Jugendliche in Ruanda

Ruanda Licht und Schatten – 25 Jahre nach dem Trauma

Ruanda hat in den vergangenen Jahren bemerkenswerte Entwicklungsfortschritte erzielt. Die Regierung zeigt ein hohes Maß an Entwicklungsorientierung und verfolgt zielstrebig ihre ehrgeizigen Ziele zur Umgestaltung des Landes. Allerdings haben sich in jüngster Zeit autoritäre Regierungsstrukturen verfestigt.

Trotz beeindruckender wirtschaftlicher Wachstumsraten ist es in den vergangenen Jahren nicht gelungen, die Armut weiter zu verringern: Noch immer leben fast 40 Prozent der Bevölkerung Ruandas unterhalb der nationalen Armutsgrenze. Im aktuellen Index der menschlichen Entwicklung (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) der Vereinten Nationen (HDI) belegt das ostafrikanische Land Rang 157 von 189 Ländern.

Die Geschichte Ruandas ist von wiederkehrenden Konflikten zwischen den Volksgruppen der Hutu und Tutsi geprägt. Diese gipfelten 1994 in einem grausamen Völkermord an der Tutsi-Minderheit, dem nach Schätzungen innerhalb von 100 Tagen bis zu eine Million Menschen zum Opfer fielen. Der Genozid, die Traumatisierung großer Teile der Bevölkerung sowie die massenhafte Vertreibung und die spätere Rückkehr von rund 3,5 Millionen Flüchtlingen haben Ruandas Entwicklung geprägt und erheblich zurückgeworfen.

Die Folgen des Genozids zu bewältigen, bleibt eine große Herausforderung für das Land. Voraussetzungen für eine stabile Entwicklung sind die gesellschaftliche Aussöhnung sowie eine politische und wirtschaftliche Öffnung.

Entwicklungszusammenarbeit

Ruanda gehört zu den Kooperationsländern, mit denen die Bundesrepublik auf Basis zwischenstaatlich vereinbarter Verträge eng zusammenarbeitet. Mit den Schwerpunkten "Nachhaltige Wirtschaftsentwicklung" und "Dezentralisierung/Gute Regierungsführung" greift das deutsche Engagement zentrale Anliegen der ruandischen Entwicklungsstrategien, des Marshallplans mit Afrika und der G20-Initiative "Compact with Africa" auf.

Blick auf Kigali vom Kigali Genocide Memorial Centre

Politische Situation Defizite bei Demokratie und Rechtsstaatlichkeit Interner Link

Nach der traumatischen Erfahrung des Genozids 1994 sind Stabilität und Sicherheit die vorrangigen Ziele der ruandischen Regierung. Neben beeindruckenden wirtschaftlichen und sozialen Erfolgen sind jedoch erhebliche Defizite in den Bereichen Demokratie und Rechtsstaatlichkeit zu verzeichnen.

Straßenstand in Ruanda, an dem Karotten verkauft werden

Soziale Situation Beachtliche Fortschritte Interner Link

Ruanda ist eines der wenigen Länder, die fast alle Millenniumsentwicklungsziele erreicht haben. Das Bruttonationaleinkommen pro Kopf ist gering, hat sich aber in den vergangenen 20 Jahren verdreifacht.

Am Grenzübergang Petite Barrière zwischen Ruanda und der Demokratischen Republik Kongo findet ein reger grenzüberschreitender Handelsaustausch statt.

Wirtschaftliche Situation Dynamisches Wachstum Interner Link

Das erklärte Ziel der ruandischen Regierung ist es, durch wirtschaftliches Wachstum die Lebensbedingungen der gesamten Bevölkerung zu verbessern. Ein wichtiger Partner dafür ist die Privatwirtschaft. Die Regierung ist daher sehr bemüht, insbesondere ausländische Investoren anzuziehen.

Deutsche Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit mit Ruanda

Die ruandisch-deutsche Entwicklungszusammenarbeit konzentriert sich auf folgende Schwerpunkte:

  • Dezentralisierung/Gute Regierungsführung
  • Nachhaltige Wirtschaftsentwicklung

Bei Regierungsverhandlungen im Mai 2017 in Kigali hat Deutschland der Republik Ruanda 71 Millionen Euro für einen Zeitraum von drei Jahren zugesagt. Davon sind 42 Millionen Euro für die finanzielle (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) und 29 Millionen Euro für die technische Zusammenarbeit (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) vorgesehen.

Darüber hinaus wurden seit 2017 verschiedene Zwischenzusagen in Höhe von insgesamt 59 Millionen Euro für die technische und die finanzielle Zusammenarbeit gemacht – unter anderem im Rahmen der Sonderinitiativen "Flucht" und "Ausbildung und Beschäftigung" sowie für regionale Energiemaßnahmen und die Förderung von Informations- und Kommunikationstechnologien. Weiter Zwischenzusagen sind geplant.

Im Mai 2019 eröffnete in der ruandischen Hauptstadt Kigali das erste vom BMZ geförderte Digitalzentrum. Es soll digitale Lösungen für eine nachhaltige Entwicklung entwickeln.

Versorgung von Geflüchteten

In Ruanda sind derzeit fast 149.000 Geflüchtete registriert, darunter mehr als 76.000 aus der Demokratischen Republik Kongo (DR Kongo) und etwa 72.000 aus Burundi (Stand: Juni 2019).

Im Rahmen der Sonderinitiative "Flucht" trägt das BMZ dazu bei, dass Flüchtlinge aus Burundi und der DR Kongo am wirtschaftlichen Leben in Ruanda teilhaben können. Dabei werden auch die Einkommens- und Beschäftigungsmöglichkeiten in den ruandischen Gemeinden verbessert, die an die Flüchtlingslager angrenzen. Auf diese Weise sollen Verteilungskonflikte zwischen Flüchtlingen und lokaler Bevölkerung vermieden werden.

Dorfläden in Ruanda

Schwerpunkt Dezentralisierung/Gute Regierungsführung Mehr Bürgerbeteiligung in den Gemeinden Interner Link

Mehr als 80 Prozent der Menschen in Ruanda leben auf dem Land. Um ihre Lebensbedingungen zu verbessern, unterstützt Deutschland den Dezentralisierungsprozess. Die Verwaltungen auf Distrikt- und Gemeindeebene können am besten beurteilen, wo die örtliche Infrastruktur ausgebaut werden muss und welche öffentlichen Dienstleistungen besonders fehlen. Die Zivilgesellschaft wiederum kann auf lokaler Ebene leichter von ihrem Mitbestimmungsrecht Gebrauch machen und die Arbeit der Verwaltung besser kontrollieren.

Zwei Auszubildende im Bereich Metallbau am Integrated Polytechnical Regional College (IPRC) in Kigali, Ruanda, bedienen eine Maschine.

Schwerpunkt nachhaltige Wirtschaftsentwicklung Ausbildung und Beschäftigung Interner Link

Zwei Drittel der Beschäftigten in Ruanda arbeiten in der Landwirtschaft – vorwiegend zur Eigenversorgung. Um die Armut zu verringern, müssen möglichst viele Menschen unabhängig von dieser sogenannten Subsistenzlandwirtschaft werden und Einkommensmöglichkeiten im Handwerk, im Dienstleistungsgewerbe oder der Industrie finden. Die ruandische Regierung strebt daher die Schaffung entsprechender Arbeitsplätze an. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Privatwirtschaft.