Politische Situation Turbulente Jahre mit nur langsamen Veränderungen 

2009 stürzte ein Putsch Mada­gas­kar in eine schwere politische Krise. Mehr als vier Jahre lang war das Land inter­natio­nal isoliert, unter anderem ruhte die Mit­glied­schaft in der Afrika­nischen Union und in der Ent­wick­lungs­gemein­schaft des süd­lichen Afrikas (SADC). Politisch, wirt­schaft­lich und auch ent­wick­lungs­politisch war der Insel­staat gelähmt – mit teils drama­tischen Folgen für die Bevölkerung.

Polizist in Moramanga, Madagaskar

Polizist in Moramanga, Madagaskar

Polizist in Moramanga, Madagaskar

2013 gelang es Madagaskar unter inter­natio­naler Ver­mitt­lung, auf einen demo­kra­tischen Kurs zurück­zukehren. Mit Unter­stützung der Vereinten Nationen wurden Präsi­dent­schafts- und Parla­ments­wahlen abgehalten. 2018 erfolgte in inter­national anerkannten Wahlen ein fried­licher Macht­wechsel. Staats­präsi­dent Andry Rajoelina hat ehr­geizige Reform- und Ent­wick­lungs­pläne vor­gelegt. Deren Umsetzung verläuft aber bislang sehr schleppend.

Staat kann Grundfunktionen kaum erfüllen

Die Umsetzung der Ent­wick­lungs­pläne scheitert unter anderem an der desolaten Finanz­ausstattung des Staates. Angesichts einer Steuer­quote von 10,5 Prozent (2019) reichen die Eigen­einnahmen nicht aus, um dringend not­wendige Investi­tionen in die marode Infra­struktur sowie ins Bildungs- und Gesund­heits­wesen vorzu­nehmen. Das staat­liche Gewalt­monopol ist in Teilen des Landes nicht gewähr­leistet. Der Staat kann in vielen Bereichen seine Grund­funktion gegen­über der Bevölkerung kaum erfüllen.

Verbesserungs­bedarf besteht in den Bereichen gute Regie­rungs­führung und Rechts­staat­lich­keit. Als besonders entwicklungs­hemmend wirkt sich die weit verbreitete Korruption aus. Auf dem Korruptions­wahr­nehmungs­index (Externer Link) der Nichtregierungsorganisation (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) Transparency Inter­national stand Mada­gas­kar 2020 auf Platz 149 von 180 aus­gewerteten Staaten. Eine kleine politische und wirt­schaft­liche Elite profitiert von den reichen Natur­schätzen des Landes und blockiert vielfach grund­legende Reformen.

Die Zivilgesellschaft (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) ist in Mada­gas­kar noch nicht besonders stark aus­gebildet. Den Men­schen ist es kaum möglich, das Re­gie­rungs­handeln kri­tisch zu be­gleiten und zu kon­trol­lieren und eigene An­liegen in den poli­tischen Prozess ein­zu­bringen. Ins­ge­samt ist das Ver­trauen der Bürge­rinnen und Bürger in den Staat gering. Vor allem die Per­spek­tiv­losig­keit der jungen Be­völ­ke­rung (40 Prozent sind unter 15 Jahre alt) führt zu Un­mut und stellt eine besondere Heraus­forderung dar.