Theke eines Cafés in Tunesien

Soziale Situation Ungleiche Verteilung des Wohl­stands und hohe Arbeits­losig­keit

Die Lebenssituation der Tunesierinnen und Tunesier hat sich in den vergangenen Jahrzehnten in einigen Aspekten verbessert: Nahezu die gesamte Bevölkerung hat inzwischen Zugang zu sauberem Trinkwasser und Strom und es hat sich eine breite Mittelschicht herausgebildet.

Auf dem aktuellen Index der menschlichen Entwicklung der Vereinten Nationen (HDI (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen)) nimmt Tunesien Rang 97 von 191 Staaten ein – hinter Algerien (Rang 91), aber deutlich vor Marokko (Rang 123).

Doch der bisher erreichte Wohlstand ist ungleich verteilt. Vor allem die Regionen im Landesinneren profitieren noch nicht ausreichend von der Entwicklung. Die mit der Revolution 2011 verbundenen Hoffnungen auf bessere Lebensstandards und mehr soziale Sicherheit und Gerechtigkeit haben sich für viele Einwohnerinnen und Einwohner nicht erfüllt.

Immer wieder Streiks und Proteste

Eines der größten Probleme des Landes ist die hohe Arbeitslosigkeit. Nach offiziellen Angaben liegt die Arbeitslosenquote insgesamt bei etwa 17 Prozent (22 Prozent bei den Frauen, knapp 36 Prozent bei den 15- bis 24-Jährigen). Selbst unter den jungen Menschen mit Universitätsabschluss sind etwa 30 Prozent ohne Job. Das niedrige Wirtschaftswachstum reicht bei weitem nicht aus, um die Lage auf dem Arbeitsmarkt zu entspannen.

Die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie, mit starken Einbrüchen unter anderem in der Tourismus-, Automobil- und Textilbranche, haben die Situation verschärft und die Arbeitslosenzahlen weiter ansteigen lassen.

Für Unmut in der Bevölkerung sorgt auch die deutlich gesunkene Kaufkraft: So verlor der tunesische Dinar in den vergangenen Jahren massiv an Wert, während gleichzeitig die Lebenshaltungskosten stiegen, weil sich zum Beispiel Energie, Trinkwasser und Lebensmittel verteuerten. Die Unzufriedenheit äußert sich in wiederkehrenden Protesten und Streiks.