Politische Situation Großer Handlungsbedarf

Mauretanien erlangte 1960 seine Unabhängigkeit von Frankreich. Die folgenden Jahrzehnte waren von Diktatur, politischen Umstürzen und Militärputschen geprägt. 2005 wurde ein Demokratisierungsprozess eingeleitet.

Bootsbauer in R’Gueiba, Nationalpark Banc d'Arguin, Mauretanien

Bootsbauer in R’Gueiba, Nationalpark Banc d'Arguin, Mauretanien

Bootsbauer in R’Gueiba, Nationalpark Banc d'Arguin, Mauretanien

Die Präsidentschaftswahl 2019, bei der sechs Kandidaten antraten, verlief friedlich. Zum neuen Staatsoberhaupt wurde der von der Regierungspartei UPR (Union pour la République) unterstützte Kandidat Mohamed Cheikh El Ghazouani gewählt.

2018 fanden Parlaments- und Kommunalwahlen sowie Wahlen für die neu geschaffenen Regionalräte statt. Nachdem ein Großteil der Oppositionsparteien die Parlaments- und Kommunalwahlen 2013 boykottiert hatte, traten 2018 fast alle Parteien an. Die Regierungspartei UPR gewann auf allen politischen Ebenen die Mehrheit der Sitze. Erfolge erzielte neben der UPR vor allem die islamistische Oppositionspartei Tawassoul.

Ethnische Diskriminierung

Lange Zeit wurden die sogenannten Afromauretanier von den politisch dominierenden Mauren diskriminiert. Die daraus resultierenden ethnischen Spannungen eskalierten zuletzt 1989, als Zehntausende Afromauretanier nach Senegal und Mali vertrieben wurden. Mehrere tausend Menschen kamen dabei ums Leben.

Seit Einleitung des Demokratisierungsprozesses 2005 hat sich die Lage beruhigt. Weiterhin haben jedoch große Teile der afromauretanischen Bevölkerung einen schlechteren Zugang zu Bildungsangeboten und sozialer Absicherung. Auch die fortschreitende Arabisierung des Landes führt immer wieder zu Konflikten und Protesten. Die Pogrome von 1989/90 gelten als Tabuthema, sie wurden bis heute weder politisch noch juristisch oder gesellschaftlich aufgearbeitet.