Panoramafoto von Khartum, der Hauptstadt von Sudan

Sudan Aufbruchstimmung nach Jahrzehnten der Diktatur

Nach friedlichen Protesten der Bevölkerung, insbesondere von jungen Menschen und Frauen, wurde der sudanesische Staats­präsident Omar Hassan Ahmad al Baschir im April 2019 durch das Militär gestürzt.

Voraus­gegangen waren 30 Jahre Diktatur, Bürger­krieg und die Benach­teili­gung und Aus­grenzung weiter Teile der Bevölkerung. Im September 2019 nahm eine zivil-militärische Über­gangs­regierung ihre Arbeit auf. Sie soll bis Anfang 2024 eine neue Ver­fassung erarbeiten, tief­greifende politische und wirt­schaft­liche Reformen umsetzen sowie allgemeine, freie Wahlen vorbereiten.

Die Bevölkerung setzt große Hoffnungen in die neue Regierung unter Premier­minister Abdalla Hamdok, das Land in Richtung Demo­kratie, Frieden und Stabilität zu führen.


Bun­des­ent­wick­lungs­mi­nis­ter Gerd Mül­ler beim Be­such ei­nes Be­rufs­bil­dungs­zen­trums in Khar­tum im Fe­bru­ar 2020

Sudan-Partnerschaftskonferenz Deutsch­land sagt re­form­ori­en­tier­ter Re­gie­rung im Su­dan 150 Mil­lio­nen Eu­ro zu Interner Link

25. Juni 2020 |

Ent­wick­lungs­mi­nis­ter Mül­ler: "Der Su­dan ist ein Kern­land Afri­kas, ei­nes der grö­ß­ten Län­der, von enor­mer Be­deu­tung auch für die fra­gi­le Sa­hel-Re­gi­on."

Entwicklungspolitische Zusammenarbeit

Deutschland hatte die Ent­wick­lungs­zusam­men­arbeit mit Sudan nach der Macht­über­nahme Baschirs 1989 ein­ge­stellt. Um der not­leiden­den Be­völ­ke­rung un­mittel­bar zu helfen, wurden in be­grenz­tem Um­fang Vor­haben der Übergangshilfe und der Sonderinitiative Flucht finanziert.

Nach dem Sturz Baschirs 2019 hat das Bundes­mi­nis­te­rium für wirt­schaft­liche Zu­sam­men­ar­beit und Ent­wick­lung (BMZ) seine Ak­ti­vi­tä­ten deut­lich aus­ge­weitet.

2020 wurde auf Be­schluss des Deut­schen Bun­des­tages die bi­la­te­rale Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit offiziell wieder auf­ge­nom­men. Im Mittel­punkt der Zu­sam­men­arbeit steht neben der För­de­rung von Frieden und ge­sell­schaft­lichem Zu­sam­men­halt die Schaffung von Be­schäf­ti­gungs­per­spek­tiven für die über­wiegend junge Be­völ­kerung.

Weitere Informationen zur deutsch-sudanesischen Zusammenarbeit finden Sie weiter unten (Externer Link).

Sudan-Partnerschaftskonferenz

Im Juni 2019 wurde auf Initiative Deutsch­lands die informelle Staatengruppe "Friends of Sudan" gegründet, um die inter­nationale Unterstützung für das Land zu koordinieren. Im Juni 2020 nahmen Dele­ga­tionen aus 40 Ländern und von 15 inter­nationalen Orga­nisa­tionen online an einer Sudan-Partner­schafts­konferenz (Externer Link) teil. Diese bildete den offiziellen Auftakt zu einem politischen Prozess, mit dem die inter­nationale Gemeinschaft die Reform­bemühungen der Über­gangs­regierung unter­stützen und das Land auf dem Weg zu Frieden und Demo­kratie begleiten will. Gastgeber der Konferenz waren neben Deutsch­land die Vereinten Nationen, die Euro­päische Union und Sudan.

Insgesamt sagten die inter­nationalen Partner dem Land 1,8 Milliarden US-Dollar zu. Die Konferenz zeigte auch die nächsten Schritte auf, um Sudan den Weg zu einer möglichen Entschuldung im Rahmen der HIPC-Initiative (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) zu ebnen.

