Zweig eines Kaffeestrauchs in Kenia mit Blüten und unreifen Früchten. Kaffee gehört zu den Hauptexportgütern des Landes.

Kenia Wirtschaftsmotor in Ostafrika

Kenia ist treibende Wirtschaftskraft in Ostafrika und spielt auch sicherheitspolitisch eine wichtige Rolle in der Region. Das Land engagiert sich in regionalen und internationalen politischen Prozessen, etwa unter dem Dach der Vereinten Nationen, der Afrikanischen Union und der Ostafrikanischen Gemeinschaft. Mehr als 540.000 Flüchtlinge, vorwiegend aus den benachbarten Krisenländern Somalia und Südsudan, waren im Dezember 2021 in Kenia registriert.

Regierungsverhandlungen mit Kenia im Dezember 2022 im BMZ in Berlin
Bundeskanzler Olaf Scholz, der kenianische Außenminister Alfred Mutua, Entwicklungs-Staatssekretär Jochen Flasbarth und der kenianische Präsident William Ruto (von links) nach der Unterzeichnung einer Roadmap für eine Klima- und Entwicklungspartnerschaft.

Noch gelingt es der kenianischen Regierung nicht, das wirtschaftliche Potenzial des Landes auf sozial gerechte und ökonomisch nachhaltige Weise zu nutzen. Mehr als ein Drittel der Bevölkerung lebt in extremer Armut, die Jugendarbeitslosigkeit ist hoch. Eine weit verbreitete Korruption sowie Defizite in der Regierungsführung zählen zu den großen Herausforderungen des Landes.

Gleichzeitig beschränken hohe Staatsschulden, auch infolge der Corona-Krise, die Handlungsfähigkeit der Regierung. Durch Inflation und Preissteigerungen bei Nahrungs- und Düngemitteln wird die Armutssituation verschärft. Kenia ist stark von den Folgen des Klimawandels betroffen; die extreme Dürre am Horn von Afrika führt zu einer dramatischen Ernährungssituation in Teilen des Landes: Bis zu 4,3 Millionen Menschen sind in Kenia akut von Hunger betroffen.

Auf dem aktuellen Index der menschlichen Entwicklung (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) (HDI) belegt Kenia Platz 152 von 191 gelisteten Ländern.

Entwicklungszusammenarbeit

Deutschland und Kenia arbeiten seit Langem entwicklungspolitisch zusammen. Die Bundesrepublik zählt zu den größten Unterstützern des ostafrikanischen Landes. Das übergeordnete Ziel des deutschen Engagements lautet, Jugend in Beschäftigung zu bringen. Der Fokus der deutsch-kenianischen Zusammenarbeit liegt auf den Bereichen Landwirtschaft, nachhaltige Wirtschaftsentwicklung und erneuerbare Energien. Im November 2022 wurde eine Klima- und Entwicklungspartnerschaft zwischen Deutschland und Kenia vereinbart, die vorsieht, die Zusammenarbeit in den Bereichen Minderung (insbesondere durch erneuerbare Energien, Elektromobilität) und Anpassung (durch Verbesserung der Resilienz (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) der Agrarsystemen) intensivieren soll.


Passanten in Nairobi, Kenia

Politische Situation Ehrgeizige Ziele, verbreitete Korruption Interner Link

Kenia hat in den vergangenen zehn Jahren wichtige Reformen auf den Weg gebracht. 2010 trat eine neue Verfassung in Kraft. Sie enthält einen Grundrechtekatalog und sieht den Umbau des Zentralstaats zu einer dezentral aufgebauten Republik vor.

Jugendliche auf Fahrrädern auf einer kenianischen Landstraße

Soziale Situation Chancen ungleich verteilt Interner Link

In Kenia leben mehr als 40 Ethnien, die rund 50 verschiedene Sprachen sprechen. Zwischen ihnen kommt es zwar zu Spannungen, größere Konflikte wie in den Nachbarländern blieben aber bisher aus. Kenia zählt als Stabilitätsanker in einer sehr konfliktreichen Region.

