Patientenzimmer in einem Krankenhaus des Roten Kreuzes in Bangui, Zentralafrikanische Republik

Starke Gesundheits­systeme – Basis für eine gute Gesund­heits­versorgung

Das Gesundheitssystem eines Landes soll sicherstellen, dass die gesamte Bevölkerung so gut wie möglich vor Gesundheitsgefahren geschützt ist und im Krankheitsfall gut versorgt wird.

Zu früh geborenes Kind in einer Neugeborenenstation im Nyangya General Hospital in Nigeria

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) beschreibt sechs Bausteine, die ein Gesundheitssystem ausmachen: Gesundheitsdienste, Gesundheitsfachkräfte, Gesundheitsfinanzierung, Gesundheitsinformationssysteme, Governance (Regierungsführung) und Medizinprodukte (etwa Impfstoffe, Diagnostika, Medikamente, medizinische Hilfsmittel).

Leistungsfähige Gesundheitssysteme sind Voraussetzung dafür, dass das Menschenrecht auf den „höchsten erreichbaren Stand an körperlicher und geistiger Gesundheit“ realisiert wird, so, wie es von den Vereinten Nationen im Sozialpakt (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) von 1966 formuliert wurde. Starke Gesundheitssysteme sind auch wichtig für die wirtschaftliche und soziale Entwicklung einer Gesellschaft und für die Gesundheitssicherheit. Sie dienen außerdem dazu, neue Herausforderungen zu bewältigen, etwa die Auswirkungen des Klimawandels auf die Gesundheit.

Gesundheit als globales Ent­wick­lungs­ziel

SDG 3: Gesundheit und Wohlergehen

Das Ziel 3 der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) lautet: „Ein gesundes Leben für alle Menschen jeden Alters gewährleisten und ihr Wohlergehen fördern.“ Das Bestreben nach allgemeiner Gesundheitsversorgung (englisch: Universal Health Coverage, UHC) und Absicherung gegen finanzielle Risiken im Krankheitsfall ist ein wichtiges Unterziel.

Das bedeutet, dass jeder Mensch universellen Zugang zu einer angemessenen, umfassenden, diskriminierungs- und barrierefreien sowie für alle Bevölkerungsgruppen erschwinglichen Gesundheitsversorgung hat, inklusive gesundheitsfördernden, präventiven, diagnostischen, therapeutischen, rehabilitativen und palliativen Produkten und Dienstleistungen des Gesundheitssystems.

Das deutsche Engagement zur Stärkung von Ge­sund­heits­systemen

Wartende Patientinnen in der Geburtsstation des Nkhoma-Krankenhauses in Malawi

Hintergrund Situation in den Entwicklungsländern Interner Link

In den meisten Entwicklungsländern und vielen Schwellenländern hat ein Großteil der Menschen keinen ausreichenden Zugang zu einer angemessenen Gesundheitsversorgung.

Die Bundesregierung hat sich das Ziel gesetzt, in ihren entwicklungspolitischen Partnerländern den Zugang der Bevölkerung zu Gesundheitsdiensten, gesundheitsbezogenen Informationen und gesunden Lebensbedingungen zu verbessern. Gesundheitssystemstärkung ist deswegen der übergeordnete Ansatz für die Strategie der deutschen Entwicklungszusammenarbeit im Gesundheitsbereich.

Dazu werden Programme der Entwicklungszusammenarbeit als Teil nationaler Gesundheitssystemplanung und des sozialen Sicherungssystems konzipiert und umgesetzt. Ein besonderes Anliegen der deutschen Entwicklungszusammenarbeit ist dabei die Versorgung armer und benachteiligter Bevölkerungsgruppen.

Mit der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung hat sich internationale Staatengemeinschaft dazu bekannt, unter anderem eine allgemeine Gesundheitsversorgung und finanzielle Absicherung im Krankheitsfall zu erreichen. Dies kann nur durch das nationale Gesundheitssystem erreicht und gewährleistet werden. Gesundheitssystemstärkung ist deswegen insbesondere in Ländern mit niedrigem oder mittlerem Einkommen wichtig. Dabei werden leistungsfähige und eigenfinanzierte Systeme zur flächendeckenden Versorgung mit den wichtigsten Gesundheitsdiensten aufgebaut.

Ansatz auf mehreren Ebenen

Aufnahmen aus einem Computertomografen

Das Engagement erfolgt auf mehreren Ebenen: von der konkreten Unterstützung der Menschen in den Gemeinden über Personalentwicklung und Infrastruktur innerhalb der verschiedenen Gesundheitseinrichtungen bis hin zur Beratung der verantwortlichen Regierungseinrichtungen sowie Beteiligung an internationalen Institutionen und multilateralen Prozessen.

Große Chancen für die Weiterentwicklung der Gesundheitssysteme sieht das Bundesentwicklungsministerium (BMZ) im Einsatz moderner Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT). Gemeinsam mit staatlichen, privatwirtschaftlichen, zivilgesellschaftlichen (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) und wissenchaftlichen Partnern werden digitale Lösungen entwickelt und erprobt.

Operation in einem Zeltkrankenhaus in Malawi

Dem Fachkräftemangel entgegenwirken Interner Link

Weltweit fehlen aktuell fast 18 Millionen Gesundheitsfachkräfte, um eine flächendeckende, qualitativ hochwertige Gesundheitsversorgung zu sichern – so die Schätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO).

Eine Marktverkäuferin in Jakarta, Indonesien

Soziale Sicherheit durch solidarische Finanzierung Interner Link

Im Krankheitsfall müssen Patienten und ihre Familien in Entwicklungsländern meist einen Großteil der Behandlungskosten selbst tragen. Nach Angaben der WHO geraten weltweit jedes Jahr etwa 100 Millionen Menschen krankheitsbedingt in finanzielle Not und verarmen.

