Eine Studentin prüft Solarmodule auf dem Dach einer Ausbildungseinrichtung für Solartechniker und Energieauditoren an der Strathmore University, Nairobi
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Kernthema „Nachhaltige Wirtschaftsentwicklung, Ausbildung und Beschäftigung“ Perspektiven für junge Menschen schaffen
Kenia zählt zu den Ländern mit der am schnellsten wachsenden Bevölkerung weltweit; jedes Jahr drängen Hunderttausende neue Arbeitskräfte auf einen Arbeitsmarkt, der sie kaum aufnehmen kann. Zugleich wächst die Wirtschaft zwar solide, aber nicht inklusiv genug, um soziale Ungleichheiten abzubauen oder ausreichend formelle Jobs zu schaffen, insbesondere für Frauen, die laut den Vereinten Nationen (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) (UN) in Afrika systematisch geringeren Zugang zu Bildung, Kapital und Technologie haben.
Ein Grund für die hohe Jugendarbeitslosigkeit ist der Zugang zu qualitativ hochwertiger, praxisorientierter Bildung und beruflicher Qualifizierung, der für viele junge Kenianer eine fundamentale Hürde darstellt. Eine große Mehrheit der Jugendlichen findet zudem im formellen Arbeitsmarkt keine Anschlussmöglichkeiten, da Ausbildungen häufig nicht den Anforderungen der Wirtschaft entsprechen und relevante technische, digitale oder unternehmerische Kompetenzen fehlen. Analysen der Weltbank (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) zeigen, dass rund 80 Prozent der jungen Erwerbstätigen in informellen, niedrig produktiven Tätigkeiten arbeiten, während die Nachfrage nach Fachkräften in produktiven Sektoren wächst.
Ein weiteres zentrales Hindernis für Beschäftigungswachstum in Kenia ist der eingeschränkte Zugang zu Finanzmitteln für Kleinst-, Klein‑ und Mittelunternehmen (KKMUs) und Start‑ups. Viele Unternehmen haben trotz eines dynamischen Privatsektors Schwierigkeiten, ausreichende Finanzierung zu erhalten, da Kreditmärkte unterentwickelt, Zinsen relativ hoch und längerfristige Darlehensformen selten sind. Ohne verlässlichen Zugang zu Kapital können Unternehmen weder investieren noch wachsen.
Trotz eines bereits weit entwickelten IT-Sektors, einer der dynamischsten Start-Up-Szenen in Afrika und zunehmender Vernetzung hinken viele digitale Infrastrukturen, regulatorische Rahmenbedingungen und Investitionsanreize hinterher, wodurch das Potenzial der Digitalwirtschaft für Innovation, Produktivitätssteigerungen und regionale Wettbewerbsfähigkeit nicht vollständig ausgeschöpft wird.
Ziele im Sektor
Die Vorhaben haben zum Ziel, Kenias und Ostafrikas wirtschaftliche und gesellschaftliche Transformation dauerhaft zu stärken. Im Zentrum stehen der Aufbau einer verantwortungsvollen digitalen Wirtschaft, besserer Bildungs- und Beschäftigungschancen, insbesondere für junge Menschen und Frauen, sowie verlässliche Rahmenbedingungen für Innovation, Handel und regionale Integration. So werden auch Weichen für ein stärkeres Engagement deutscher und europäischer Unternehmen vor Ort und für einen Ausbau der Handelsbeziehungen mit der EU gestellt. Die Ausbildung qualifizierter Fachkräfte dient perspektivisch sowohl dem kenianischen als auch dem deutschen Arbeitsmarkt. Das BMZ begleitet zudem den Ausbau eines verantwortungsvollen IT-Outsourcing-Sektors, der große Potenziale für europäische und deutsche Unternehmen sowie kenianische Arbeitskräfte bietet.
Projektbeispiele
Angehende Mechatroniker in der Ausbildungsstätte der Firma Krones in Kenia
- Das Digitalzentrum stärkt in Kenia die Fähigkeiten von Behörden und Unternehmen, neue Technologien wie Künstliche Intelligenz verantwortungsvoll einzusetzen. Es baut nutzerfreundliche digitale Infrastrukturen auf und unterstützt besonders die IT- und Outsourcing-Branche als Motor für hochwertige und faire Arbeitsplätze und stärkt die heimische Digitalwirtschaft. Eine enge Kooperation mit deutschen Firmen soll Investitionen, Wissenstransfer und stabile digitale Partnerschaften ermöglichen.
- Kernstück einer kenianisch-deutsche Berufsbildungsinitiative sind Exzellenzzentren an staatlichen Berufsschulen, die gemeinsam mit Unternehmen praxisnahe, arbeitsmarktorientierte Ausbildungsgänge anbieten. So führt Deutschland zusammen mit dem kenianischen Bildungsministerium das Modell der dualen Ausbildung ein und unterstützt den Ausbau qualitativ hochwertiger Ausbildungsstätten – aktuell werden sieben Exzellenzzentren gefördert, weitere sind im Rahmen des Vorhabens „TVET Digitalisierung“ geplant. 2025 verabschiedete das kenianische Parlament die „Dual TVET Policy“, womit die duale Berufsausbildung nun fest im nationalen Ausbildungscurriculum verankert ist. Heute wird das Modell landesweit in über 100 Berufsschulen angeboten und soll langfristig im Bildungssystem Bestand haben.
- Ein umfassendes Beschäftigungsprogramm unterstützt Frauen beim Zugang zu grünen Jobs. Qualifizierung, Arbeitsmarktintegration und die Förderung frauengeführter Unternehmen in nachhaltigen Branchen stehen im Mittelpunkt.
- Das Programm WIDU unterstützt kleine afrikanische Unternehmen, indem Investitionen aus der Diaspora mit Zuschüssen ergänzt werden. Über eine Online-Plattform werden Projekte abgewickelt, ergänzt durch individuelle Unternehmensberatungen.
- Der GroFin Africa Fund stellt kleinen und mittleren Unternehmen langfristige Finanzierungen und Beratung bereit. Er richtet sich an Betriebe, die für Banken zu klein und für klassische Fonds zu groß sind, und fördert besonders Unternehmerinnen in zahlreichen afrikanischen Ländern.
- Ein bilaterales Vorhaben zum Grünen Handel unterstützt die Exportförderung, unter anderem im Textil- und Bekleidungssektor, und berät zu EU-Wirtschaftspartnerschaftsabkommen (Externer Link) (EPA).
- Ein E-Commerce-Projekt berät die Ostafrikanische Gemeinschaft bei der Umsetzung ihrer regionalen Strategie und beim Verbraucherschutz im Onlinehandel. Gleichzeitig fördert es innovative Zahlungssysteme, Trainingsangebote und umweltfreundliche digitale Handelsmodelle.
- Das Programm SPARK stärkt gezielt das Umfeld für klimafreundliche Innovationen. Es bringt Forschung und Unternehmertum zusammen, unterstützt Innovationszentren und erleichtert Start-ups den Zugang zu passenden Finanzierungen. Über Partnerschaften zwischen Hochschulen, Unternehmen und Kapitalgebern setzt SPARK die Idee einer engeren afrikanisch-europäischen Innovationszusammenarbeit praktisch um.
- Ein großes Infrastrukturprojekt modernisiert einen zentralen Abschnitt der Straße zwischen Kenia und Südsudan. Der Ausbau soll Handel und regionale Integration stärken, insbesondere im strukturschwachen Nordwesten Kenias, und wird von internationalen Partnern wie der Weltbank begleitet.
Stand: 07.04.2026