Soziale Situation Vom Nomaden zum Stadtbewohner

In den 1950er Jahren lebten noch drei Viertel der Bevölkerung Mauretaniens als Nomaden. Dieser Anteil ist inzwischen auf wenige Prozent zurückgegangen. Heute wohnen nach Angaben der Weltbank mehr als 50 Prozent der Mauretanierinnen und Mauretanier in Städten.

Arbeiter in einer Fischfabrik im Hafen von Nouadhibou, Mauretanien

Arbeiter in einer Fischfabrik im Hafen von Nouadhibou, Mauretanien

Arbeiter in einer Fischfabrik im Hafen von Nouadhibou, Mauretanien

Der Aufbau der urbanen Infra­struktur, etwa der Trink­wasser- und Sanitär­versorgung, konnte mit dem rasanten Wachstum der städtischen Bevölkerung nicht Schritt halten. Ausgedehnte Slum­gebiete sind die Folge. Das starke Bevölkerungs­wachstum führt zudem dazu, dass heute 40 Prozent der Ein­woh­nerinnen und Ein­wohner Maure­taniens unter 15 Jahre alt sind. Ihnen stehen bei weitem nicht genügend Aus­bildungs­möglich­keiten und Arbeits­plätze zur Verfügung.

Weiterhin große Armut

Die soziale Lage der Maure­tanierinnen und Maure­tanier hat sich trotz der Reform­prozesse in den vergangenen Jahren kaum verbessert. Zwar sank die Zahl der Armen seit der Jahr­tausend­wende deutlich, nach Angaben des maure­tanischen Statistik­amtes lebten im Jahr 2014 jedoch immer noch mehr als 30 Prozent der Bevölkerung unterhalb der nationalen Armuts­grenze. Die Kinder­sterb­lich­keit ist weiterhin sehr hoch (73 von 1.000 Kindern sterben vor dem fünften Geburtstag) und auch bei der medizinischen Versorgung der Mütter sind noch große Defizite zu verzeichnen. Die Ein­schulungs­quote liegt nach Angaben der Weltbank (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) bei 80 Prozent und nur etwa 73 Prozent der Kinder schließen die Grund­schule ab.

Entwicklungsstrategie

Die mauretanische Regierung hat 2001 unter Beteiligung aller gesell­schaft­lichen Gruppen eine Armuts­bekämpfungs­strategie (PRSP (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen)) erarbeitet. Eine über­arbeitete Version für die Zeit bis 2030 (Stratégie Nationale de Croissance Accélérée et de Prospérité Partagée, SCAPP) wurde 2018 vom Parlament verabschiedet. Eine schwache Verwaltung und ein ausgeprägter Mangel an Fach- und Führungs­kräften behindert jedoch die Umsetzung der in der Strategie definierten Entwicklungs­ziele.