Syrische Flüchtlinge in einem Camp in Nizip, Türkei

Folgen des Syrienkonflikts Millionen Flüchtlinge aufgenommen

Die Krise in Syrien bestimmt seit längerem die Innen- und Außenpolitik der Türkei. Verschiedene Grenzzwischenfälle und terroristische Anschläge haben gezeigt, dass sich der Konflikt unmittelbar auf die Sicherheit der Türkei auswirkt. Seit Juli 2015 führt die Regierung unter Präsident Erdoğan eigene militärische Operationen im Grenzgebiet zu Syrien durch.

Viele Menschen aus Syrien suchen im Nachbarland Türkei Schutz – oder erhoffen sich von dort aus eine sichere Weiterreise in die Europäische Union. Kein anderes Land hat so viel Flüchtlinge aus Syrien aufgenommen: Rund 3,6 Millionen Syrerinnen und Syrer waren im April 2020 in der Türkei registriert. [Einen aktuellen Überblick des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen (UNHCR) über die syrischen Flüchtlinge in der Region finden Sie hier (Externer Link) (englisch)].

Darüber hinaus sind mehr als 400.000 Menschen aus Afghanistan, Irak und Iran in die Türkei geflüchtet. Inzwischen wurde die Grenze für den Personenverkehr aus Syrien geschlossen. Einreisegenehmigungen gibt es nur noch aus humanitären Gründen, etwa in medizinischen Notfällen. Grundsätzlich leistet die Türkei für die über vier Millionen Flüchtlinge Enormes. Kein anderes Land in der Region begegnet den geflüchteten Syrern so offen und großzügig und hat staatliche Systeme (Schule, Arbeitsmarkt, Gesundheitswesen) für sie geöffnet.

Unterbringung in Gemeinden

Nur ein Bruchteil der syrischen Flüchtlinge lebt mittlerweile noch in staatlichen Aufnahmelagern. Die große Mehrheit ist in Gemeinden im Süden und Südosten der Türkei sowie in den wirtschaftlichen Ballungszentren wie Istanbul und Ankara untergekommen. Die Geflüchteten bekommen vom Staat Ausweispapiere, die ihnen zum Beispiel Zugang zu medizinischer Versorgung gewähren. Seit Februar 2016 können sie unter bestimmten Voraussetzungen auch eine Arbeitserlaubnis beantragen, bislang wurden allerdings erst rund 40.000 ausgestellt. Der überwiegende Teil der Flüchtlinge dürfte illegal beschäftigt sein und damit weder Anspruch auf den Mindestlohn noch auf eine Sozialversicherung haben.

In Zusammenarbeit mit der internationalen Gemeinschaft, Nichtregierungsorganisationen und privaten Initiativen unternimmt die Türkei große Anstrengungen, die Geflüchteten zu versorgen. Eine Herausforderung besteht darin, ausreichend Bildungsangebote zu schaffen. Mehr als die Hälfte der syrischen Flüchtlinge sind Kinder und Jugendliche im schulpflichtigen Alter.

Eine syrische Familie in einem Flüchtlingslager bei Nizip, Türkei

Eine syrische Familie in einem Flüchtlingslager bei Nizip, Türkei  

Eine syrische Familie in einem Flüchtlingslager bei Nizip, Türkei  

Konfliktrisiko steigt

Vor allem die soziale und wirtschaftliche Infrastruktur in der Grenzregion zu Syrien ist extrem belastet. Bislang hat die Aufnahme der Flüchtlinge keine größeren gesellschaftlichen Konflikte ausgelöst. Experten sagen der Türkei jedoch schlechtere wirtschaftliche Aussichten und einen weiteren Anstieg der Arbeitslosigkeit und der Inflation voraus. Es ist daher zu befürchten, dass die Spannungen zwischen der einheimischen Bevölkerung und den Geflüchteten vor allem im strukturschwachen Südosten der Türkei zunehmen könnten.