Schutz des Bür­gers vor staat­li­cher Will­kür Rechts­staat­lich­keit

Rechts­staat­lich­keit ist Vor­aus­set­zung für Frie­den, Frei­heit und nach­hal­ti­ge Ent­wick­lung (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) und be­schleu­nigt die Er­rei­chung al­ler Ent­wick­lungs­zie­le der Agen­da 2030. Sie ist die Grund­la­ge ei­ner funk­tio­nie­ren­den De­mo­kra­tie und ein zen­tra­les Ele­ment von gu­ter Re­gie­rungs­füh­rung. Rechts­staat­lich­keit be­deu­tet, dass Re­gie­rung und Ver­wal­tung nur im Rah­men be­stehen­der Ge­set­ze han­deln dür­fen. Die Bür­ge­rin­nen und Bür­ger wer­den so vor staat­li­cher Will­kür, Dis­kri­mi­nie­rung und Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen ge­schützt.

Sta­tue der Jus­ti­tia, rö­mi­sche Göt­tin der Ge­rech­tig­keit, in Frank­furt
Sta­tue der Jus­ti­tia, rö­mi­sche Göt­tin der Ge­rech­tig­keit, in Frank­furt

Ein wich­ti­ges Kenn­zei­chen von Rechts­staat­lich­keit ist die Ge­wal­ten­tei­lung, ins­be­son­de­re die Un­ab­hän­gig­keit der Jus­tiz: Al­le staat­li­chen Ent­schei­dun­gen müs­sen von un­ab­hän­gi­gen Ge­rich­ten über­prüft wer­den kön­nen, und je­der Bür­ger muss die Mög­lich­keit ha­ben, sei­ne Rech­te vor Ge­richt gel­tend zu ma­chen.

Zur Rechts­staat­lich­keit ge­hört auch die Rechts­si­cher­heit. Je­der Mensch muss vor­her­se­hen kön­nen, wel­che recht­li­chen Fol­gen sein Han­deln hat.

Ge­richts­ver­fah­ren müs­sen fair sein, Straf­ta­ten müs­sen ver­folgt wer­den. Rechts­si­cher­heit ist auch für die Wirt­schaft ei­nes Lan­des von gro­ßer Be­deu­tung. Denn In­ves­to­ren müs­sen sich dar­auf ver­las­sen kön­nen, dass staat­li­che Ent­schei­dun­gen auf trans­pa­ren­te, ver­läss­li­che und vor­her­seh­ba­re Wei­se fal­len und nicht will­kür­lich ge­än­dert oder zu­rück­ge­nom­men wer­den kön­nen.


Deutsches Engagement

Verwaltungsangestellter in Mosambik

Die deut­sche Ent­wick­lungs­po­li­tik geht da­von aus, dass Rechts­staat, De­mo­kra­tie, So­zi­al­staat und Men­schen­rech­te in di­rek­ter Ab­hän­gig­keit zu­ein­an­der ste­hen. Da aber je­des Land auf ei­ne ei­ge­ne Ge­schich­te und ver­fas­sungs­recht­li­che Tra­di­ti­on zu­rück­blickt, gibt es kein ein­heit­li­ches Kon­zept für den Auf­bau rechts­staat­li­cher Struk­tu­ren.

Das deut­sche Rechts­sys­tem kann nicht ein­fach auf an­de­re Län­der über­tra­gen wer­den. In der Zu­sam­men­ar­beit mit Ent­wick­lungs- und Schwel­len­län­dern wer­den im­mer die vor­han­de­nen Grund­la­gen ana­ly­siert und dann in­di­vi­du­el­le Lö­sun­gen und an­ge­pass­te För­der­maß­nah­men er­ar­bei­tet.

Ziel: Die Rolle des Rechts stärken

Die deut­sche Ent­wick­lungs­po­li­tik un­ter­stützt ih­re Ko­ope­ra­ti­ons­län­der da­bei, Rechts­staat­lich­keit her­zu­stel­len und zu ge­stal­ten. Da­bei ar­bei­tet das Bun­des­mi­nis­te­ri­um für wirt­schaft­li­che Zu­sam­men­ar­beit und Ent­wick­lung (BMZ) so­wohl mit den Re­gie­run­gen als auch mit zi­vil­ge­sell­schaft­li­chen (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) Ak­teu­ren zu­sam­men. Ziel ist, die Rol­le des Rechts zu stär­ken: Es soll da­zu die­nen, das ge­sell­schaft­li­che Zu­sam­men­le­ben zu steu­ern und den Ein­zel­nen zu schüt­zen.

Die Bun­des­re­pu­blik bie­tet ih­ren Ent­wick­lungs­part­nern viel­fäl­ti­ge Un­ter­stüt­zungs­leis­tun­gen an. Sie be­rät bei der Er­ar­bei­tung von Ge­set­zes­ent­wür­fen und un­ter­stützt beim Auf­bau ei­ner Ge­richts­bar­keit so­wie bei der Aus- und Fort­bil­dung des Per­so­nals in der Jus­tiz und den Voll­zugs­or­ga­nen.

