Istanbul bei Nacht

Türkei Herausforderung Flucht gemeinsam meistern

Die Türkei ist ein wichtiges Bindeglied zwischen Europa und Asien sowie zur islamischen Welt. Sie zählt zu den Schwellenländern, deren Wirtschaft sich in den vergangenen Jahren sehr dynamisch entwickelt hat. Geopolitisch spielt die Türkei eine wichtige Rolle, da sie an mehrere Regionen grenzt, die immer wieder Spannungen ausgesetzt sind: den Balkan, die Kaukasus-Region sowie den Nahen und Mittleren Osten.

Die deutsche entwicklungspolitische Zusammenarbeit mit der Türkei begann im Jahr 1958 und wurde 2008 mit einer letzten Zusage abgeschlossen. Aktuell unterstützt Deutschland das Land bei der Versorgung der Menschen, die vor dem Krieg in Syrien in die Türkei geflohen sind. Eine Wiederaufnahme der regulären bilateralen Entwicklungszusammenarbeit ist nicht vorgesehen.

Girlande mit kleinen Fahnen der Türkei

Macht des Präsidenten stark ausgeweitet Interner Link

Mit Blick auf den angestrebten Beitritt zur Europäischen Union hatte die türkische Regierung ab 2002 zahlreiche Reformschritte in den Bereichen Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechte unternommen.

Syrische Flüchtlinge in einem Camp in Nizip, Türkei

Millionen Flüchtlinge aufgenommen Interner Link

Die Krise in Syrien bestimmt seit längerem die Innen- und Außenpolitik der Türkei. Verschiedene Grenzzwischenfälle und terroristische Anschläge haben gezeigt, dass sich der Konflikt unmittelbar auf die Sicherheit der Türkei auswirkt.

Deutsches Engagement Bildung und Beschäftigung

Die Bundesregierung hat die Türkei seit 2012 mit insgesamt rund 530 Millionen Euro bei der Versorgung der syrischen Flüchtlinge unterstützt. Davon entfallen rund 181 Millionen Euro auf die humanitäre Hilfe des Auswärtigen Amts. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) hat seit 2015 etwa 443 Millionen Euro zur Verfügung gestellt, um geflüchtete Menschen und türkische Kommunen, die Flüchtlinge aufgenommen haben, zu unterstützen (Stand November 2019).

Lehrerin und Schüler der UNICEF-Schule in Adana

Lehrerin und Schüler der UNICEF-Schule in Adana

Lehrerin und Schüler der UNICEF-Schule in Adana

Schulangebote und berufliche Bildung

Das Engagement des BMZ konzentriert sich auf die Bereiche Schulbildung, berufliche Ausbildung und Beschäftigungsförderung sowie auf die Stärkung des sozialen Zusammenhalts. Durch den Ausbau des Unterrichtsangebots soll verhindert werden, dass eine "verlorene Generation" syrischer Flüchtlingskinder heranwächst, die nur Krieg kennt und mangels Bildung keine positiven Lebensperspektiven entwickeln kann. Außerdem soll einer möglichen Radikalisierung von Jugendlichen vorgebeugt werden. Ein wichtiger Partner bei der Umsetzung ist das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF). 

Angebote zur beruflichen Qualifizierung sollen es den Flüchtlingen ermöglichen, sich eine selbstständige, von fremder Hilfe unabhängige Existenz aufzubauen. Die erlernten Fähigkeiten können zudem nach einer Rückkehr nach Syrien genutzt werden.

Job-Offensive

Die von Deutschland unterstützten Maßnahmen zur Beschäftigungsförderung richten sich sowohl an Geflüchtete als auch an Einheimische, die aufgrund des Flüchtlingszustroms Schwierigkeiten auf dem Arbeitsmarkt haben. Sie können ein schnell verfügbares Einkommen erzielen, indem sie im Rahmen sogenannter Cash-for-Work-Maßnahmen leichte Tätigkeiten in ihrer Gemeinde übernehmen, etwa Handwerksarbeiten, Aufgaben in der Abfallentsorgung oder bei der Instandhaltung von öffentlichen Gebäuden und Grünflächen.

Außerdem werden Löhne finanziert, vor allem für zusätzliches Lehrpersonal. Durch Beschäftigungsförderung sind in 2018 über 29.000 Jobs entstanden, davon 11.000 für syrische Lehrer, die den türkischen Mindestlohn erhalten und den Schulunterricht für über 250.000 syrische Kinder für ein komplettes Schuljahr sicherstellen.

Mehr Informationen zu Cash for Work und zur Beschäftigungsoffensive Nahost des BMZ finden Sie hier.

Europäisches Engagement

Die bilaterale Zusammenarbeit Deutschlands mit der Türkei erfolgt zusätzlich zum europäischen Engagement im Rahmen des EU-Türkei-Aktionsplans vom November 2015 und der EU-Türkei-Erklärung vom März 2016. Die Vorhaben werden eng abgestimmt, um Doppelstrukturen zu vermeiden und einen Mehrwert zu erzeugen.

Die Bundesrepublik beteiligt sich finanziell an der EU-Fazilität für Flüchtlinge in der Türkei und ist Mitglied in der Koordinierungsgruppe zur Umsetzung der Vereinbarungen zwischen der Europäischen Union und der Türkei.

Schulkinder in einem Flüchtlingscamp in der Türkei

Bildungsprogramm ermöglicht Schulbesuch und Freizeitaktivitäten Interner Link

Mehr als die Hälfte der syrischen Flüchtlinge in der Türkei sind Kinder und Jugendliche. Etwa 40 Prozent von ihnen haben derzeit keine Möglichkeit, an einem geregelten Schulunterricht teilzunehmen. Ihnen entgeht damit die Chance, wieder etwas Alltagsnormalität zurückzugewinnen und neue Perspektiven zu entwickeln.

Straßenszene in Öncüpinar an der türkisch-syrischen Grenze

Gemeinschaftszentren stärken den sozialen Zusammenhalt Interner Link

Die Mehrheit der syrischen Flüchtlinge in der Türkei lebt außerhalb offizieller Lager, meist in Städten und Dörfern im Südosten des Landes. Dort haben örtliche und internationale Nichtregierungsorganisationen Gemeinschaftszentren eröffnet, die Bildungs-, Beratungs- und Betreuungsangebote für Flüchtlinge bereitstellen.