Symbolbild: Familie mit Eltern und zwei Kindern aus Papier

Sexuelle und reproduktive Gesundheit und Rechte

Sexualität und sexuelle Erfahrungen gehören zum Leben eines jeden Menschen. Sich im Bereich der Sexualität und Familienplanung frei und ohne Zwang entfalten zu können, ist ein wichtiges Menschenrecht. Jede und jeder sollte selbstbestimmt darüber entscheiden können, ob und mit wem sie oder er sexuelle Beziehungen haben möchte, unabhängig von sexueller Orientierung und Identität.

Titelblatt: Sexuelle und reproduktive Gesundheit und Rechte stärken

Sexuelle und reproduktive Gesundheit und Rechte stärken

Die BMZ-Initiative „Selbstbestimmte Familienplanung und Müttergesundheit“

Dateityp PDF | Sachstandsdatum 06/2022 | Dateigröße 6 MB, Seiten 51 Seiten | Zugänglichkeit barrierefrei

Zu diesem Menschenrecht (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) gehört auch, ein gesundes und befriedigendes Sexualleben führen zu können und dabei vor Diskriminierung, Missbrauch und sexuell übertragbaren Krankheiten geschützt zu sein. Alle Menschen haben zudem das Recht, frei zu bestimmen, ob, wann und mit wem sie Kinder haben wollen.

Voraussetzung dafür ist der Zugang zu Beratung und die Verfügbarkeit von modernen Verhütungsmethoden sowie weiteren Gesundheitsdiensten, die eine umfassende und professionelle Betreuung während Schwangerschaften und rund um die Geburt ermöglichen.


Hintergrund Rechte für viele Menschen noch nicht gegeben

Demonstration einer Geburt auf der Geburtsstation des Nkhoma-Krankenhauses in Malawi, wo im sogenannten Skills Lab Hebammen und Geburtshelfer weitergebildet werden.

Demonstration einer Geburt auf der Geburtsstation des Nkhoma-Krankenhauses in Malawi, wo im sogenannten Skills Lab Hebammen und Geburtshelfer weitergebildet werden.

Demonstration einer Geburt auf der Geburtsstation des Nkhoma-Krankenhauses in Malawi, wo im sogenannten Skills Lab Hebammen und Geburtshelfer weitergebildet werden.

Die Menschenrechte im Bereich der Sexualität und Familienplanung sind bei weitem nicht für alle Menschen gesichert:

  • Täglich sterben nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) mehr als 800 Frauen an Komplikationen während der Schwangerschaft und Geburt. Das sind fast 300.000 pro Jahr – über 90 Prozent dieser Todesfälle ereignen sich in Entwicklungsländern.
  • Viele Schwangerschaften in Entwicklungsländern sind unbeabsichtigt. Insgesamt können dort schätzungsweise 218 Millionen Frauen ihren Bedarf an modernen Mitteln zur Familienplanung nicht decken.
  • Sechs von zehn ungeplanten Schwangerschaften werden abgebrochen – davon fast die Hälfte unter gefährlichen Bedingungen. Ein maßgeblicher Anteil der Müttersterblichkeitsfälle steht im Zusammenhang mit nicht fachgerecht durchgeführten Schwangerschaftsabbrüchen.
  • Die Weltgesundheitsorganisation schätzt, dass mehr als 200 Millionen Mädchen und Frauen in Asien, dem Mittleren Osten und Afrika von einer Genitalverstümmelung betroffen sind.
  • Viele Mädchen und Frauen erleiden sexualisierte oder physische Gewalt – Schätzungen der WHO deuten darauf hin, dass weltweit mehr als ein Drittel aller Frauen im Laufe ihres Lebens Erfahrungen damit machen.
  • In 69 Ländern sind gleichgeschlechtliche Partnerschaften unter Strafe gestellt. In elf dieser Länder kann sogar die Todesstrafe verhängt werden.
  • Weltweit heiraten jedes Jahr rund 12 Millionen Mädchen unter 18 Jahren. In 93 Ländern sind Kinderehen legal. In 43 Ländern sind Kinderehen mit Einwilligung der Eltern legal und in vielen weiteren werden sie akzeptiert.
  • 2021 infizierten sich etwa 1,5 Millionen Menschen neu mit HIV (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen). Besonders betroffen sind junge Frauen, Männer, die Sex mit Männern haben, Menschen, die Drogen nehmen, Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter und deren Klienten, Menschen in Gefängnissen und Personen mit Transgeschlechtlichkeit.
  • In vielen Ländern ist der Zugang zu Impfstoffen, die gegen sexuell übertragbare Infektionen mit den krebsauslösenden Humanen Papillomviren (HPV) oder Hepatitis-B-Viren schützen können, stark eingeschränkt.

Deutschland setzt sich für Selbstbestimmung und das Recht jedes Menschen auf sexuelle und reproduktive Gesundheit ein. Richtungsweisend für die deutsche Entwicklungszusammenarbeit sind das Aktionsprogramm der Kairoer Weltkonferenz von 1994 (Externer Link) sowie die Ergebnisse des Guttmacher-Lancet Berichtes (Externer Link) (beides englisch).

