Mitarbeiterin in einem Call Center in Tunis

Wirtschaftliche Situation Enge Vernetzung mit Europa

Tunesien ist ein Land mittleren Einkommens mit einer relativ gut diversifizierten Wirtschaft. Etwa 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts werden vom Dienstleistungssektor erwirtschaftet, mehr als 20 Prozent von der Industrie.

Die Revolution hatte erhebliche Auswirkungen auf die tunesische Wirtschaft: Angesichts der unklaren politischen Zukunft und der instabilen Sicherheitslage zögerten viele ausländische Investoren, sich in Tunesien zu engagieren. Der Tourismus brach ein und wiederholte Streiks und Blockaden legten viele in Tunesien ansässige Firmen über Monate hinweg lahm.

Nach Wachstumsraten von drei bis vier Prozent in den Jahren 2012 bis 2014 fiel das Wirtschaftswachstum in den darauffolgenden Jahren auf unter zwei Prozent ab. 2020 sorgte die Corona-Pandemie für einen Wirtschaftseinbruch um 8,8 Prozent. Für 2021 erwartet der Internationale Währungsfonds (IWF (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen)) bisher ein Wachstum von 3,8 Prozent, in den Folgejahren Werte um zwei Prozent.

Handelsabkommen mit der Europäischen Union

Die tunesische Wirtschaft ist stark von der europäischen Konjunkturlage abhängig: Rund zwei Drittel des Außenhandels werden mit der Europäischen Union abgewickelt, der Großteil der ausländischen Investitionen kommt von dort.

Als erstes Land der Maghreb-Region hat Tunesien 1995 ein Assoziationsabkommen mit der EU abgeschlossen. 2012 erreichte es den Status einer „privilegierten Partnerschaft“ und profitiert von umfangreichen Hilfsprogrammen zur Förderung der Wettbewerbsfähigkeit.

Die EU und Tunesien haben 2015 Verhandlungen über ein umfassendes Freihandelsabkommen (Deep and Comprehensive Free Trade Agreement, DCFTA) aufgenommen, die allerdings aktuell auf Eis liegen. Es wird eine weitergehende gegenseitige Marktöffnung angestrebt, insbesondere für Agrar- und Fischereiprodukte sowie Dienstleistungen.

Entwicklungspotenziale

Zwei Frauen schneiden einen Baumwollstoff zu.

Zwei Frauen schneiden in einer Textilfabrik in Bizerte einen Baumwollstoff zu.

Zwei Frauen schneiden in einer Textilfabrik in Bizerte einen Baumwollstoff zu.

Investoren schätzen an Tunesien seine geografische Nähe zu Europa, den im regionalen Vergleich hohen Grad der Industrialisierung, die niedrigen Lohnkosten, die gut ausgebaute Infrastruktur sowie die hohe Anzahl an Hochschulabsolventinnen und -absolventen in naturwissenschaftlichen und technischen Fächern.

Wachstumspotenziale hat das Land unter anderem in der IT-Branche, der Textil- und Pharmaindustrie und im Tourismus. Auch als Produktionsstandort für grünen Wasserstoff könnte sich Tunesien etablieren. Voraussetzung ist allerdings eine Verbesserung des Geschäftsklimas durch umfassende wirtschafts- und finanzpolitische Reformen und stabile, verlässliche Rahmenbedingungen.

Bei der Umsetzung makroökonomischer Strukturreformen erhofft sich Tunesien Unterstützung durch den IWF. Im Mai 2020 legte die tunesische Regierung erste Vorschläge vor.