Mitarbeiterin in einem Call Center in Tunis

Wirtschaftliche Situation Große Abhängigkeit von Europa

Tunesien ist ein Land mittleren Einkommens mit einer relativ gut diversifizierten Wirtschaft. Etwa 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts werden vom Dienstleistungssektor erwirtschaftet, mehr als 20 Prozent von der Industrie.

Die Revolution hatte erhebliche Auswirkungen auf die tunesische Wirtschaft: Angesichts der unklaren politischen Zukunft und der instabilen Sicherheitslage zögerten viele ausländische Investoren, sich in Tunesien zu engagieren. Der Tourismus brach ein und wiederholte Streiks und Blockaden legten viele in Tunesien ansässige Firmen über Monate hinweg lahm.

Nach Wachstumsraten von drei bis vier Prozent in den Jahren 2012 bis 2014 fiel das Wirtschaftswachstum in den drei darauffolgenden Jahren auf unter zwei Prozent ab. 2018 wurde ein Plus von 2,5 Prozent erreicht, für 2019 erwartet der Internationale Währungsfonds (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) (IWF) ein Wachstum von 1,5 Prozent.

Handelsabkommen mit der Europäischen Union

Die tunesische Wirtschaft ist stark von der europäischen Konjunkturlage abhängig: Rund zwei Drittel des Außenhandels werden mit der Europäischen Union abgewickelt, der Großteil der ausländischen Investitionen kommt von dort.

Als erstes Land der Maghreb-Region hat Tunesien 1995 ein Assoziationsabkommen mit der EU abgeschlossen. Im Herbst 2012 erreichte es den Status einer "privilegierten Partnerschaft" und profitiert von umfangreichen Hilfsprogrammen zur Förderung der Wettbewerbsfähigkeit.

Die EU und Tunesien haben 2015 Verhandlungen über ein vertieftes und umfassendes Freihandelsabkommen (Deep and Comprehensive Free Trade Agreement, DCFTA) aufgenommen. Darin wird eine weitergehende gegenseitige Marktöffnung, insbesondere für Agrar- und Fischereiprodukte sowie Dienstleistungen, angestrebt.

Entwicklungspotenziale

Investoren schätzen an Tunesien seine geografische Nähe zu Europa, den im regionalen Vergleich hohen Grad der Industrialisierung, die preisliche Wettbewerbsfähigkeit und die gut ausgebaute Infrastruktur. Wachstumspotenziale hat das Land vor allem im Dienstleistungsbereich, etwa in der IT-Branche, der Logistik und bei Gesundheitsdienstleistungen. Dieses Potential kennen auch deutsche Unternehmen: Rund 260 deutsche Firmen bieten in Tunesien circa 62.000 Arbeitsplätze.

Große Bedeutung für die künftige Entwicklung der Wirtschaft hat der Tourismus. Die Regierung ist sich bewusst, dass das touristische Angebot weiter aufgefächert und modernisiert werden muss, um mehr und neue Gäste anzulocken. Neben den bewährten Hotelangeboten für Badeurlauber soll vor allem der Kultur- und Ökotourismus ausgebaut werden.

Nach Terroranschlägen auf ein Museum und ein Strandhotel im März und Juni 2015 brachen die Besucherzahlen zunächst ein. Laut Welttourismusorganisation (UNWTO) ist die Zahl der ausländischen Touristinnen und Touristen seit 2017 jedoch wieder deutlich angestiegen und lag 2018 über den Werten von 2014.