Der Vulkan Cotopaxi (5897 Meter) in Ecuador

Ecuador Ein Land sucht seinen Weg aus der Krise

Ecuador durchläuft seit einigen Jahren eine schwere Wirtschaftskrise. Unter den Bedingungen der Corona-Pandemie haben sich die strukturellen Mängel des Entwicklungsmodells Ecuadors weiter zugespitzt. Notwendige Kredite des Internationalen Währungsfonds (IWF) verlangten der seit 2017 amtierenden Regierung Moreno einschneidende Spar­maß­nahmen und Um­struk­tu­rie­rungen ab – bei wachsender Un­zu­frieden­heit in der Be­völ­kerung. Nun hat das Land eine neue Regierung gewählt.

Bei der Stichwahl am 11. April 2021 wurde der konservative Kandidat Guillermo Lasso zum neuen Präsidenten Ecuadors gewählt. Er kündigte einen stärker wirtschaftsliberalen Kurs an, um das Land aus der Krise zu führen. Dabei wird es darauf ankommen, die verschiedenen gesellschaftlichen Kräfte auf diesem Weg mitzunehmen und zusammenzuführen.

Ehrgeizige Entwicklungsziele

Die ecuadorianische Regierung hat sich ehrgeizige Entwicklungsziele gesetzt. Der nationale Entwicklungsplan für den Zeitraum 2017 bis 2021 formuliert das Ziel eines Lebens frei von Armut und Gewalt. Einen hohen Stellenwert nehmen der politische und gesellschaftliche Dialog und die Beteiligung der Bevölkerung in allen Lebensbereichen ein. Der Ent­wick­lungs­plan versteht sich ausdrücklich als nationale Umsetzung der Agenda 2030 (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen). Er verbindet die Themen soziale Inklusion, ökologische Nachhaltigkeit, politische Partizipation und Frieden.

Herausforderungen

Mit dem Einbruch der Erdölpreise seit 2014 sind die Handlungs- und Gestaltungsspielräume der ecuadorianischen Regierung bereits vor der Corona-Pandemie deutlich reduziert worden. Kernaufgabe bleibt daher mittel- bis langfristig eine Transformation in Richtung eines nach­haltigen Ent­wick­lungs­modells, das Alternativen zum gegenwärtigen Roh­stoff­export bietet.

Der Abbau von Ressourcen (insbesondere der Ausbau von Ölfeldern und Minen in sensiblen Ökosystemen) erzeugt ein Spannungsfeld: Auf der einen Seite erfordern Wirtschaftskrise, Pandemie und Sparpolitik zusätzliche Einnahmequellen. Auf der anderen Seite provoziert eine rohstoffbasierte Wirtschaft mitunter sozial-ökologische Konflikte und Verteilungsfragen, insbesondere in Hinblick auf indigene Interessen sowie die Einhaltung von Umwelt- und Sozialstandards. Die Herausforderung bleibt daher, einen schrittweisen Wandel in ökologisch nachhaltiger und sozial gerechter Weise voranzutreiben.


Häuser auf einem Hügel in Quito, Ecuador
Warnschild in einem Ölfördergebiet in Ecuador
Eine circa 100 Jahre alte Galapagos-Riesenschildkröte, Charles-Darwin Forschungsstation auf der Insel Santa Cruz, Galapagosinseln, Ecuador

Deutsche Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit mit Ecuador

Deutschland ist einer der größten bilateralen Geber der Ent­wick­lungs­zu­sam­men­arbeit mit Ecuador. Die bisher letzten bilateralen Re­gierungs­ver­hand­lungen fanden im November 2020 in einem virtuellen Format statt. Die Zusagen von 2020 beliefen sich auf 72,2 Millionen Euro. Davon entfallen 50,6 Millionen Euro auf die finanzielle (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) und 21,6 Millionen Euro auf die technische Zusammenarbeit (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen).

Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit konzentriert sich auf drei Kernthemen:

  • Schutz unserer Lebensgrundlagen – Umwelt und natürliche Ressourcen, insbesondere im Bereich Biodiversität und Waldschutz
  • Frieden und gesellschaftlicher Zusammenhalt, insbesondere im Bereich Gute Regierungsführung sowie Flucht und Migration
  • Verantwortung für unseren Planeten – Klima und Energie, insbesondere im Bereich nachhaltige Stadtentwicklung
Impuls für grünes Wirtschaften

Impuls für grünes Wirtschaften Dateityp pdf Sachstandsdatum 12/2019 Dateigröße 1 MB Seiten 8 Zugänglichkeit barrierefrei

Der eco.business Fund unterstützt nachhaltige Produktionsmethoden – jetzt auch in Afrika | BMZ fundiert

