Wirtschaftliche Situation Potenziale werden nicht ausgeschöpft

Die tansanische Wirtschaft ist in den vergangenen zehn Jahren im Durchschnitt um mehr als sechs Prozent jährlich gewachsen. 2018 wurde eine Wachstumsrate von 5,4 Prozent erzielt. Für die Folgejahre rechnet der Internationale Währungsfonds (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) (IWF) ebenfalls mit Werten zwischen fünf und sechs Prozent.

Straßenhändler in Tansania

Straßenhändler in Tansania

Straßenhändler in Tansania

Der Dienstleistungssektor macht derzeit etwa 38 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) aus. Dazu zählt auch der Tourismus mit 18 Prozent des BIP. Dieser stellt insgesamt zwölf Prozent der Arbeitsplätze in Tansania. Motoren des Wirtschaftswachstums waren in den vergangenen Jahren insbesondere das Bau- und das Transport- und Logistikgewerbe. Zweitwichtigster Bereich ist der Agrarsektor, in dem rund 30 Prozent des BIP erwirtschaftet werden. Zwei Drittel der Beschäftigten erzielen ihr Einkommen in der Landwirtschaft. Für den Export werden vor allem Kaffee, Baumwolle, Tee, Tabak, Sisal und Cashewnüsse angebaut. Die Industrie trägt mit 25 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei, stellt aber nur sieben Prozent der Arbeitsplätze zur Verfügung.

Private Investoren halten sich zurück

Die Regierung Tansanias hat ihren Willen bekundet, den Privatsektor verstärkt zu fördern. Doch willkürliche politische Entscheidungen, eine unklare Gesetzgebung und bürokratische Hürden behindern unternehmerische Initiativen. Hinzu kommen der Fachkräftemangel sowie Defizite in der Energie- und Transportinfrastruktur. Laut Doing-Business-Report (Externer Link) der Weltbank (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) hat sich das Geschäfts- und Investitionsklima in den vergangenen Jahren verschlechtert. Im Bericht für 2020 erreicht Tansania nur Rang 141 von 190 bewerteten Staaten (2017: Rang 132) und liegt damit weit hinter seinen Nachbarn Kenia (56) und Ruanda (38).

Investitionen erfolgen aktuell vor allem durch die öffentliche Hand. Da staatliche Großprojekte zum Ausbau der Infrastruktur (neue Eisenbahnlinie nach Ruanda, Hafenausbau, Kraftwerksbau) über Kredite finanziert werden, steigt die Schuldenlast Tansanias.

Ent­wick­lungs­po­ten­zia­le

Erhebliche Wachstumschancen bestehen im Tourismus: Mit dem Kilimandscharo, bedeutenden Schutzgebieten wie der Serengeti und dem Ngorongoro-Krater, dem Tanganjika- und dem Victoriasee sowie Stränden am Indischen Ozean gilt Tansania als überaus attraktives und vielseitiges Reiseziel.

In der Landwirtschaft könnte die Produktion ausgeweitet und stärker diversifiziert werden, um die Abhängigkeit der Wirtschaft von einzelnen Erzeugnissen und ihren Weltmarktpreisen zu verringern. Eine Weiterverarbeitung landwirtschaftlicher Produkte im Land könnte neue Arbeitsplätze und zusätzliches Einkommen schaffen. Dafür müssten allerdings die Rahmenbedingungen für kleine und mittlere Unternehmen verbessert werden.

Als Transitland und Warenumschlagplatz für die zentralafrikanischen Binnenstaaten nimmt Tansania mit seinem Zugang zum Meer eine wichtige Rolle ein. Chancen ergeben sich durch die Einbindung des Landes in die Ostafrikanische Gemeinschaft (East African Community, EAC), die die Bewegung von Waren und Dienstleistungen, Personen und Kapital zwischen den sechs Mitgliedsstaaten grundlegend erleichtert.