In Kairo entschied sich die Staatengemeinschaft, von einem überwiegend bevölkerungspolitischen Ansatz überzugehen auf einen Ansatz, der sich am einzelnen Menschen und seinen Rechten orientiert.

Verkauf von Kondomen an einem Kiosk in Bujumbura, Burundi

Verkauf von Kondomen an einem Kiosk in Bujumbura, Burundi

Verkauf von Kondomen an einem Kiosk in Bujumbura, Burundi

Der Schutz dieser Rechte ist nicht nur wichtig für jede Einzelne und jeden Einzelnen. Er hat auch positive Wirkungen auf ganze Gesellschaften. So trägt umfassende Sexualaufklärung und der Zugang zu selbstbestimmter Familienplanung in der Regel auch zu geringeren Geburtenraten bei. Für viele Entwicklungsländer ist es eine große Herausforderung, ihrer wachsenden Bevölkerung gute Lebensbedingungen zu ermöglichen. Ein langsameres Bevölkerungswachstum kann für die Menschen in diesen Ländern die Chance auf eine bessere Zukunft erhöhen.

Gleichzeitig stellen junge Menschen eine große Ressource für die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung dar. Gezielte Investitionen in Gesundheit, Bildung und Beschäftigung sowie Rechtssicherheit für junge Frauen und Männer ermöglichen eine nachhaltige Bevölkerungsentwicklung und die Chance für beschleunigtes wirtschaftliches Wachstum.

Internationale Zusammenarbeit Weltweit für sexuelle und reproduktive Gesundheit und Rechte

Warnschild gegen HIV/Aids auf dem Schulhof einer staatlichen Mädchenschule in Abeokuta, Nigeria

Warnschild gegen HIV/Aids auf dem Schulhof einer staatlichen Mädchenschule in Abeokuta, Nigeria

Warnschild gegen HIV/Aids auf dem Schulhof einer staatlichen Mädchenschule in Abeokuta, Nigeria

Gemeinsam mit ihren Partnern hat sich die Bundesregierung intensiv dafür eingesetzt, dass die Stärkung der sexuellen und reproduktiven Gesundheit und der entsprechenden Rechte in den 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung der Agenda 2030 verankert wird (Sustainable Development Goals, SDGs). Dies ist in großen Teilen gelungen: Die Thematik wurde in SDG 3 (Gesundheit und Wohlergehen) und in SDG 5 (Geschlechtergleichheit) aufgenommen.

Ein wichtiger Schwerpunkt des Entwicklungsziels 3 zu Gesundheit liegt darauf, die Zahl der Todesfälle von Schwangeren, Müttern, Neugeborenen und Kindern weiter zu vermindern. Auch die Beendigung der HIV-Epidemie ist Teil des dritten Entwicklungsziels.

Das SDG 5 enthält ambitionierte Unterziele zur Gleichstellung von Frauen und Mädchen und zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen. Dazu gehört, dass Praktiken wie die weibliche Genitalverstümmelung oder Kinderheirat beendet werden.

Die Bundesregierung setzt sich zusätzlich auch für Aspekte der sexuellen und reproduktiven Gesundheit ein, die nicht in die Ziele für nachhaltige Entwicklung aufgenommen wurden. Dazu gehören der Zugang von Jugendlichen zu umfassender Sexualaufklärung und die Beendigung jeglicher Diskriminierung wegen der persönlichen sexuellen Orientierung.

Weltweite Kooperation

Deutschland engagiert sich auf internationaler Ebene in verschiedenen Foren und Partnerschaften. Dazu gehören zum Beispiel die Partnerschaft für die Gesundheit von Müttern, Neugeborenen und Kindern (Externer Link) (Partnership for Maternal, Newborn and Child Health, PMNCH), die Initiative „Family Planning 2030 (Externer Link)“ und die „Every Woman Every Child“-Kampagne (Externer Link) des UN-Generalsekretärs.

Große Fortschritte und vielversprechende Ansätze

Eine Frau wird in einer Gesundheitsstation in Bujumbura, Burundi, zur Verwendung von Verhütungsmitteln beraten.

Eine Frau wird in einer Gesundheitsstation in Bujumbura, Burundi, zur Verwendung von Verhütungsmitteln beraten.

Eine Frau wird in einer Gesundheitsstation in Bujumbura, Burundi, zur Verwendung von Verhütungsmitteln beraten.

Obwohl noch zahlreiche Herausforderungen bestehen, wurden in vielen Bereichen der sexuellen und reproduktiven Gesundheit große Fortschritte erreicht.

Einige Beispiele:

  • Die Zahl der Todesfälle von Müttern in Zusammenhang mit Schwangerschaft und Geburt ist zwischen 2000 und 2017 um 38 Prozent gesunken. Dies wurde vor allem durch Verbesserungen beim Zugang zu Gesundheitsdiensten und zu professioneller Geburtsbegleitung erreicht.
  • Immer mehr Menschen erhalten Zugang zu Informationen über Methoden der Familienplanung und zu umfassender Sexualaufklärung. Zum Beispiel ist die Zahl der Nutzerinnen moderner Familienplanungsmethoden in den 82 Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen, die im Fokus der Anstrengungen von „Family Planning 2030“ stehen, seit 2012 um 69,5 Millionen gestiegen (Stand: September 2022).
  • Durch die Kombination von verschiedenen Präventionsmethoden und durch eine Ausweitung der antiretroviralen Therapie von Infizierten wurde die Zahl der Neuinfektionen mit HIV und die Zahl der Todesfälle durch Aids stark verringert.

