Afrikanische Affenbrotbäume (Baobabs) in Madagaskar

Madagaskar Naturparadies in schwieriger Lage

Madagaskar ist der größte Insel­staat Afrikas und die viert­größte Insel der Welt. Auf­grund ihrer isolierten Lage im Indischen Ozean konnte sich auf der Insel eine besonders viel­fältige Pflanzen- und Tier­welt ent­wickeln. Das Land ist zudem reich an Ressourcen und frucht­baren Böden und hat großes Poten­zial für die Gewinnung erneuer­barer Energien.

Doch die Be­völ­ke­rung Mada­gas­kars sieht sich mit massiven Heraus­forde­rungen kon­fron­tiert. Jahr­zehnte­lange wirt­schaft­liche Probleme, Mängel in der Regie­rungs­führung und eine weit verbreitete Korrup­tion haben zu einer teils kata­stro­phalen Lage geführt. Der Staat gehört heute zu den am wenigsten ent­wickelten Ländern der Welt, mehr als drei Viertel der Be­völ­ke­rung leben in extremer Armut. 

Das Natur­paradies ist durch mensch­liche Eingriffe bereits zu großen Teilen zerstört. War die Insel ursprüng­lich fast komplett bewaldet, ist inzwischen nur noch ein Bruch­teil des Regen­walds erhalten. 

Das Land ist zudem besonders anfällig gegen­über Natur­kata­stro­phen wie Wirbel­stürmen, Über­schwem­mungen und Dürren. Sie führen häufig zu Ernte­ausfällen und erheb­lichen Schäden an der Infra­struktur und bedrohen damit die Existenz­grund­lagen der Bevölke­rung.

Hungerkrise im Süden

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Wassereimer und -kanister bilden an einer öfffentlichen Wasserstelle in Antananarivo, der Hauptstadt Madagaskars, eine Warteschlange.

Der Süden Mada­gas­kars befindet sich der­zeit in einer schweren Hunger­krise – der ersten welt­weit, die laut den Ver­einten Nationen ein­deutig auf den Klima­wandel zu­rück­zu­führen ist. Die schlimmste Dürre seit 40 Jahren führt zu Ernte­aus­fällen, Staub­stürmen und Ver­sandung. Die Region ist die ärmste und am wenigsten entwickelte des Landes. Die Folgen der Corona-Pan­de­mie ver­schärfen die Lage zusätz­lich, da die Nahrungs­mittel­preise stark gestiegen sind und sich gleich­zeitig die Beschäf­ti­gungs­mög­lich­keiten deut­lich ver­schlech­tert haben. Hinzu kommt der Aus­bruch einer Heu­schrecken­plage. 

Nach Angaben des Welt­ernäh­rungs­pro­gramms (WFP (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen)) sind Ende 2021 etwa 1,31 Millionen Menschen in Mada­gas­kar von Nah­rungs­mittel­unsicher­heit und Mangel­ernäh­rung betroffen und auf huma­ni­täre Hilfe an­ge­wiesen. Etwa 28.000 befinden sich in akuter Hungers­not.


David Beasley, Exekutivdirektor des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen
Familien leiden und Menschen sterben bereits an Hunger. Das ist nicht auf Krieg oder Konflikte zurückzuführen, sondern auf den Klimawandel. Dies ist eine Region der Welt, die nichts zum Klimawandel beigetragen hat, aber jetzt sind sie diejenigen, die den höchsten Preis zahlen.
David Beasley, Exekutivdirektor des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen
Madagaskar: Ein Lemur (Halbaffe) mit einem Jungen
Madagaskar: Ein Lemur (Halbaffe) mit einem Jungen

Trotz der massiven Heraus­forderungen, vor denen Madagaskar steht, hat das Land gute Voraus­setzungen für eine nachhaltige Entwicklung.

Diese können sich aller­dings nur auf Grund­lage einer stabilen politischen Lage und unter Wahrung der Menschen­rechte entfalten.

Deutsche Ent­wick­lungs­zusammen­arbeit mit Mada­gaskar

Standbild aus dem Video "Nachhaltiger Vanilleanbau in Madagaskar"
Video: Nachhaltiger Vanilleanbau in Madagaskar

Deutschland unter­stützt die Anstren­gun­gen der Bevölke­rung Mada­gas­kars, vorhandene Entwick­lungs­poten­ziale zu nutzen. Die Ent­wick­lungs­zusammen­arbeit mit Mada­gas­kar begann 1962. Als Reaktion auf einen Putsch im Jahr 2009 stellte Deutsch­land – so wie die Euro­päische Union und alle EU-Mitglieds­staaten – die Ko­ope­ra­tion auf Regie­rungs­ebene ein. Das deutsche Engage­ment beschränkte sich danach auf Projekte, die der Bevöl­ke­rung unmittel­bar zugute­kamen. 

Nach der Rück­kehr zu demo­kra­tischen Ver­hält­nissen hob die EU die Be­schrän­kungen 2014 auf. Deutsch­land nahm daraufhin die bilaterale Ent­wick­lungs­zusammen­arbeit wieder auf. 2020 sagte Deutsch­land dem Partner­land Mittel in Höhe von rund 48 Millionen Euro zu. Im Dezember 2021 sind die ersten bilateralen Regie­rungs­ver­hand­lungen seit 2007 geplant.