Eine Mitarbeiterin kontrolliert ein Fließband, auf dem Tetrapacks mit Fruchtsaft befördert werden.

Wirtschaftliche Situation Solide Basis Interner Link

Kenia trägt etwa 40 Prozent zur Wirtschaftsleistung Ostafrikas bei. Für deutsche Unternehmen ist das Land wichtigster Partner in der Region. Im Vergleich zu anderen afrikanischen Staaten kann Kenia eine solide wirtschaftliche Basis vorweisen.

Deutsche Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit mit Kenia

Deutschland unterstützt die kenianische Regierung dabei, wirtschaftliche Entwicklung zu ermöglichen, die Armut im Land nachhaltig zu verringern und soziale Ungleichheiten abzubauen.

Bei Regierungsverhandlungen im November 2020 wurden Kenia 117,5 Millionen Euro neu zusagt. Davon entfallen 79,5 Millionen Euro auf die finanzielle (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) und 38 Millionen Euro auf die technische Zusammenarbeit (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen).

Darüber hinaus stellt das BMZ Mittel im Rahmen seiner Sonderinitiativen „Transformation der Agrar- und Ernährungssysteme“ und „Gelflüchtete und Aufnahmeländer“ zur Verfügung.

Mit der kenianischen Regierung wurden folgende Schwerpunkte vereinbart:

  • Landwirtschaft
  • Nachhaltige Wirtschaftsentwicklung
  • Erneuerbare Energien

Die nächsten entwicklungspolitische Regierungsverhandlungen mit Kenia sind für Dezember 2022 geplant.

Die deutsche Unterstützung ist an Erfolge in der Korruptionsbekämpfung geknüpft. So ist die Zusammenarbeit im Gesundheitsbereich seit 2018 ausgesetzt, da schwerwiegende Korruptionsvorfälle im kenianischen Gesundheitssektor nicht aufgeklärt worden waren.

Bäuerin am Mount Kenya

Kernthema Landwirtschaft Jugendbeschäftigung in der Ernährungs- und Landwirtschaft erhöhen Interner Link

Die Landwirtschaft ist der wichtigste Wirtschaftsbereich Kenias - mehr als 30 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) können ihr direkt zugeordnet werden. Da viele Kleinbäuerinnen und -bauern jedoch nur zur Eigenversorgung wirtschaften, dürfte die Agrarwirtschaft informell noch eine weit größere Rolle für die wirtschaftliche und soziale Entwicklung des Landes spielen.

Eine Studentin prüft Solarmodule auf dem Dach einer Ausbildungseinrichtung für Solartechniker und Energieauditoren an der Strathmore University, Nairobi

Kernthema Nachhaltige Wirtschaftsentwicklung Perspektiven für junge Menschen schaffen Interner Link

Um die hohe Jugendarbeitslosigkeit in Kenia zu verringern und zugleich dem Fachkräftemangel zu begegnen, braucht es praxisnahe berufliche Ausbildungswege. Jungen Menschen müssen die Kenntnisse und Fertigkeiten vermitteln werden, die auf dem Arbeitsmarkt besonders gefragt sind.

Erdwärmekraftwerk Olkaria, Kenia

Kernthema Erneuerbare Energie Ausbau der Energieversorgung Interner Link

Kenia gewinnt mehr als 90 Prozent seiner Energie aus erneuerbaren Quellen (vorwiegend Erdwärme und Wasserkraft). Die Regierung hat sich zum Ziel gesetzt, den Anteil der erneuerbaren Energien weiter zu steigern und bereits 2030 einen Anteil von 100 Prozent zu erreichen.

Flüchtlinge vor ihren Hütten im Flüchtlingslager Dadaab

Weitere Kooperationsbereiche Interner Link

Neben der Zusammenarbeit in den vereinbarten Schwerpunkten arbeiten Deutschland und Kenia noch in weiteren Bereichen zusammen. Unter anderem unterstützt die Bundesregierung Kenia bei der Bekämpfung der Korruption und der Versorgung von Flüchtlingen.