Das Zusammenspiel verschiedener Faktoren hat die Fortschritte im Bereich der sexuellen und reproduktiven Gesundheit möglich gemacht. Dazu gehören die Entwicklung von neuen oder wirksameren Medikamenten und Methoden zur Prävention, Diagnostik oder Behandlung, sowie ihre Verbreitung, genauso wie die Ausbildung von Fachkräften und andere Maßnahmen zur Stärkung von Gesundheitssystemen.

Wichtig ist auch eine gute und engagierte Regierungsführung, die Korruption und Ineffizienz minimiert, Bürger und Patienten beteiligt und die richtigen Ziele formuliert und konsequent verfolgt. Dabei dürfen sich die Bemühungen nicht auf den Gesundheitssektor beschränken, sondern müssen auch andere Bereiche einschließen. So hat insbesondere der Zugang von Mädchen zu Bildung vielfältige positive Wirkungen auf ihre sexuelle und reproduktive Gesundheit und stärkt gleichzeitig ihre Rechte und Teilhabe.

Das tut Deutschland Umfassendes Engagement für Selbstbestimmung und Gesundheit

Traditioneller Tanz einer Frau und eines Mannes in der Versammlungshalle im Dorf Merasa auf Borneo, Indonesien

Traditioneller Tanz einer Frau und eines Mannes in der Versammlungshalle im Dorf Merasa auf Borneo, Indonesien

Traditioneller Tanz einer Frau und eines Mannes in der Versammlungshalle im Dorf Merasa auf Borneo, Indonesien

Online-Kurs Population dynamics – an introduction Externer Link

Die GIZ hat gemeinsam mit dem Weltbevölkerungsfonds (UNFPA) einen E-Learning-Kurs zum Thema Bevölkerungsdynamik und nachhaltige Entwicklung entwickelt, der auf der Plattform „atingi“ in englischer Sprache angeboten wird.

Die Förderung der sexuellen und reproduktiven Gesundheit, der Schutz entsprechender Rechte sowie der Zugang zu Informationen und Diensten der selbstbestimmten Familienplanung sind wichtige Ziele der deutschen Entwicklungszusammenarbeit.

Dafür stellt das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) im Rahmen der bilateralen Zusammenarbeit mit Partnerländern jährlich 100 Millionen Euro über die Initiative „Selbstbestimmte Familienplanung und Müttergesundheit“ bereit. Zwischen 2011 und 2021 wurden so mehr als 1,2 Milliarden Euro zugesagt, vor allem für Maßnahmen zur Vermeidung unbeabsichtigter Schwangerschaften und zur Förderung sicherer Schwangerschaften und Geburten.

Zurzeit werden im Rahmen der Initiative mehr als 20 Partnerländer in Afrika und Asien über bilaterale Vorhaben unterstützt. Weitere Länder werden durch Regionalvorhaben und die Arbeit von kirchlichen und anderen Nichtregierungsorganisationen erreicht. Beispielsweise erhielten dank der Initiative bis 2020 rund 37 Millionen Paare Zugang zu modernen Verhütungsmitteln und konnten so unbeabsichtigte Schwangerschaften verhindern. Die Initiative wurde bis mindestens 2023 verlängert.

Das BMZ unterstützt auch wichtige internationale Partner in diesem Bereich. Dazu zählt die Internationale Föderation für Familienplanung (Externer Link) (International Planned Parenthood Federation, IPPF). Die Mitgliedsorganisationen dieses Dachverbands ermöglichen Menschen in 170 Ländern direkten Zugang zu Methoden der Familienplanung und zu Gesundheitsdiensten. Die IPPF ist international eine wichtige Stimme für das Recht auf sexuelle und reproduktive Gesundheit.

Das BMZ unterstützt auch die Arbeit des Weltbevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (Externer Link) (UNFPA) durch finanzielle Beiträge. 2022 erhielt der UNFPA rund 60 Millionen Euro.

Deutschland ist außerdem ein wichtiger Geber für große Gesundheitsfonds, etwa die Impfallianz GAVI (Externer Link)oder den Globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria (Externer Link). Zwischen 2002 und 2022 hat Deutschland etwa 5,1 Milliarden US-Dollar eingezahlt und ist damit viertgrößter staatlicher Geber des Globalen Fonds. Das Engagement der Impfallianz GAVI zu Grundimmunisierung und Gesundheitssystemstärkung hat Deutschland seit 2006 mit mehr als 1,36 Milliarden Euro unterstützt und ist dort somit viertgrößter staatlicher Geber.

Für die Förderung der Kinder- und Müttergesundheit stellt Deutschland jährlich insgesamt mindestens 380 Millionen Euro bereit.

Stand: 11.10.2022