Häuser auf einem Hügel in Quito, Ecuador

Soziale Situation Weniger Menschen in Armut

Ecuador zählt inzwischen zwar zu den Ländern mittleren Einkommens, in ländlichen Gebieten ist die Armut allerdings noch immer groß und betrifft vor allem Indigene und Afro-Ecuadorianer.

Während der Amtszeit von Rafael Correa (2007 bis 2017) hat in Ecuador ein radikaler Umschwung stattgefunden. Correa selbst bezeichnete seine Politik als "Bürgerrevolution". Umfangreiche staatliche Investitionen in das Sozialsystem und die Infrastruktur haben die nationale Armutsquote deutlich gesenkt und den Zugang zu öffentlichen Gütern und Dienstleistungen (unter anderem Wasser und Abwasser, Bildung, Gesundheit) verbessert.

Die 2008 verabschiedete neue Verfassung beruft sich auf das in der indigenen Kultur begründete Leitbild des Sumak Kawsay (Kichwa für "gutes Leben", auf Spanisch "buen vivir"). Die Verfassung definiert Ecuador als sozialen, demokratischen, interkulturellen, plurinationalen und laizistischen Rechtsstaat. Unter anderem sind die sozialen Grundrechte auf Ernährung, Gesundheit und Bildung sowie eine staatliche Souveränität über "strategische Ressourcen" in ihr festgeschrieben.

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Eine Frau in einem Slum in Nairobi

Nach Angaben der Weltbank (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) ist der Anteil der Menschen, die unterhalb der nationalen Armutsgrenze leben, zwischen 2007 und 2019 von 36,7 Prozent auf 25 Prozent gesunken, der Anteil der extrem Armen von 8,5 auf 3,6 Prozent. Das jährliche Brutto­national­ein­kommen ist seit 2007 von um­gerechnet 3.330 auf 6.090 US-Dollar (2019) pro Kopf gestiegen, stagnierte aber in den letzten Jahren. Damit zählt Ecuador zu den Ländern mittleren Einkommens (upper middle income countries). Auf dem aktuellen Index der menschlichen Entwicklung (HDI (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen)) liegt Ecuador auf Rang 86 von 189 Ländern. Die Corona-Pandemie hat das Land in seiner Entwicklung nun aber um Jahre zurückgeworfen.

Soziale Kluft nicht geschlossen

In ländlichen Gebieten Ecuadors ist die Armut noch immer groß und betrifft vor allem Indigene und Afro-Ecuadorianer sowie Kinder. Die soziale Ungleichheit wurde zwar verringert (der Gini-Index zur Einkommensungleichheit hat sich von 53,3 im Jahr 2007 auf 45,4 im Jahr 2018 verringert), die Kluft zwischen Arm und Reich ist jedoch wie in vielen anderen Ländern Latein­amerikas bei weitem noch nicht geschlossen. Die offizielle Arbeits­losen­quote ist 2020 auf fünf Prozent angestiegen. Knapp 23 Prozent der Beschäftigten gelten als unter­beschäftigt. Auch die Folgen der an­dauernden Wirt­schafts- und Corona-Krise werden deutliche Spuren im sozio-öko­no­mischen Bereich hinter­lassen und die sozialen Errungenschaften der Ver­gangen­heit in Teilen relativieren.