Wirtschaftliche Situation Potenziale werden nicht ausgeschöpft

Die tansanische Wirtschaft wuchs in den Jahren 2015 bis 2019 im Durchschnitt um mehr als sechs Prozent. 2020 ging die Wachstumsrate in Folge der Corona-Pandemie auf zwei Prozent zurück. Für die kommenden Jahre rechnet der Internationale Währungsfonds (IWF (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen)) wieder mit Werten zwischen fünf und sechs Prozent.

Straßenhändler in Tansania

Straßenhändler in Tansania

Straßenhändler in Tansania

Etwa 36 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) entfallen derzeit auf den Dienstleistungssektor. Dazu zählt auch der Tourismus, der nach einem Bericht der Weltbank (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) 2019 der größte Devisenbringer des Landes war sowie den zweitgrößten Beitrag zum BIP und den drittgrößten Beitrag zur Beschäftigung leistete. Die Corona-Pandemie traf die Branche besonders schwer: Die Einnahmen aus dem Tourismus brachen 2020 um mehr als 70 Prozent ein. Viele Unternehmen, auch aus Wirtschaftsbereichen, die den Tourismus unterstützen und von ihm abhängig sind, mussten schließen, mehrere hunderttausend Arbeitsplätze gingen verloren.

Motoren des Wirtschaftswachstums waren in den vergangenen Jahren außerdem das Baugewerbe, der Bergbau und das Transport- und Logistikgewerbe.

Die Industrie trägt fast 30 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei, stellt aber nur sechs Prozent der Arbeitsplätze zur Verfügung. Zwei Drittel der Beschäftigten erzielen ihr Einkommen in der Landwirtschaft. Für den Export werden vor allem Kaffee, Baumwolle, Tee, Tabak, Sisal und Cashewnüsse angebaut. Der Agrarsektor erwirtschaftet etwa 27 Prozent des BIP.


Private Inves­toren halten sich zurück

Die Regierung Tansanias hat ihren Willen bekundet, den Privatsektor verstärkt zu fördern. Doch eine unklare Gesetzgebung und bürokratische Hürden behindern unternehmerische Initiativen. Hinzu kommen der Fachkräftemangel sowie Defizite in der Energie- und Transportinfrastruktur.

Investitionen erfolgen aktuell vor allem durch die öffentliche Hand. Da staatliche Großprojekte zum Ausbau der Infrastruktur (Straßen und Bahntrassen, Stromnetz, Kraftwerke) über Kredite finanziert werden, steigt die Schuldenlast Tansanias.

Entwicklungs­poten­ziale

Tansanias Naturreichtum ist bereits ein sehr wichtiger Wirtschaftsfaktor für das Land. Mit dem Kilimandscharo, bedeutenden Schutzgebieten wie der Serengeti und dem Ngorongoro-Krater, dem Tanganjika- und dem Viktoriasee sowie Stränden am Indischen Ozean gilt Tansania als überaus attraktives und vielseitiges Reiseziel. Der Tourismus hat aber noch erhebliche Wachstumspotenziale. Ein großer Teil der Schutzgebiete ist bisher nicht touristisch erschlossen, die arme Bevölkerung um die Schutzgebiete profitiert kaum vom Tourismus.

Die Corona-Krise bietet die Chance, notwendige Strukturreformen vorzunehmen und den Tourismus nachhaltig zu gestalten. Ein nachhaltig gestalteter Tourismussektor könnte die Einnahmen des Staates erhöhen, würde neue Arbeitsplätze schaffen und gleichzeitig einen entscheidenden Beitrag zum Erhalt der Biodiversität des Landes leisten. Laut einer Weltbank-Analyse könnte die Branche als Vorbild für die Verbesserung des Geschäftsklimas im Land dienen.

In der Landwirtschaft könnte die Produktion ausgeweitet und stärker diversifiziert werden, um die Abhängigkeit der Wirtschaft von einzelnen Erzeugnissen und ihren Weltmarktpreisen zu verringern. Eine Weiterverarbeitung landwirtschaftlicher Produkte im Land könnte neue Arbeitsplätze und zusätzliches Einkommen schaffen. Dafür müssten allerdings die Rahmenbedingungen für kleine und mittlere Unternehmen verbessert werden.

Als Transitland und Warenumschlagplatz für die zentralafrikanischen Binnenstaaten nimmt Tansania mit seinem Zugang zum Meer eine wichtige Rolle ein. Chancen ergeben sich durch die Einbindung des Landes in die Ostafrikanische Gemeinschaft (East African Community, EAC), die die Bewegung von Waren und Dienstleistungen, Personen und Kapital zwischen den sechs Mitgliedsstaaten grundlegend erleichtert.