Straßenstand in Ruanda, an dem Karotten verkauft werden

Soziale Situation Corona-Pandemie bremst erfolg­reiche Ent­wick­lung

Ruanda konnte in den vergangenen Jahren bemerkens­werte Ent­wicklungs­erfolge vorweisen. Das Brutto­national­einkommen pro Kopf ist zwar gering, hat sich aber in den vergan­genen 20 Jahren verdrei­facht.

Der Anteil der armen Bevöl­kerung sank nach Angaben der ruan­dischen Regierung von fast 60 Prozent im Jahr 2000 auf 38 Prozent im Jahr 2016. Der Anteil der extrem Armen ging im gleichen Zeit­raum von 40 auf 16 Prozent zurück. Die Dynamik hat allerdings nach­gelassen – seit 2013 haben sich die Werte kaum noch verbes­sert.

Mehr als ein Drittel  der Bevöl­kerung ist chronisch unter­ernährt, besonders betrof­fen sind Kinder im länd­lichen Raum.

Die Corona-Pandemie hat die soziale Ent­wick­lung Ruandas deutlich zurück­geworfen. Zwar konnten früh­zeitig ergriffene Maß­nahmen zur Eindäm­mung der Pandemie bislang einen Zu­sammen­bruch des Gesund­heits­systems verhindern. Doch die wirt­schaft­lichen und gesell­schaftlichen Folgen sind dramatisch: Das Pro-Kopf-Einkom­men ist deutlich gesunken, nach Schätzungen der Weltbank (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) sind mehr als 550.000 Menschen auf­grund der Pandemie in die Armut zurück­gefallen.

Arme und besonders verwund­bare Bevöl­kerungs­gruppen litten am stärksten unter den Maß­nahmen. Unter anderem wurde ihre soziale Teil­habe deutlich erschwert. So hatten viele Kinder keine Mög­lichkeit, am Online-Unter­richt teilzunehmen. Zahlreiche Kleinst­unternehme­rinnen und -unter­nehmer verloren im Lock­down ihre Geschäfts­grundlage. Gleich­zeitig sind die Lebens­haltungs­kosten, etwa die Preise für Nahrungs­mittel, stark angestiegen.


Bildung und Gesundheit

Im Bildungs­bereich wurden in den vergangenen Jahren beachtliche Fort­schritte erzielt. So ließ die Einfüh­rung einer kosten­losen Schul­bildung die Einschu­lungs­rate deutlich steigen – in­zwi­schen be­suchen 95 Prozent  aller schul­pflichtigen Kinder eine Grund­schule. Auch die Dauer des Schul­besuchs hat sich deutlich verlängert, 97 Prozent der Kinder schlossen 2019 nach Angaben der Welt­bank die Grundschule ab (2000: 25 Prozent). Allerdings weist die Qualität der Schul­bildung noch erheb­liche Mängel auf.

Die Sterblichkeitsr­ate bei Kindern unter fünf Jahren sank im Zeit­raum von 2000 bis 2019 von 179 auf 34 Todes­fälle pro 1.000 Kinder. Auch die Mütter­sterblich­keit konnte erheblich gesenkt werden: Im Jahr 2000 starben in Ruanda noch mehr als 1.100 Frauen je 100.000 Lebend­geburten, bis 2017 hatte sich diese Zahl auf 248 reduziert.

Die Lebenserwartung ist von 49 Jahren (2000) auf 69 Jahre (2019) gestiegen. 

Stand: 23.02.2022