Am Grenzübergang Petite Barrière zwischen Ruanda und der Demokratischen Republik Kongo findet ein reger grenzüberschreitender Handelsaustausch statt.

Wirtschaftliche Situation Dynamisches Wachs­tum

Bis zum Ausbruch der Corona-Pandemie 2020 zählte Ruanda zu den wirtschaftlich am stärksten wachsenden Ländern des afrikanischen Kontinents. Politik und Wirtschaft des Landes wie auch die internationale Gebergemeinschaft rechnen auch künftig mit einer dynamischen Entwicklung.

Das erklärte Ziel der Regierung ist es, durch wirtschaftliches Wachstum die Lebensbedingungen der gesamten Bevölkerung zu verbessern. Ein wichtiger Partner dafür ist die Privatwirtschaft. Die Regierung ist daher sehr bemüht, insbesondere ausländische Investoren anzuziehen.

Die ruandische Wirtschaft wuchs in den Jahren 2015 bis 2019 um vier bis 9,5 Prozent. 2020 sorgte die Corona-Pandemie für einen Einbruch (minus 3,4 Prozent). Besonders betroffen von der globalen Wirtschaftskrise und lokalen Pandemiemaßnahmen waren die Bereiche Tourismus, Handel, Bau und Industrieproduktion – und damit die Wachstumsträger der vergangenen Jahre. Selbst die Landwirtschaft konnte sich 2020 nicht positiv entwickeln, da sie zum einen eng mit anderen Wirtschaftssektoren verknüpft ist, zum anderen starke Regenfälle zu Ernteausfällen führten.

2022 rechnet der Internationale Währungsfonds (IWF (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen)) mit einer Erholung der Wirtschaft Ruandas, in den kommenden Jahren hält er Wachstumsraten von sieben bis acht Prozent für möglich.


Hindernisse

Die Regierungspartei von Präsident Kagame prägt wesentliche Wirtschaftsaktivitäten des Landes. Die staatsnahen Unternehmen geben zwar durchaus wichtige Entwicklungsimpulse. Ihre vorherschende Stellung hemmt jedoch private Unternehmen, in Ruanda zu investieren.

Gebremst wird die wirtschaftliche Entwicklung außerdem durch geografische und strukturelle Rahmenbedingungen: Runda ist ein kleines, extrem dicht besiedeltes Bergland, in dem den Unternehmen im regionalen Vergleich hohe Energie- und Transportkosten entstehen. Es fehlt an ausgebildeten Fachkräften und einer gut ausgebauten Infrastruktur. Mängel bestehen insbesondere bei der Stromversorgung: Mehr als 60 Prozent der Bevölkerung haben bislang keinen Zugang zu Elektrizität.

Im Rahmen regionaler Programme wird mit deutscher Unterstützung die Energieversorgung verbessert, indem Übertragungsleitungen zwischen Ruanda, Burundi und der Demokratischen Republik Kongo installiert werden. Außerdem wird der Bau von Wasserkraftwerken und solaren Heimsystemen gefördert.

Die hohe Dichte und das Wachstum der Bevölkerung (2020: 2,5 Prozent) führen zu einer sehr intensiven Nutzung der natürlichen Ressourcen des Landes. Zum Vergleich: Während in Deutschland im Schnitt 238 Menschen pro Quadratkilometer Landesfläche leben, sind es in Ruanda 525. Die Bevölkerungsdichte führt dazu, dass unter anderem immer mehr Böden zerstört werden und die landwirtschaftlich nutzbare Fläche schrumpft. Gleichzeitig sind vor allem ländliche Gegenden immer öfter von extremen Wetterereignissen wie Dürren und Starkregen und von Schäden durch Erosion betroffen.

Entwick­lungs­poten­ziale

Wachstumsbranchen Ruandas sind die Bauwirtschaft, der Bergbau und vor allem der Dienstleistungssektor. Dieser hat inzwischen einen deutlich größeren Anteil am Bruttinlandprodukt als die Landwirtschaft. Vor allem in den Bereichen Finanzdienstleistungen und Informationstechnik stecken große Potenziale für die Entwicklung des Landes.

Gute Entwicklungschancen bietet außerdem der Tourismus. Nicht zuletzt wegen der wirtschaftlichen Bedeutung dieser Branche bemüht sich die ruandische Regierung intensiv darum, die unkontrollierte Abholzung der Wälder einzudämmen und die verbliebenen Wälder unter Schutz zu stellen. Mit einem neuen Konferenzzentrum und zahlreichen neuen Hotels versucht sich die Hauptstadt Kigali außerdem als Konferenzstandort zu positionieren.

Stand: 23.02.2022