Theke eines Cafés in Tunesien

Soziale Situation Ungleiche Verteilung des Wohl­stands und hohe Arbeits­losig­keit

Die Lebenssituation der Tunesierinnen und Tunesier hat sich in den vergangenen Jahrzehnten in einigen Aspekten verbessert: Nahezu die gesamte Bevölkerung hat inzwischen Zugang zu sauberem Trinkwasser und Strom und es hat sich eine breite Mittelschicht herausgebildet.

Auf dem aktuellen Index der mensch­lichen Ent­wick­lung der Vereinten Nationen (HDI (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen)) nimmt Tunesien Rang 95 von 189 Staaten ein – hinter Algerien (Rang 91), aber deutlich vor Ägypten (Rang 116) und Marokko (Rang 121).

Doch der bisher erreichte Wohl­stand ist ungleich verteilt. Vor allem die Regionen im Landes­inneren profi­tieren noch nicht aus­reichend von der Ent­wick­lung. Die mit der Revo­lu­tion 2011 ver­bundenen Hoff­nungen auf bessere Lebens­standards und mehr soziale Sicher­heit und Gerech­tig­keit haben sich für viele Ein­wohne­rinnen und Einwohner nicht erfüllt.

Immer wieder Streiks und Proteste 

Eines der größten Probleme des Landes ist die hohe Arbeits­losig­keit. Nach offi­ziellen Angaben liegt die Arbeits­losen­quote ins­gesamt bei etwa 17 Prozent (22 Prozent bei den Frauen, knapp 36 Prozent bei den 15- bis 24-Jährigen). Selbst unter den jungen Menschen mit Uni­ver­si­täts­abschluss sind etwa 30 Prozent ohne Job. Das niedrige Wirt­schafts­wachs­tum reicht bei weitem nicht aus, um die Lage auf dem Arbeits­markt zu entspannen.

Die wirtschaft­lichen Folgen der Corona-Pandemie, mit starken Einbrüchen unter anderem in der Tourismus-, Auto­mobil- und Textil­branche, haben die Situation verschärft und die Arbeits­losen­zahlen weiter ansteigen lassen.

Für Unmut in der Bevölkerung sorgt auch die deutlich gesunkene Kauf­kraft: So verlor der tunesische Dinar in den vergangenen Jahren massiv an Wert, während gleich­zeitig die Lebens­haltungs­kosten stiegen, weil sich zum Beispiel Energie, Trink­wasser und Lebens­mittel ver­teuerten. Die Un­zu­frieden­heit äußert sich in wieder­kehrenden Protesten und Streiks.