Informationsveranstaltung zum Thema Ebola in einem Dorf in Guinea

BMZ-Sonderprogramm “Gesundheit in Afrika” Interner Link

Das BMZ-Sonderprogramm „Gesundheit in Afrika“ unterstützt afrikanische Partnerländer dabei, ihre Gesundheitssysteme nachhaltig zu stärken und die Reaktion auf Krisenfälle zu verbessern.


Engagement auf internationaler Ebene

Eine Mutter und ihr Kind warten in Nepal auf einen Arzttermin.
Eine Mutter und ihr Kind warten in Nepal auf einen Arzttermin.

Auf internationaler Ebene setzt sich Deutschland dafür ein, dass entwicklungspolitische Ansätze die Gesundheitssysteme als Ganzes in den Blick nehmen. Nach wie vor konzentrieren sich viele Entwicklungsprogramme nur auf die Bekämpfung einzelner Krankheiten, das heißt auf vertikale Programme. Damit das Gesundheitswesen in seiner ganzen Breite unterstützt wird, das heißt mit horizontalen Programmen, setzt sich die deutsche Entwicklungspolitik dafür ein, dass sich verschiedene Geber besser abstimmen und effizienter vorgehen.

Um den Partnerdialog auszuweiten und die Unterstützung besser zu koordinieren, hat Deutschland auf dem G8 (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen)-Gipfel 2007 gemeinsam mit Frankreich das Netzwerk Providing for Health (P4H)“ (Externer Link) ins Leben gerufen. Mithilfe dieses Netzwerks wurden in bisher 36 Ländern Gesundheitsreformen unterstützt. Das Programm bringt politische Entscheidungsträger aus nationalen Ministerien zu Gesundheit, Finanzen, Arbeit und Soziales zusammen.

Aktuell unterstützen elf „P4H Focal Points“ die Koordination der Akteure. Zu den konkreten Maßnahmen auf Ebene der Partnerländer Deutschlands gehört auch das Programm „Leadership for UHC“ (L4UHC). Deutschland ist einer der größten Geber des P4H-Netzwerks und Mitglied in dessen Steuerungskomitee.

Initiative “Healthy Systems – Healthy Lives

Während seiner G7-Präsidentschaft 2015 hat Deutschland eine führende Rolle in der globalen Gesundheitspolitik übernommen. Die Stärkung von Gesundheitssystemen wurde von den G7-Ländern als zentrales Anliegen genannt.

Die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel und die damalige Generaldirektorin der Weltgesundheitsorganisation, Margaret Chan, bei der Weltgesundheitsversammlung 2015
Die damalige Bundes­kanzlerin Angela Merkel und die damalige General­direktorin der Welt­ge­sund­heits­organisation, Margaret Chan, bei der Welt­ge­sund­heits­versammlung 2015

Im gleichen Jahr startete die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel am Rande des UN-Gipfels zur Umsetzung der Agenda 2030 gemeinsam mit der damaligen Generaldirektorin der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Margaret Chan, die globale Initiative „Healthy Systems – Healthy Lives“. Deren Ziel ist, dass Regierungen, Entwicklungsorganisationen und andere Akteure in der Gesundheitspolitik ein gemeinsames Verständnis dafür entwickeln, wie wichtig die Stärkung von Gesundheitssystemen ist.

Aus der Initiative ging 2017 das Strategiepapier Healthy systems for universal health coverage – a joint vision for healthy lives (Externer Link) hervor. Umgesetzt wird dieses „Joint Vision Paper“ unter anderem von der Gesundheitspartnerschaft UHC2030 (Externer Link) (Universal Health Coverage 2030). Zu dieser Plattform gehören rund 80 Länder sowie Entwicklungsorganisationen und Gesundheitsinitiativen, private Stiftungen und zivilgesellschaftliche Organisationen. Die Allianz setzt sich ein für eine verbesserte Koordinierung der weltweiten Anstrengungen, Gesundheitssysteme zu stärken und eine allgemeine Gesundheitsversorgung zu erreichen. Deutschland ist derzeit Mitglied des entscheidungsgebenden Steuerungskomitees.

Strategische Positionen zur allgemeinen Gesund­heits­versorgung

Um das Strategiepapier in den nationalen Systemen der Partnerländer wirksam umzusetzen, hat das BMZ acht strategisch wichtige Positionen zu Universal Health Coverage (UHC) formuliert:

  • UHC kann nur durch das nationale Gesundheitssystem als das grundlegende System gewährleistet werden.
  • UHC erfordert die Stärkung der Angebots- wie auch der Nachfrageseite des Gesundheitssystems.
  • UHC erfordert Finanzierung aus Eigeneinnahmen der Länder und auf der Basis von nationalen Finanzierungsverfahren.
  • UHC erfordert mehr Gewicht auf und neue Ansätze für Vorbeugung.
  • UHC erfordert gesellschaftliche Aushandlungsprozesse und die Einbeziehung von Privatsektor und Zivilgesellschaft.
  • UHC erfordert Resilienz des nationalen Gesundheitssystems und internationale Kooperation.
  • UHC muss in die allgemeine soziale Sicherung eingebunden sein.
  • UHC erfordert digitale Lösungen und entsprechende gesetzliche Rahmenbedingungen.

Weiterführende Informationen zum Thema finden Sie (in englischer Sprache) auf Healthy DEvelopments (Externer Link), dem Themenportal zur deutschen Entwicklungszusammenarbeit in den Bereichen Gesundheit und soziale Sicherung.