Ein wich­ti­ges Ar­beits­feld ist die För­de­rung ei­ner un­ab­hän­gi­gen und un­be­stech­li­chen Jus­tiz. In vie­len Ent­wick­lungs­län­dern wer­den Rich­ter nicht auf­grund ih­rer Fä­hig­kei­ten ein­ge­setzt, son­dern auf­grund ih­rer po­li­ti­schen Aus­rich­tung. Kor­rup­ti­on ist weit ver­brei­tet. Deutsch­land för­dert da­her die Ent­wick­lung ethi­scher Ver­hal­tens­stan­dards für Rich­ter­schaft und Jus­tiz­be­diens­te­te.

Ein wei­te­res An­lie­gen der deut­schen Ent­wick­lungs­po­li­tik ist der Zu­gang zu Recht für al­le Bür­ge­rin­nen und Bür­ger. Be­son­ders die be­nach­tei­lig­ten und ge­sell­schaft­lich aus­ge­grenz­ten Be­völ­ke­rungs­grup­pen müs­sen da­bei be­rück­sich­tigt wer­den.

Nach­fra­ge­ori­en­tiert wer­den ge­mein­sam mit den Part­ner­län­dern der deut­schen Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit an­ge­pass­te Re­form­kon­zep­te er­ar­bei­tet. Die Um­set­zung wird lang­fris­tig an­ge­legt, denn der Auf- oder Um­bau ei­nes Rechts­sys­tems bringt kom­ple­xe po­li­ti­sche und ge­sell­schaft­li­che Ver­än­de­rungs­pro­zes­se mit sich. Fast im­mer ver­än­dern Rechts- und Jus­tiz­re­for­men auch die Spiel­re­geln der Macht­aus­übung im Land.

Auch auf mul­ti­la­te­ra­ler Ebe­ne en­ga­giert sich das BMZ: In in­ter­na­tio­na­len Or­ga­ni­sa­tio­nen wie den Ver­ein­ten Na­tio­nen und der Welt­bank setzt es sich da­für ein, Stra­te­gi­en zur Rechts­staats­för­de­rung aus­zu­tau­schen und glo­ba­le Maß­nah­men um­zu­set­zen.  Bei der För­de­rung von Rechts­staat­lich­keit kann die Bun­des­re­pu­blik auf ih­re ei­ge­nen ge­schicht­li­chen Er­fah­run­gen zu­rück­grei­fen so­wie auf um­fas­sen­de Kennt­nis­se, die sie durch ih­re in­ten­si­ve Un­ter­stüt­zung der Re­form­pro­zes­se in Mit­tel- und Ost­eu­ro­pa so­wie Zen­tral­asi­en er­wor­ben hat.

Häft­ling in Bu­jum­bu­ra, Bu­run­di

Häft­ling in Bu­jum­bu­ra, Bu­run­di

Häft­ling in Bu­jum­bu­ra, Bu­run­di

Be­son­de­re Her­aus­for­de­run­gen

In Staa­ten, in de­nen Krie­ge oder an­de­re ge­walt­sa­me Kon­flik­te statt­ge­fun­den ha­ben, ist die För­de­rung von Rechts­staat­lich­keit be­son­ders schwie­rig. Oft ist das Ver­trau­en der Be­völ­ke­rung in die Schutz- und Ord­nungs­funk­ti­on des Staa­tes tief er­schüt­tert, weil die er­lit­te­ne Ge­walt von staat­li­chen Si­cher­heits­or­ga­nen aus­ge­gan­gen ist oder staat­li­che Ein­rich­tun­gen von ei­ner der Kon­flikt­par­tei­en für ei­ge­ne Zwe­cke miss­braucht wor­den ist.

In sol­chen Si­tua­tio­nen muss für ei­nen er­folg­rei­chen Frie­dens- und Ver­söh­nungs­pro­zess zu­nächst wie­der Ge­rech­tig­keit her­ge­stellt wer­den. Rechts­staat­li­che In­sti­tu­tio­nen müs­sen völ­lig neu auf­ge­baut, ver­gan­ge­ne Ver­bre­chen auf­ge­ar­bei­tet und die Op­fer ent­schä­digt wer­den.

Be­son­de­re Sen­si­bi­li­tät ist auch in Län­dern ge­for­dert, in de­nen ne­ben dem of­fi­zi­el­len Rechts­sys­tem wei­te­re Nor­men be­stehen, die zum Bei­spiel auf dem Ge­wohn­heits­recht, eth­ni­schen Tra­di­tio­nen oder der Re­li­gi­on be­ru­hen. Teil­wei­se ste­hen die­se ge­sell­schaft­lich ver­an­ker­ten Nor­men im Wi­der­spruch zur staat­li­chen Ge­setz­ge­bung. In sol­chen Fäl­len müs­sen We­ge ge­fun­den wer­den, die­se Nor­men an­zu­er­ken­nen und zum Bei­spiel tra­di­tio­nel­le We­ge der Kon­flikt­lö­sung in die of­fi­zi­el­le Ge­setz­ge­bung ein­flie­ßen zu las­sen. Ver­sto­ßen die tra­di­tio­nel­len Re­geln je­doch ge­gen Grund­rech­te oder die staat­li­che Ver­fas­sung – zum Bei­spiel weil sie dis­kri­mi­nie­rend sind – müs­sen Ver­än­de­rungs­pro­zes­se an­ge­sto­ßen wer­den, um der staat­li­chen Rechts­ord­nung Gel­tung zu ver­schaf­fen.

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