Afrikanische Affenbrotbäume (Baobabs) in Madagaskar

Madagaskar Naturparadies in schwieriger Lage

Madagaskar ist der größte Inselstaat Afrikas und die viertgrößte Insel der Welt. Aufgrund ihrer isolierten Lage im Indischen Ozean konnte sich auf der Insel eine besonders vielfältige Pflanzen- und Tierwelt entwickeln. Zahlreiche Arten sind endemisch, kommen also nur auf Madagaskar vor – und viele sind noch unentdeckt. Doch das Naturparadies ist durch menschliche Eingriffe bereits zu großen Teilen zerstört. War die Insel ursprünglich fast komplett bewaldet, ist inzwischen nur noch ein Bruchteil des Regenwalds erhalten.

Jahrzehntelange Misswirtschaft und schlechte Regierungsführung haben Madagaskar an den Rand des Ruins getrieben. Der Staat gehört heute zu den am wenigsten entwickelten Ländern der Welt. Mit umgerechnet rund 500 US-Dollar im Jahr liegt das jährliche Brutto­na­tional­ein­kommen pro Kopf weit unter dem Durchschnitt der anderen afrikanischen Staaten südlich der Sahara. Mehr als drei Viertel der Bevölkerung leben in extremer Armut.

Verschärft wird die Lage durch die Auswirkungen des Klimawandels. Immer wieder ziehen zerstörerische Zyklone über das Land, die regelmäßig viele Menschenleben fordern und immense Schäden verursachen. Durch das Klimaphänomen El Niño werden die wiederkehrenden Dürrephasen noch intensiviert. Regelmäßig kommt es zu Ernteausfällen, vor allem im Süden der Insel. Im Frühjahr 2017 war die Lebensmittelversorgung von 1,4 Millionen Menschen bedroht.

Putsch und Rückkehr zur Demokratie

2009 stürzte ein Putsch Madagaskar in eine schwere politische Krise. Mehr als vier Jahre lang war das Land international isoliert, unter anderem ruhte die Mitgliedschaft in der Afrikanischen Union und in der Entwicklungsgemeinschaft des südlichen Afrikas (SADC). Politisch, wirtschaftlich, sozial und auch entwicklungspolitisch war der Inselstaat gelähmt – mit teils dramatischen Folgen für die Bevölkerung.

2013 gelang es Madagaskar mit Hilfe internationaler Vermittler, auf einen demokratischen Kurs zurückzukehren. Mit Unterstützung der Vereinten Nationen wurden Präsidentschafts- und Parlamentswahlen abgehalten. Der seit Januar 2014 amtierende Präsident Hery Rajaonarimampianina hat wiederholt seinen Reformwillen bekundet, der Prozess gerät jedoch immer wieder ins Stocken.

Auf einer internationalen Geberkonferenz in Paris im Dezember 2016 wurde dem Land Unterstützung in Höhe von 6,4 Milliarden US-Dollar für die Jahre 2017 bis 2020 zugesagt.

Entwicklungszusammenarbeit

Die Bundesrepublik Deutschland hatte – so wie die Europäische Union und alle EU-Mitgliedsstaaten – nach dem Putsch im März 2009 die Entwicklungszusammenarbeit mit Madagaskar auf Regierungsebene eingestellt. Bis zur Rückkehr zu demokratischen Verhältnissen beschränkte sich die Kooperation auf die Fortsetzung regierungsferner Projekte, die die Bevölkerung möglichst direkt unterstützten.

Nach den Wahlen hob die EU Anfang 2014 die Beschränkungen wieder auf und machte den Weg frei für eine Zusammenarbeit mit der neuen Regierung. Auch Deutschland hat daraufhin die bilaterale Entwicklungszusammenarbeit wieder aufgenommen und ausgebaut.

Der Schwerpunkt der Kooperation liegt im Umwelt- und Ressourcenschutz. Wichtige Arbeitsfelder sind die Nutzung erneuerbarer Energien sowie die landwirtschaftliche Entwicklung und die Anpassung an den Klimawandel. Hinzu kommt das Engagement im Rahmen der Sonderinitiative "EINEWELT ohne Hunger".

Polizist in Moramanga, Madagaskar

Wenig Spielraum für dringend erforderliche Maßnahmen Interner Link

Die ohnehin schwierige Situation in Madagaskar hat sich nach dem Putsch im Jahr 2009 und der daraus folgenden Unterbrechung der Unterstützung durch die Gebergemeinschaft noch einmal deutlich verschlechtert.

Wassereimer und -kanister bilden an einer öfffentlichen Wasserstelle in Antananarivo, der Hauptstadt Madagaskars, eine Warteschlange.

Mehr als drei Viertel der Bevölkerung extrem arm Interner Link

Madagaskar zählt zu den am wenigsten entwickelten Ländern der Welt. Im aktuellen Index der menschlichen Entwicklung (HDI) nimmt es den 162. Platz von 189 Staaten ein.

