Giraffen in einem Nationalpark in Tansania

Tansania Ein Land im Umbruch

Tansania ist einer der politisch beständigsten und friedlichsten Staaten in Afrika südlich der Sahara und wirkt stabilisierend in einer Region, die durch zahlreiche Konflikte geprägt war und ist. Das Land erzielt seit den vergangenen zehn Jahren ein konstantes jährliches Wirtschaftswachstum und zählt zu den leistungsstärksten Volkswirtschaften in Subsahara-Afrika. Herausforderungen bleiben jedoch das hohe Bevölkerungswachstum sowie die Korruption.

Die Regierung treibt Reformen bei der Korruptionsbekämpfung und der Steigerung der Eigeneinnahmen voran. Der politische Wille, Reformen zu initiieren, besteht auch in anderen für die Entwicklung des Landes wesentlichen Sektoren wie der Gesundheits- und der Wasserversorgung. Erste Erfolge sind zu verzeichnen – dennoch gehört Tansania weiterhin zu den am wenigsten entwickelten Ländern der Welt.

Tansania verfügt über ein etabliertes Regierungssystem. Es existieren mehrere politische Parteien, die frühere Einheitspartei Chama Cha Mapinduzi (CCM) stellt seit der Unabhängigkeit Tansanias 1961 ununterbrochen die Regierung.

Seit dem Amtsantritt von Staatspräsident John Magufuli 2015 sind die Rechte der Opposition, der Zivilgesellschaft (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) und der Medien erheblich eingeschränkt worden. Die landesweiten Kommunalwahlen im November 2019 wurden von den größten Oppositionsparteien boykottiert – mehr als 90 Prozent ihrer Kandidaten seien nicht zur Wahl zugelassen worden. Im Oktober 2020 fanden Präsidentschafts- und Parlamentswahlen statt, Amtsinhaber John Magufuli wurde mit großer Mehrheit wiedergewählt. Die Wahlen waren von Gewalt überschattet, Oppositionsparteien bemängelten Unregelmäßigkeiten bei den Wahlen und hartes Vorgehen staatlicher Organe gegen oppositionelle Kandidaten.

Die Beziehung zwischen Tansania und Deutschland ist geprägt von der Kolonialvergangenheit der beiden Länder: Von 1891 bis 1918 gehörten große Teile des Landes zur Kolonie Deutsch-Ostafrika. Heute ist das Verhältnis zwischen den beiden Ländern gut und freundschaftlich. So bestehen zum Beispiel zahlreiche Partnerschaften zwischen Städten, Schulen und Kirchengemeinden in Tansania und Deutschland.

Entwicklungszusammenarbeit

Tansania und Deutschland sind seit Jahrzehnten Partner in der Entwicklungszusammenarbeit. Die Zusammenarbeit konzentriert sich auf die Schwerpunkte Wasser, Biodiversität und Gesundheit inklusive Familienplanung.

Im Oktober 2018 wurden geplante Regierungsverhandlungen von der tansanischen Seite kurzfristig abgesagt. Ein Großteil der vorgesehenen Gelder konnte daher nicht zugesagt werden. Bei Regierungsgesprächen im September 2019 konnten wesentliche Hindernisse auf dem Weg zu neuen Regierungsverhandlungen ausgeräumt werden. Diese sind für das Jahr 2020 geplant.

Blick auf Daressalam, die größte Stadt in Tansania

Zunehmende Einschränkung von Grundrechten Interner Link

Mit ihrer langfristigen Entwicklungsstrategie "Tanzania Development Vision 2025“ hat sich die Regierung Tansanias das Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2025 den Status eines Landes mit mittlerem Einkommen zu erreichen.

Schülerinnen auf ihrem Schulweg an einem Strand der zu Tansania gehörenden Insel Sansibar

Schlechte Bildungs- und Gesundheitsversorgung Interner Link

Trotz konstanten Wirtschaftswachstums ist es in den vergangenen Jahren nicht gelungen, ausreichend neue Arbeitsplätze zu schaffen, um die weit verbreitete Armut zu verringern.

Straßenhändler in Tansania

Potenziale werden nicht ausgeschöpft Interner Link

Die tansanische Wirtschaft ist in den vergangenen zehn Jahren im Durchschnitt um mehr als sechs Prozent jährlich gewachsen. 2018 wurde eine Wachstumsrate von 5,4 Prozent erzielt.

