Einen Frau hockt ein einem überfluteten Reisfeld in Vietnam und bereitet Reissetzlinge für die Pflanzung vor.

Geschlechtergerechtigkeit in Agrar- und Ernährungssystemen Gleichberechtigte Teilhabe in Landwirtschaft und ländlicher Entwicklung

Nachhaltige Agrar- und Ernährungssysteme werden maßgeblich von Frauen gestaltet. Sie arbeiten als Bäuerinnen, Verkäuferinnen und Unternehmerinnen und setzen sich weltweit für eine zukunftsfähige, klimaangepasste Landwirtschaft, für Ernährungssicherheit und den Schutz natürlicher Ressourcen ein.

Frauen erfüllen wichtige Aufgaben in landwirtschaftlichen Wertschöpfungsketten (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen): Sie bauen Nahrungsmittel an, verarbeiten und vermarkten diese und tragen Verantwortung für die Bewirtschaftung natürlicher Ressourcen wie Land und Wasser. Agrar- und Ernährungssysteme bieten Beschäftigungs- und Einkommensmöglichkeiten und sind damit Lebensgrundlage für viele Frauen im ländlichen Raum. Sie verfügen über wichtiges Wissen, um die ländliche Entwicklung nachhaltiger, resilienter (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) und inklusiver zu gestalten.


Wirtschaftliche Stärkung von Frauen

Die meisten Frauen nutzen ihre Gestaltungsmöglichkeiten und Chancen aktiv – obwohl ihre Entscheidungsbefugnisse meist geringer sind als die der Männer. Diskriminierende Geschlechternormen verwehren ihnen häufig noch immer die nötigen Rechte und finanziellen Mittel. Zwar ist in den vergangenen Jahren in vielen Ländern die Gesetzgebung zu Landbesitz und Erbrecht zugunsten von Frauen reformiert worden. Doch noch ist ein Großteil von Grund und Boden weiterhin im Besitz von Männern. Als Folge davon haben Frauen kaum Zugang zu Krediten und daher weniger Möglichkeiten, Vieh oder Betriebsmittel wie Saatgut und Dünger zu erwerben. Und obwohl sich in der Regel die Frauen um Haushalt und Familie kümmern und oft eigenes Einkommen erwirtschaften, liegt auch die Kontrolle über das Gesamteinkommen der Familien meist bei den Männern.

In ländlichen Regionen leiden Frauen häufiger unter Armut sowie an Unter- oder Mangelernährung, ihre Bildungschancen sind besonders niedrig. Auch sind Frauen und Mädchen oft den Auswirkungen des Klimawandels sowie den Folgen von Konflikten und Wirtschaftskrisen deutlich stärker ausgesetzt als Männer.

Ernährungssicherheit

Der Ernährungszustand von Müttern und Kleinkindern stellt früh Weichen für die Zukunft: Eine quantitativ und qualitativ unzureichende Nahrungsmittelversorgung während und nach der Geburt kann die körperliche und geistige Entwicklung des Kindes beeinträchtigen und zu bleibenden Einschränkungen führen.

Deshalb kommt der Ernährungssicherheit von Mädchen, Frauen und Kleinkindern eine große Bedeutung zu. Dabei spielen nicht nur die Kalorien, sondern auch der Nährstoffgehalt von Nahrungsmitteln eine wichtige Rolle. Immer noch sind weltweit besonders häufig Frauen und Mädchen von Hunger und allen Formen von Fehlernährung (Unter-, Mangel- und Überernährung) betroffen.

Gleichberechtigung zum Wohl der gesamten Bevölkerung

Siehe auch
Titelblatt: Dritter entwicklungspolitischer Aktionsplan zur Gleichstellung der Geschlechter (2023–27)

Dritter entwicklungspolitischer Aktionsplan zur Gleichstellung der Geschlechter (2023–27)

Dateityp PDF | Sachstandsdatum 12/2023 | Dateigröße 719 KB, Seiten 36 Seiten | Zugänglichkeit barrierefrei

Nach Schätzungen der Welternährungsorganisation (FAO (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen)) könnten die Erträge von landwirtschaftlichen Betrieben um 20 bis 30 Prozent gesteigert werden, wenn Frauen einen gleichberechtigten Zugang zu Produktionsmitteln hätten. Die Lebensmittelversorgung der gesamten Bevölkerung könnte so erheblich verbessert, die Zahl der Hunger leidenden und fehlernährten Menschen deutlich verringert werden.

Deshalb setzt sich die deutsche Entwicklungszusammenarbeit aktiv für die Gleichberechtigung der Geschlechter im Bereich der Ernährungssicherung, Landwirtschaft und ländlichen Entwicklung ein.

Dazu fördert Deutschland insbesondere die Teilhabe von Frauen in Agrar- und Ernährungssystemen sowie ihre Einbindung in landwirtschaftliche Wertschöpfungsketten. Ihr Zugang zu beruflicher Bildung, Marktinformationen, Technologie und Beratungsdiensten wird verbessert. Strukturen, die Mädchen, Frauen und andere benachteiligte Gruppen diskriminieren, werden abgebaut, Reformprozesse in den Bereichen politische Teilhabe, Landrechte und Finanzdienstleistungen angeregt.

Weiterführende Informationen zu diesem Thema

Stand: 19.12.2023