Blickt auf Freetown, die Hauptstadt von Sierra Leone

Sierra Leone Reformkurs unter schwierigsten Voraus­setzung­en

Sierra Leone befindet sich auf einem ermutigenden Weg der politischen Stabilisierung und Demokratisierung. Seit Ende des Bürgerkriegs 2002 haben regelmäßig friedliche und faire Wahlen stattgefunden. Die seit 2018 amtierende Regierung unter Präsident Julius Maada Bio verfolgt eine entwicklungsorientierte Reformpolitik, die auch die Zivilgesellschaft einbindet.

Das Land gilt als gutes Beispiel für eine international begleitete Konfliktlösung und den erfolgreichen Wiederaufbau staatlicher und gesellschaftlicher Strukturen. Die extrem schwierige soziale Lage, regelmäßig auftretende Hungersnot und die prekäre Ernährungssituation sowie die große Armut der Bevölkerung bleiben jedoch ein Risiko für die politische Stabilität und den sozialen Frieden.

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Werbeschild an der Landesgrenze von Sierra Leone

Die jüngere Geschichte Sierra Leones ist mit großem Leid verbunden. Von 1991 bis 2002 herrschte in dem westafrikanischen Land ein Bürgerkrieg, der als einer der gewalttätigsten und brutalsten Konflikte der vergangenen Jahrzehnte innerhalb Afrikas gilt. Zehntausende Menschen wurden getötet oder schwer verletzt, Kinder wurden verschleppt und zum Kämpfen gezwungen, Mädchen und Frauen wurden Opfer sexualisierter Gewalt, 60 Prozent der Bevölkerung waren auf der Flucht. Die Infrastruktur des Landes wurde weitgehend zerstört.

Nur zwölf Jahre nach Ende des Bürgerkriegs, brach in Sierra Leone 2014 eine Ebola-Epidemie aus – mit katastrophalen Auswirkungen auf Wirtschaft und Gesellschaft. Das Land hat sich davon noch nicht erholt und wird nun durch die Corona-Pandemie in seiner Entwicklung erneut zurückgeworfen. Auf dem aktuellen Index der menschlichen Entwicklung der Vereinten Nationen (HDI (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen)) belegt Sierra Leone Platz 181 von 191 ausgewerteten Ländern.


Deutsche Ent­wick­lungs­zusam­menarbeit mit Sierra Leone

Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) unterstützt Sierra Leone seit 2006 im Rahmen seines Regionalansatzes „Fragile Staaten Westafrikas“. Schwerpunkte der bilateralen Zusammenarbeit sind

  • das Kernthema „Ausbildung und nachhaltiges Wachstum für gute Jobs“ sowie
  • das Initiativthema „Gesundheit, Pandemiebekämpfung und One Health“.

Seit 2010 hat Deutschland den Wiederaufbau des Landes mit insgesamt 136,31 Millionen Euro gefördert. Die jüngste Zusage in Höhe von zehn Millionen Euro erfolgte im Rahmen einer Reise des damaligen Bundesentwicklungsministers Gerd Müller nach Sierra Leone im Juni 2021. Zusätzliche Mittel erhielt das Land im Zuge der Ebola-Epidemie 2014/15 aus dem Sonderprogramm „Gesundheit in Afrika“.

Darüber hinaus fördert das BMZ mit einem Regionalvorhaben eine verantwortungsvolle Rohstoffpolitik in den fragilen Staaten Westafrikas. Die Mitglieder der Mano River Union (neben Sierra Leone auch Guinea, Liberia und Côte d’Ivoire) werden dabei unterstützt, mehr staatliche Einnahmen aus Rohstoffen zu erzielen, die Arbeits- und Produktionsbedingungen in diesem Wirtschaftsbereich zu verbessern, die Tätigkeiten der Bergbaufirmen wirksamer zu kontrollieren und die Transparenz der Zahlungsströme zu erhöhen.

Deutschland unterstützt außerdem die Arbeit zahlreicher Nichtregierungsorganisationen (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) in Sierra Leone, insbesondere in den Bereichen Bildung und Ausbildung, Gesundheit, Mädchen- und Frauenrechte sowie Landrechte.

Kokosnussverkäufer am Fähranleger Lakka Beach

Kernthema “Ausbildung und nachhaltiges Wachstum für gute Jobs” Infrastruktur aufbauen, lokale Wirt­schaft fördern Interner Link

Ziel des deutschen Engagements in diesem Bereich ist es, Beschäftigungs- und Einkommensmöglichkeiten insbesondere für die junge Bevölkerung in ländlichen Gebieten zu schaffen. Um die lokale Wirtschaft anzukurbeln, fördert die deutsche Entwicklungszusammenarbeit ausgewählte Wertschöpfungsketten wie Kakao und Kaffee, Reis und die Viehwirtschaft.

Patientin im Princess Christian Hospital in Freetown, Sierra Leone

Initiativthema “Gesundheit, Pandemiebekämpfung und One Health Gesundheitssystem stärken, Infek­tionen vor­beugen Interner Link

Die Gesundheitsversorgung in Sierra Leone weist erhebliche Mängel auf. Die Gesundheitsdienste sind unterfinanziert, es fehlt an medizinischem Fachpersonal und technischer Ausstattung.

Aktuelle Situation

Der Präsident von Sierra Leone, Julius Maada Bio
strassenszene freetown
Werbeschild an der Landesgrenze von Sierra Leone