Deutsche Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit mit Tansania

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller beim Besuch einer Krankenpflege- und Hebammenschule in Tansania

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller beim Besuch einer Krankenpflege- und Hebammenschule in Tansania

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller beim Besuch einer Krankenpflege- und Hebammenschule in Tansania

Tansania ist ein wichtiges Kooperationsland der deutschen Entwicklungszusammenarbeit in Afrika. Seit 2015 wurden dem Land Mittel in Höhe von 218,5 Millionen Euro zugesagt.

Die für Oktober 2018 vorgesehenen Regierungsverhandlungen wurden von der tansanischen Regierung kurzfristig abgesagt. Bei Regierungsgesprächen im September 2019 konnten wesentliche Hindernisse auf dem Weg zu neuen Regierungsverhandlungen ausgeräumt werden. Im Februar 2020 besuchte der Persönliche Afrikabeauftragte der Bundeskanzlerin, Günter Nooke, Tansania und traf Staatspräsident John Magufuli. Beide bekräftigten die Bedeutung der historischen Verbundenheit beider Länder und den Willen zur weiteren Zusammenarbeit. Für das Jahr 2020 sind Regierungsverhandlungen geplant.

Die Entwicklungszusammenarbeit mit Tansania konzentriert sich derzeit auf folgende Schwerpunkte:

  • Wasser
  • Biodiversität
  • Gesundheit und Familienplanung

Durch den Bau einer 140 Kilometer langen Übertragungsleitung von Geita nach Nyakanazi, südlich des Viktoriasees, unterstützt Deutschland darüber hinaus die Verbesserung der Stromversorgung im Nordwesten Tansanias. Ziel ist, zwei Wasserkraftwerke an das nationale Stromnetz anzuschließen und so eine Abschaltung klimaschädlicher Dieselgeneratoren zu ermöglichen. Gleichzeitig wird der Stromhandel mit den Anrainerstaaten der Großen Seen (Burundi, Ruanda, Uganda) ermöglicht.

Im Bereich der guten finanziellen Regierungsführung trägt Deutschland dazu bei, das tansanische System der öffentlichen Finanzen zu stärken. Im Mittelpunkt der Zusammenarbeit mit Finanzministerium und Rechnungshof stehen die Themen externe Finanzkontrolle, Innenrevision, Erhöhung der Eigeneinnahmen und Staat-Bürger-Dialog.

In allen Förderbereichen wird ein besonderes Augenmerk auf die Reformwilligkeit der tansanischen Regierung gelegt. Ein Engagement Deutschlands kommt nur dann in Betracht, wenn sie einen klaren politischen Willen zu Reformen und zur Übernahme von Eigenbeiträgen zeigt.

Öffentliche Wasserstelle in Tansania

Versorgung mit sauberem Trinkwasser Interner Link

Der noch geringe Entwicklungsstand Tansanias zeigt sich unter anderem im Wassersektor: Die Hälfte der ländlichen und fast 40 Prozent der städtischen Bevölkerung müssen ohne hygienisch einwandfreies Wasser auskommen. Nur etwa 25 Prozent der Menschen in Tansania haben Zugang zu angemessenen sanitären Einrichtungen.

Eine Mutter lässt ihr neugeborenes Kind medizinisch untersuchen

Bessere Versorgung von Schwangeren und Neugeborenen Interner Link

Eine Lebenserwartung von nur 65 Jahren, eine hohe Sterblichkeitsrate bei Müttern und Neugeborenen sowie ein Bevölkerungswachstum von rund drei Prozent pro Jahr kennzeichnen die Herausforderungen, mit denen der tansanische Gesundheitssektor konfrontiert ist. Zugleich herrscht ein gravierender Mangel an qualifiziertem Personal.

Standbild aus dem BMZ-Video "Schutz der Biodiversität in Tansania"

Schutzgebiete erhalten – Lebensbedingungen verbessern Interner Link

Die Naturschätze Tansanias bieten große Potenziale für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes. Die Regierung Tansanias unternimmt erhebliche Anstrengungen, um die Biodiversität des Landes zu schützen: 40 Prozent der Staatsfläche (Land und Wasser) sind als Schutzgebiete ausgewiesen.