Dateityp PDF | Sachstandsdatum 12/2019 | Dateigröße 1 MB, Seiten 8 Seiten | Zugänglichkeit barrierefrei

Ecuador ist zudem an mehreren Regional- und Global­vor­haben der deutschen Ent­wick­lungs­zu­sam­men­arbeit beteiligt. So setzt beispiels­weise der "Eco.business Fund" Impulse für grünes Wachstum auch in Ecuador, indem dort unter anderem nach­haltiger Kakao-Anbau ge­fördert wird. Weiter­hin ko­ope­rieren das BMZ und Ecuador im Bereich der nachh­altigen Liefer­ketten, konkret zu nach­haltigem und sozial fairen Bananen­an­bau (Ecuador ist welt­größter Bananen­exporteur, circa 30 Prozent der Bananen aus Ecuador werden nach Deutschl­and exportiert). Im Rahmen von so­ge­nannten Drei­ecks­ko­opera­tionen (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) fördert das BMZ zudem die Süd-Süd-Ko­opera­tion mit Ecuador und anderen Ländern Latein­amerikas, zum Beispiel zur Wald­brand­be­kämpfung oder der wissen­schaftlichen Er­he­bung von Bio­di­ver­si­täts­daten.

Zur Bekämpfung der Corona-Pandemie und ihrer Folge­wirkungen unterstützt das BMZ in Ecuador vorrangig Maß­nahmen im Kontext des "grünen Wieder­aufbaus be­ziehungs­weise Re­akti­vierung der Wirtschaft" (Green Recovery). Außerdem entsendete das BMZ bereits früh­zeitig ein Team der "Schnell Ein­setz­baren Experten­gruppe Gesundheit" (SEEG) unter anderem mit Virologen der Charité Berlin, um die Labor- und Dia­gnos­tik­ka­pa­zi­täten vor Ort zu stärken und dadurch einen Beitrag zu leisten, die Aus­brei­tung von Covid-19 ein­zu­dämmen. Weitere Maß­nahmen zielen ins­be­sondere auf den Schutz und die Versorgung der vulnerablen (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) Gruppen ab, insbesondere Flüchtlinge, Indigene und von Gewalt bedrohte Frauen.

Im Bereich der nichtstaatlichen Zusammenarbeit finanziert das BMZ in großem Umfang Maßnahmen zivilgesellschaftlicher und kirchlicher Träger.

Bergtukan im Nationalpark Yasuní, Ecuador

Kernthema "Schutz unserer Lebensgrundlagen – Umwelt und natürliche Ressourcen“ Artenvielfalt erhalten, Bioökonomie fördern Interner Link

Der Umwelt- und Ressourcenschutz steht im Mittelpunkt der deutschen Ent­wick­lungs­zu­sam­men­arbeit mit Ecuador. Das BMZ unter­stützt die Partner dabei, die außer­ge­wöhn­liche Arten­viel­falt Ecuadors zu erhalten und mit Konzepten nach­haltiger Nutzung und Inwert­setzung zu ver­binden. Dafür bietet das BMZ Finanzierung und Beratung in Themen­feldern wie Küsten- und Meeres­schutz, Erhalt der Bio­di­ver­sität in den Anden und Waldschutz.

Platz der Unabhängigkeit in Quito, Ecuador

Kernthema "Frieden und gesellschaftlicher Zusammenhalt" Gute Re­gie­rungs­füh­rung und Bürger­be­tei­li­gung stärken Interner Link

Deutschland hat mit der Regierung Moreno 2018 eine engere Zu­sam­men­ar­beit in den Themen "Staat, Demo­kratie und Teil­habe" ver­einbart. Damit soll der Reform­kurs des Landes und eine gute Re­gie­rungs­füh­rung auf allen po­li­tischen Ebenen ge­fördert werden. Die Bürger­be­tei­li­gung und die Belange vulner­abler Gruppen spielen dabei eine zentrale Rolle für den gesell­schaft­lichen Zu­sammen­halt im Land. 

Blick auf die Stadt Cuenca in Ecuador

Kernthema "Verantwortung für unseren Planeten – Klima und Energie" Stadtentwicklung und Mobilität nachhaltig gestalten Interner Link

Etwa zwei Drittel der Menschen in Ecuador leben in Städten. Insbesondere die mittleren Städte sind dynamische Entwicklungspole, verfügen jedoch über begrenzte Kapazitäten, um das Wachstum nachhaltig zu gestalten. Deutschland unterstützt die Partner bei der Umsetzung der ersten nationalen Strategie für nach­haltige Stadtentwicklung. 

Ein Teppichverkäufer auf dem Markt von Otavalo, Ecuador

Ein Teppichverkäufer auf dem Markt von Otavalo, Ecuador

Ein Teppichverkäufer auf dem Markt von Otavalo, Ecuador