Eine circa 100 Jahre alte Galapagos-Riesenschildkröte, Charles-Darwin Forschungsstation auf der Insel Santa Cruz, Galapagosinseln, Ecuador

Umweltsituation Außergewöhnliche Artenvielfalt

Ecuador gehört zu den Ländern mit der größten Artenvielfalt der Welt. In den Mangrovensümpfen an der Küste, den Bergwäldern der Anden, im tropischen Regenwald des Amazonasgebiets und auf dem Galapagos-Archipel sind zahlreiche Tier- und Pflanzenarten zu finden, die es nirgendwo sonst auf der Erde gibt. Im Vergleich zu anderen Ländern ist die Größe der Naturschutzgebiete herausragend: Rund zwanzig Prozent der Landesfläche sind offiziell geschützt. Allerdings sind die Behörden oftmals noch nicht in der Lage, für die Einhaltung der Umweltgesetze zu sorgen und die Schutzgebiete zu kontrollieren.

Gefahr durch Erdölförderung

Akut bedroht werden die vielfältigen Naturräume vor allem durch den wichtigsten Wirtschaftssektor des Landes: die Erdölindustrie. Zwar ist die Natur in der Verfassung Ecuadors als eigenständiges Subjekt mit eigenen Rechten definiert. Auch gibt es umfassende und im regionalen Vergleich fortschrittliche nationale Programme wie "Socio Bosque", das Anreizzahlungen für die lokale Bevölkerung vorsieht, wenn diese zum Waldschutz beiträgt. Trotzdem gehen aktuell jedes Jahr rund 60.000 Hektar Urwald durch Abholzung verloren – das entspricht ungefähr der zweifachen Fläche von München.

ITT-Yasuní-Initiative

Für internationale Aufmerksamkeit sorgte im Jahr 2007 die vom damaligen Präsidenten Correa lancierte "ITT-Yasuní-Initiative", benannt nach den im Biosphärenreservat und Nationalpark Yasuní entdeckten Ölquellen Ishpingo, Tambococha und Tiputini. Ecuador bot der internationalen Gemeinschaft an, auf die Förderung des Öls zu verzichten, wenn diese bereit sei, eine finanzielle Entschädigung in Höhe von 50 Prozent der erwarteten Einnahmen in einen UN-verwalteten Treuhandfonds zu zahlen (3,6 Milliarden US-Dollar).

Die Staatengemeinschaft ging auf dieses Angebot jedoch nicht ein und ein zivilgesellschaftliches Umweltbündnis schaffte es nicht, eine Volksabstimmung über die Nutzung der Ölvorkommen durchzusetzen. 2014 wurde die Lizenz zur Erdölförderung im Yasuní-Nationalpark erteilt, erste Bohrungen begannen im September 2016. In einer Volksabstimmung im Februar 2018 sprachen sich zwei Drittel der Wählerinnen und Wähler für eine deutliche Einschränkung der Ölförderung im Yasuní-Nationalpark aus.