In Reaktion auf die aktuelle Hunger­krise hat das Aus­wärtige Amt Mittel der humanitären Hilfe (Externer Link) bereit­gestellt. Das Bundes­ministerium für wirt­schaft­liche Zusammen­arbeit und Ent­wick­lung (BMZ) hat sein Engage­ment im Süden aus­geweitet, um die Resilienz (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) der betroffenen Gemeinden zu stärken und an den struk­turellen Ursachen der Krise anzusetzen.

Das BMZ hat dazu drei Millionen Euro für die Arbeit des Welt­ernährungs­programms in Mada­gas­kar bereit­gestellt. Mit den Mitteln sollen unter anderem Schul­speisungen für mehr als 120.000 Grund­schul­kinder finanziert werden. Außerdem wurden zusätzliche 5,8 Millionen Euro für ein Vor­haben zur Anpassung land­wirt­schaft­licher Wertschöpfungsketten (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) an den Klima­wandel bereit­gestellt. Unter anderem wird ein Hilfs­fonds für Ernte­ausfälle unter­stützt und es werden neue Ein­kommens­perspek­tiven geschaffen.

Kernthemen der Zusammenarbeit

Die deutsche Ent­wick­lungs­zusammen­arbeit mit Mada­gas­kar konzen­triert sich auf folgende Kern­themen: 

  • Schutz unserer Lebensgrundlagen – Umwelt und natürliche Ressourcen
    Aktionsfelder: Biodiversität und Waldschutz
  • Eine Welt ohne Hunger
    Aktionsfelder: Ernährungssicherheit und Landwirtschaft
  • Verantwortung für unseren Planeten – Klima und Energie
    Aktionsfeld: Erneuerbare Energie und Energieeffizienz

Darüber hinaus unter­stützt das BMZ den Bereich Gute Regierungsführung (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen). Unter anderem werden Vorhaben zur armuts­orientierten Kommunal­entwick­lung gefördert, die auf eine stärkere Dezen­tra­li­sie­rung, die Erhöhung der kommu­nalen Eigen­einnahmen, den Ausbau der lokalen Infra­struktur und die Korrup­tions­bekämpfung abzielen.

Bäuerinnen und Bauern bei der Reisernte

Kernthema Schutz unserer Lebensgrundlagen Natur schützen, Arten­vielfalt erhalten, lokalen Wohl­stand sichern Interner Link

Ein Haupt­anliegen der deutschen Ent­wick­lungs­zu­sam­men­arbeit mit Mada­gas­kar ist der Um­welt­schutz. Die Natur der Insel ist von einer einzig­artigen bio­lo­gischen Viel­falt ge­prägt. Zahl­reiche der dort heimischen Tier- und Pflanzen­arten kommen nirgend­wo sonst auf der Welt vor.

Die Bäuerin Madame Filao begutachtet ihre Rizinuspflanzen.

Kernthema Eine Welt ohne Hunger Förderung von land­wirt­schaft­lichen Wert­schöp­fungs­ketten  Interner Link

Obwohl Madagaskar selbst fast gar nichts zum men­schen­ge­machten Klima­wandel bei­trägt, gehört die Insel zu den am stärksten davon be­troffenen Ländern. Extreme Wetter­er­eig­nisse nehmen zu, Zyklone und Dürren führen regel­mäßig zu Ernte­aus­fällen und er­heb­lichen Zer­störungen. 

Mobile Solarmodule in Madagaskar

Kernthema Verantwortung für unseren Planeten Strom für die ländliche Bevölkerung Interner Link

Nur sechs Prozent der länd­lichen Bevölkerung Mada­gas­kars haben Zu­gang zu Elek­tri­zi­tät. Um ihren Ener­gie­be­darf zu decken, ver­wenden die meisten Haus­halte Brenn­holz, Petro­leum­lampen, Kerzen, Kohle oder Diesel­ge­ne­ra­toren.

Aktuelle Situation

Politische Situation
Polizist in Moramanga, Madagaskar

Turbulente Jahre mit nur langsamen Veränderungen  Interner Link

2009 stürzte ein Putsch Mada­gas­kar in eine schwere Krise. Politisch, wirt­schaft­lich und auch ent­wick­lungs­politisch war der Insel­staat gelähmt – mit teils drama­tischen Folgen für die Bevölkerung.

Soziale Situation
In Ambovombe, Madagaskar, bestimmt ein Mitarbeiter des Welternährungsprogramms mit einem speziellen Maßband den Grad der Mangelernährung des vierjährigen Retoboha.

Mehr als drei Viertel der Bevölkerung extrem arm Interner Link

Madagaskar zählt zu den am wenigsten entwickelten Ländern der Welt. Im Index der menschlichen Entwicklung (HDI) nimmt es den 164. Platz von 189 Staaten ein. 

Wirtschaftliche Situation
Ein Überlandbus in Madagaskar

Hoffnung auf Stabilisierung Interner Link

Als Madagaskar 1960 seine Un­abhängig­keit von der Kolonial­macht Frank­reich erlangte, zählte der Insel­staat zu den Ländern mit mittlerem Einkommen. Ab 1972 richtete sich das Land sozia­lis­tisch aus, große Unter­nehmen wurden ver­staat­licht.

Entwicklungspotenziale
Madagaskar: Ein Lemur (Halbaffe) mit einem Jungen

Ressourcenreichtum, Artenvielfalt und eine junge Bevölkerung Interner Link

Trotz der massiven Herausforderungen, vor denen das Land steht, hat Madagaskar durchaus gute Voraussetzungen für eine nachhaltige Entwicklung.