Aktuelle Situation

Straßenszene in der sudanesischen Hauptstadt Khartum

Politische Situation Erste Reformschritte vollzogen  Interner Link

Nach drei Jahr­­zehnten der Diktatur und wirt­­schaft­­lichen Isolation führt die aktuelle Über­­gangs­­regierung den Sudan in Richtung Frieden, Demo­kratie und wirt­­schaft­­liche Öffnung. Erste Reform­­schritte wurden bereits voll­­zogen, etwa im Bereich der Rechts­­ordnung.

Menschen auf der Flucht im Sudan

Soziale Situation Grundversorgung nicht gesichert  Interner Link

Die humanitäre Situation in Sudan ist besorgnis­erregend und hat sich im Laufe des Jahres 2020 weiter verschlechtert. 60 Prozent der Bevölkerung sind von extremer Armut betroffen, in Rand­regionen wie Süd­kordofan oder Darfur teil­weise bis zu 90 Prozent.

Ein sudanesischer Bauer erntet Hirse.

Wirtschaftliche Situation Land in tiefer Krise Interner Link

Die Wirtschafts­politik des Baschir-Regimes war von staat­licher Lenkung, Korruption und Bevor­zugung einzelner Gruppen geprägt. Sie konzentrierte sich stark auf die Öl­förderung und den Abbau von Gold; Eliten aus Staat und Sicher­heits­apparat schöpften den Groß­teil der Gewinne ab.

Entwicklungszusammenarbeit mit Sudan

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller beim Besuch des develoPPP-Berufsbildungszentrums von Siemens für Ausbilder von Energie- und Kraftwerkstechnikern in Khartum im Februar 2020

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller beim Besuch des develoPPP-Berufsbildungszentrums von Siemens für Ausbilder von Energie- und Kraftwerkstechnikern in Khartum im Februar 2020

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller beim Besuch des develoPPP-Berufsbildungszentrums von Siemens für Ausbilder von Energie- und Kraftwerkstechnikern in Khartum im Februar 2020

Deutschland hatte seine Entwicklungszusammenarbeit mit Sudan 1989, nach dem Putsch Baschirs, eingestellt. Gefördert wurden nur noch Maßnahmen, die der not­leidenden Bevölkerung direkt zugute­kamen. Umgesetzt wurden diese in erster Linie von Organisationen der Vereinten Nationen, inter­nationalen Nicht­regierungs­organisationen und der GIZ (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen).

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller besucht das Nyanya General Hospital in Abuja, Nigeria.

Afri­ka­rei­se Ent­wick­lungs­mi­nis­ter Gerd Mül­ler vor sei­ner Rei­se nach Ni­ge­ria, Su­dan und Ägyp­ten Interner Link

3. Februar 2020 |

Bun­des­ent­wick­lungs­mi­nis­ter Gerd Mül­ler reist vom 3. bis 7. Fe­bru­ar nach Ni­ge­ria, Ägyp­ten und in den Su­dan. Im Vorfeld der Reise kündigte er eine neu­e Stra­te­gie an, um die Re­gi­on zu sta­bi­li­sie­ren.

Nach dem Sturz Baschirs forderte der Bundestag die Bundes­regierung im Februar 2020 auf, die bilaterale Zusammen­arbeit mit Sudan wieder aufzunehmen. Auf der Sudan-Partnerschafts­konferenz im Juni 2020 sagte das BMZ der reform­orientierten Übergangs­regierung 118 Millionen Euro zu. Weitere 32 Millionen Euro für humanitäre Hilfe wurden vom Auswärtigen Amt bewilligt.

Neben der Förderung von Frieden und gesell­schaft­lichem Zusammen­halt sollen vor allem Beschäftigungs­perspektiven für die über­wiegend junge Bevölkerung geschaffen werden. Das BMZ unterstützt ein Sozial­transfer­programm der Über­gangs­regierung, das soziale Härten für die Bevölkerung abfedern soll.

Weitere laufende Vorhaben der Entwicklungs­zusammen­arbeit zielen darauf ab, Flüchtlinge, Binnen­vertriebene und aufnehmende Gemeinden zu unter­stützen und Flucht­ursachen wie Armut, Ungleichheit und Ernährungs­unsicher­heit lang­fristig zu mindern. Neben beruflicher Bildung und Beschäftigungs­förderung spielt dabei auch die Bereit­stellung von Basis­dienst­leistungen (Wasser- und Sanitär­versorgung, Bildung, Gesundheit, Ernährungs­sicherung) eine wichtige Rolle.