Ein Überlandbus in Madagaskar

Hoffnung auf Stabilisierung Interner Link

Als Madagaskar 1960 seine Unabhängigkeit von der Kolonialmacht Frankreich erlangte, zählte der Inselstaat zu den Ländern mit mittlerem Einkommen. Ab 1972 richtete sich das Land sozialistisch aus, große Unternehmen wurden verstaatlicht.

Madagaskar: Ein Lemur (Halbaffe) mit einem Jungen

Herausforderung Naturschutz Interner Link

Eine der größten Herausforderungen des Landes ist der Umweltschutz. Madagaskars Natur ist von einer einzigartigen biologischen Vielfalt geprägt.

Ent­wick­lungs­po­ten­zia­le

Die Schönheit und Vielfalt der Natur zählt zu den großen Schätzen Madagaskars. Der Tourismus ist bereits heute ein wichtiger Wirtschaftsfaktor und kann – auf nachhaltiger Basis – weiter ausgebaut werden. Vor allem der Ökotourismus bietet der Bevölkerung neue Einkommenschancen. Zugleich ergeben sich Chancen durch die Erforschung und Nutzung von Arznei- und Heilpflanzen. Voraussetzung ist jedoch der Erhalt und nachhaltige Schutz des verbliebenen Regenwalds.

Zu den Wachstumsmotoren gehört außerdem der Bergbau. Madagaskar ist reich an Titan, Nickel, Bauxit und Graphit. Diese Entwicklungspotenziale können sich allerdings nur auf Grundlage einer stabilen politischen Lage entfalten. Korruption und Umweltschäden sind heute häufige Folge des Rohstoffabbaus.

Standbild aus dem Video "Nachhaltiger Vanilleanbau in Madagaskar"
Video: Nachhaltiger Vanilleanbau in Madagaskar


Deutsche Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit mit Madagaskar

Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit mit Madagaskar begann 1962. Die Bundesrepublik Deutschland stellte – so wie die Europäische Union und alle EU-Mitgliedsstaaten – nach dem Putsch im März 2009 die Entwicklungszusammenarbeit mit Madagaskar auf Regierungsebene ein.

Nach den Wahlen hob die EU Anfang 2014 die Beschränkungen wieder auf. Deutschland hat daraufhin die bilaterale Entwicklungszusammenarbeit wieder aufgenommen und ausgebaut. Im Dezember 2016 wurden erstmals seit 2008 wieder formelle Regierungsgespräche geführt. Dabei sagte Deutschland dem Partnerland Mittel in Höhe von 59,6 Millionen Euro zu.

Die Zusammenarbeit konzentriert sich auf den Schutz der biologischen Vielfalt und die nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen. Kooperiert wird in den Bereichen Umwelt- und Ressourcenschutz, erneuerbare Energie und Landwirtschaft. Angesichts der dramatischen Armut wurde außerdem ein Programm zur armutsorientierten Kommunalentwicklung und Dezentralisierung aufgelegt.

Über die Sonderinitiative EINEWELT ohne Hunger unterstützt das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) Vorhaben zu den Themen nachhaltige Fischerei und Aquakultur sowie Landpolitik. Auch Entwicklungspartnerschaften und strategische Allianzen mit der Wirtschaft, etwa zur Unterstützung von Vanille- oder Obst-Kleinbauern, werden gefördert.

Bäuerinnen und Bauern bei der Reisernte

Schutz und nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen Interner Link

Die Bevölkerung Madagaskars (derzeit knapp 25 Millionen Einwohner) wird sich voraussichtlich innerhalb von 30 Jahren verdoppeln. Dies bedeutet steigenden Druck auf die natürlichen Ressourcen und große Herausforderungen für die Ernährungssicherung der Bevölkerung sowie die soziale und wirtschaftliche Entwicklung des Landes.

Mobile Solarmodule in Madagaskar

Strom für drei Viertel der Bevölkerung Interner Link

Die im Jahr 2015 verabschiedete neue Energiepolitik Madagaskars sieht vor, bis 2030 knapp drei Viertel der Bevölkerung mit Strom zu versorgen. Der Anteil an erneuerbaren Energien soll bei 85 Prozent liegen. Potenziale liegen vor allem in der Nutzung von Wasserkraft, Biomasse sowie Solar- und Windenergie.

Die Bäuerin Madame Filao begutachtet ihre Rizinuspflanzen.

Anpassung an den Klimawandel Interner Link

2016 vereinbarten Deutschland und Madagaskar eine Zusammenarbeit im Bereich ländliche Entwicklung. Dabei geht es insbesondere um die Anpassung ausgewählter landwirtschaftlicher Wertschöpfungsketten an den Klimawandel.

Zebu-Markt in Ambalavao

Kommunen stärken Interner Link

Das BMZ unterstützt die madagassische Regierung bei der Dezentralisierung. Ziel ist, die Rahmenbedingungen für die kommunale Selbstverwaltung zu verbessern, eine ausreichende finanzielle Ausstattung der Gemeinden sicherzustellen und die Reichweite und Qualität von kommunalen Dienstleistungen zu verbessern.