstenwache bei der Fischereiüberwachung mittels Radar.

Kernthema „Schutz unserer Lebensgrundlagen – Umwelt und natürliche Ressourcen“ Ernährung sichern, Böden und Fischbestände schützen Interner Link

Deutschland unterstützt Mauretanien beim Erhalt seiner besonders artenreichen Fischgründe, bei der nachhaltigen Bewirtschaftung der Ackerbau-, Weide- und Waldflächen im Süden des Landes und bei der Anpassung an den Klimawandel.

Arbeiter bei der Instandsetzung von Lokomotiven eines Eisenerzunternehmens in Nouadhibou, Mauretanien

Kernthema „Ausbildung und nachhaltiges Wachstum für gute Jobs“ Durch berufliche Bildung Jobchancen verbessern Interner Link

Deutschland unterstützt die mauretanische Regierung in ihrem Bestreben, das Berufsbildungsangebot landesweit auszudehnen und so die Beschäftigungs- und Einkommensmöglichkeiten der jungen Bevölkerung zu verbessern.

Aktuelle Situation

Politische Situation
Bootsbauer in R’Gueiba, Nationalpark Banc d'Arguin, Mauretanien

Großer Handlungsbedarf Interner Link

Mauretanien erlangte 1960 seine Unabhängigkeit von Frankreich. Die folgenden Jahrzehnte waren von Diktatur, politischen Umstürzen und Militärputschen geprägt. 2005 wurde ein Demokratisierungsprozess eingeleitet.

Regierungsführung und Menschenrechte
Straßenverkäuferinnen in Ouad Naga, Mauretanien

Gesetze werden nicht konsequent angewendet Interner Link

Mängel in der Regierungsführung zeigen sich in Mauretanien vor allem bei der unzureichenden Umsetzung vorhandener Gesetze und Strategien. Korruption ist weit verbreitet.

Soziale Situation
Arbeiter in einer Fischfabrik im Hafen von Nouadhibou, Mauretanien

Vom Nomaden zum Stadtbewohner Interner Link

In den 1950er Jahren lebten noch drei Viertel der Bevölkerung Mauretaniens als Nomaden. Dieser Anteil ist inzwischen auf wenige Prozent zurückgegangen. Heute wohnen mehr als 50 Prozent der Mauretanierinnen und Mauretanier in Städten.

Wirtschaftliche Situation
Verladezentrum eines Eisenerzunternehmens in Nouadhibou, Mauretanien

Fehlende Perspektiven für die Jugend Interner Link

In Mauretanien gibt es viele wertvolle Ressourcen wie Eisenerz, Kupfer, Zink, Phosphat, Gold sowie Erdöl und Erdgas. Außerdem verfügt das Land über eine der fischreichsten Küsten der Welt.

Stand: 31.03.2021