Erdwärmekraftwerk Olkaria, Kenia
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Kernthema „Klima und Energie, Just Transition“ Große Klimaziele, fragile Strukturen
Kenia gilt international als Vorreiter der Energiewende in Afrika. Bereits heute stammen mehr als 90 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Quellen, vor allem aus Geothermie, Wasserkraft, Wind und Solar. Präsident William Ruto hat diesen Kurs politisch aufgeladen und außenpolitisch sichtbar gemacht: Das Land richtete im September 2023 den ersten Africa Climate Summit aus und treibt die Klima-Agenda innerhalb der Afrikanischen Union (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) aktiv voran. Entsprechend ehrgeizig sind die nationalen Ziele: Bis 2035 soll der Strom vollständig aus erneuerbaren Energien stammen, gleichzeitig will das Land eine aktive Rolle in globalen Klimaforen spielen.
Doch hinter dieser Vorreiterrolle liegen auch strukturelle Schwächen: Netze sind überlastet und regulatorische Rahmenbedingungen teils unklar. Zudem schrecken hohe Investitionen private Investoren davon ab, in neue Kraftwerke zu investieren. Große Potenziale – etwa bei Geothermie oder grünem Wasserstoff – scheitern bislang weniger an Ressourcen als an Finanzierung und Planungssicherheit. Gleichzeitig wächst der Energiebedarf schneller als die Infrastruktur, während ländliche Regionen und informelle Siedlungen weiterhin nur eingeschränkt versorgt sind.
Ziele im Sektor
Die Projekte folgen einem gemeinsamen Ziel: Kenia und die Region Ostafrika sollen wirtschaftlich wachsen und zugleich widerstandsfähiger gegen die Folgen des Klimawandels (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) werden. Im Mittelpunkt stehen der Ausbau sauberer Energie, der Schutz zentraler Ökosysteme, die Anpassung von Städten und Landwirtschaft an Klimarisiken sowie der Aufbau staatlicher, technischer und institutioneller Voraussetzungen für eine klimafreundliche Entwicklung.
Projektbeispiele
- Im kenianischen Rift Valley bereitet ein Großprojekt die Erschließung des Geothermiefeldes Bogoria-Silali vor, das ein Strompotenzial von bis zu 3.000 Megawatt haben könnte. Finanziert werden Probebohrungen, Infrastruktur und Machbarkeitsstudien für eine erste Phase von 800 Megawatt.
Die Modernisierung des Geothermiekraftwerkparks Olkaria soll die Stromproduktion aus erneuerbaren Energien deutlich steigern und die Versorgungssicherheit erhöhen. Gleichzeitig werden IT-Infrastruktur und Steuerungssysteme modernisiert, um die Betriebssicherheit zu erhöhen und das zentrale Kontrollzentrum mit einem modernen SCADA-System auszustatten. Das Vorhaben baut auf früheren Projekten auf, bei denen die Bohrungen der Geothermiebrunnen und der Bau zusätzlicher Kraftwerkseinheiten mit internationaler Finanzierung umgesetzt wurden.
Ein GIZ‑Unterstütztes EnDev‑Programm fördert in Kenia den Übergang zu sauberer Kochenergie. Im Rahmen der Energising Development‑Partnerschaft unterstützt das Vorhaben den Aufbau eines Marktes für verbesserte Kochstellen, elektrische und andere klimafreundliche Kochlösungen und stärkt sowohl Produzenten als auch Verbraucher.
- Ein Beratungsprojekt unterstützt Kenias Umweltministerium bei der Umsetzung zentraler Klimapolitik, von nationalen Klimazielen bis zur Regulierung des Kohlenstoffhandels. Es stärkt die Mobilisierung von Klimafinanzierung, fördert Investitionen etwa in erneuerbare Energien und berät ausgewählte Bezirke bei der klimafesten Entwicklung.
- Im Südwesten Kenias wird das Wasserkraftwerk Gogo umfassend erneuert, um die fragile Stromversorgung der Region zu stabilisieren. Durch den Ausbau auf über acht Megawatt Leistung und neue technische Anlagen soll das Kraftwerk ab 2029 bis zu 30 Gigawattstunden Strom pro Jahr liefern.
- Ein Energieprojekt verbessert die technischen und regulatorischen Bedingungen für Strom aus erneuerbaren Energien in Kenias Netz. Es unterstützt Solar- und Windparks, fördert flexiblere Stromnachfrage und erleichtert die Netzintegration durch digitale Prognosen und angepasste Regeln.
- Ein Vorhaben für Elektromobilität stärkt die regulatorische Rahmenbedingungen des Landes, fördert Schulungen und den Austausch zwischen Branchenakteuren und unterstützt Pilotprojekte sowie die Verbreitung von Lernerfahrungen zu neuen Geschäftsmodellen.
- Ein Projekt bereitet Kenia auf eine grüne Wasserstoffwirtschaft vor, indem es beim Aufbau eines Rechtsrahmens berät, Ausbildungsinhalte entwickelt und Wirtschaft und die Öffentlichkeit über Einsatzmöglichkeiten von grünem Wasserstoff informiert.
- Ein panafrikanisches Projekt stärkt die Resilienz von Städten gegen Klimarisiken, fördert Austausch und Lernen und unterstützt eine inklusive, geschlechtergerechte Anpassung – auch in informellen Siedlungen.
- Das Programm Sun4Water verbindet Wasser-, Energie- und Ernährungssicherheit, indem es solarbetriebene Bewässerungssysteme in der Landwirtschaft fördert. Es unterstützt Kleinbetriebe und KMU entlang der Agrarwertschöpfung, verbessert den Zugang zu Finanzierung und verankert nachhaltige Solarpumpen politisch.
Stand: 07.04.2026