Tunesien Land im Umbruch

In Tunesien nahm 2010/2011 der sogenannte Arabische Frühling seinen Anfang. Politische Machtkämpfe, zunehmende Autokratisierungstendenzen sowie ausbleibende wirtschaftliche und soziale Verbesserungen für die Bevölkerung verhinderten in Tunesien bislang eine Konsolidierung der Demokratie. Der tunesische Transformationsprozess befindet sich am Scheideweg.

Das lange als Hoffnungsträger geltende Land in Nordafrika hat mit politischer Instabilität, sozialen Ungleichheiten und einer schweren Wirtschaftskrise zu kämpfen. Die Corona-Pandemie führte 2020 zu einem massiven Wirtschaftseinbruch (minus 8,8 Prozent) und verdeutlichte die Verschleppung notwendiger Strukturreformen.

Durch Machtkämpfe in der Staatsführung, häufige Regierungswechsel, eine stark zersplitterte Parteienlandschaft und eine weit verbreitete Korruption ist der Reformprozess ins Stocken geraten. Die Lebensumstände der Bevölkerung haben sich seit dem politischen Umbruch vor zehn Jahren nicht spürbar verbessert. Die erhoffte „Demokratiedividende“ ist ausgeblieben. Immer wieder entlädt sich der Unmut in Streiks und teils gewaltsamen Protesten.

Ende Juli 2021 übernahm Staatspräsident Kais Saied die Regierungsgeschäfte und löste das Parlament auf. Es kam zu einem Bruch im Demokratisierungsprozess, Ende Juli 2022 wurde per Referendum zudem eine neue Verfassung eingeführt, die die Gewaltenteilung weiter schwächt und eine weitgehende Machtkonzentration auf Staatspräsident Saied verfestigt. Es gilt nun, die demokratischen Errungenschaften zu sichern und das Land auf eine wirtschaftlich und finanzpolitisch solide Grundlage zu stellen.


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Deutsche Entwicklungszusammenarbeit mit Tunesien

Deutschland hat großes Interesse an der Stabilisierung der südlichen, unmittelbaren Nachbarschaft Europas; Tunesien ist hier ein strategisch wichtiger Partner. Angesichts der politischen Entwicklungen hat das BMZ die Reformpartnerschaft mit Tunesien beendet. Zudem wird eine fortlaufende Reorientierung des entwicklungspolitischen Portfolios hin zu bevölkerungsnahen Ansätzen geprüft, die sich noch stärker an den Grundbedürfnissen der Menschen in Tunesien ausrichten.

Zusammenarbeit in vier Kernthemen

Der aktuelle Fokus der Entwicklungszusammenarbeit mit Tunesien liegt auf folgenden vier Kernthemen:

  • Nachhaltige Wirtschaftsentwicklung, Ausbildung und Beschäftigung
    Aktionsfelder: berufliche Bildung, Privatsektor- und Finanzsystementwicklung
  • Frieden und gesellschaftlicher Zusammenhalt
    Aktionsfeld: gute Regierungsführung
  • Klima und Energie, Just Transition
    Aktionsfeld: erneuerbare Energie und Energieeffizienz
  • Schutz unserer Lebensgrundlagen – Umwelt und natürliche Ressourcen
    Aktionsfeld: Wasser

Übergreifendes Ziel der Entwicklungszusammenarbeit ist die Verbesserung der Lebensperspektiven der Bevölkerung durch Förderung von beruflichen Perspektiven, Zukunftstechnologien und Basisdienstleistungen. Entsprechende Projekte werden insbesondere in den strukturschwachen Regionen im Hinterland gefördert, um vor Ort Lebensperspektiven zu schaffen und irregulärer Migration vorzubeugen.

Das BMZ wird zudem im Sinne der feministischen Entwicklungspolitik seine Anstrengungen verstärken, um die Geschlechtergerechtigkeit aktiv zu fördern und die wichtige Rolle von Frauen in Tunesien zu wahren und stärken.

Ein Auszubildender im GIZ-Ausbildungscontainer in Tunis, in dem Handwerker ausgebildet werden

Kernthema „Nachhaltige Wirtschaftsentwicklung, Ausbildung und Beschäftigung“ Berufliche Perspektiven für junge Menschen schaffen Interner Link

Angesichts der hohen Jugendarbeitslosigkeit in Tunesien ist es besonders wichtig, Arbeitsplätze – und damit Perspektiven – für die jungen Menschen zu schaffen. Bislang wird unternehmerisches Handeln insbesondere durch mangelnde Aus- und Fortbildungsmöglichkeiten, fehlenden Zugang zu Finanzdienstleistungen und eine aufwendige Bürokratie behindert.

Ein Mann verkauft Blumen an eine Passantin der Altstadt von Tunis.

Kernthema „Frieden und gesellschaftlicher Zusammenhalt“ Bürgernahe Dienstleistungen Interner Link

Deutschland unterstützt die tunesische Regierung dabei, Bürokratie abzubauen, Verwaltungsabläufe effizienter und transparenter zu gestalten und ein verantwortungsbewusstes Finanzmanagement aufzubauen.

Windkrafträder in El Alia, Tunesien

Kernthema „Klima und Energie, Just Transition Erneuerbare Energien fördern, Energiewende einleiten Interner Link

Tunesien hat sich das Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2030 etwa ein Drittel seines Energiebedarfs aus erneuerbaren Quellen zu decken. Derzeit nutzt das Land noch fast ausschließlich fossile Energieträger, die es zum größten Teil aus dem Ausland importiert.

Olivenernte bei Kairouan, Tunesien

Kernthema „Schutz unserer Lebensgrundlagen – Umwelt und natürliche Ressourcen“ Von Wassermangel bedroht Interner Link

In vielen Regionen im Landesinneren Tunesiens sind die Lebensgrundlagen der Bevölkerung durch zunehmenden Wassermangel bedroht. Gleichzeitig wächst der Wasserbedarf kontinuierlich, vor allem in der bewässerungsintensiven Landwirtschaft. Deutschland fördert eine nachhaltige Nutzung der Wasserressourcen.

Aktuelle Situation

Entwicklungspolitische Kennzahlen

  • Tunesien
  • Deutschland

Allgemeine Informationen

Hinweise für die Nutzung

Klicken Sie sich durch die oben angeordneten verschiedenen Rubriken und finden Sie aktuelle Zahlen aus Tunesien sowie – zum Vergleich – aus Deutschland.

Weitere Informationen zu den einzelnen Daten und die Quellenangabe können Sie mithilfe des i-Zeichens abrufen.

Tunesien Hauptstadt Tunis

Gesamtbevölkerung

in Millionen (2022)
12,36
83,8

Fläche

in Quadratkilometern
163.610
357.590

Rang im HDI

Index der menschlichen Entwicklung (HDI), 191 Länder (Ränge können mehrfach belegt sein)
97
EG
Flagge von Ägypten
97
TN
Flagge von Tunesien
99
FJ
Flagge von Fidschi
8
IE
Flagge von Irland
9
DE
Flagge von Deutschland
10
NL
Flagge der Niederlande

Stand: 28.03.2023