Blickt auf Freetown, die Hauptstadt von Sierra Leone

Sierra Leone

Sierra Leone ist eines der ärmsten Länder Westafrikas und zählt zu den zehn am wenigsten entwickelten Ländern der Welt. Die Ernährungsunsicherheit ist hoch. Unzureichende Infrastruktur, schwache institutionelle Strukturen, Governance-Defizite und autoritäre Tendenzen hemmen die Entwicklung des Landes. Das Land ist noch immer vom Bürgerkrieg und seinen Folgen gezeichnet. Zwischen 1991 und 2002 forderte der Krieg circa 50.000 Tote, die Infrastruktur wurde um Jahrzehnte zurückgeworfen. Die Ebola-Epidemie 2014/15 sowie die Covid-Pandemie haben das Land zusätzlich geschwächt.

Das westafrikanische Land gilt grundsätzlich als gutes Beispiel für eine international begleitete Konfliktlösung und den erfolgreichen Wiederaufbau staatlicher und gesellschaftlicher Strukturen. Der seit 2018 amtierende Präsident Julius Maada Bio verfolgt eine entwicklungsorientierte Reformpolitik, die auch die Zivilgesellschaft (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) einbindet. Auch die aktuelle Entwicklungsstrategie „Medium Term National Development Plan 2024-2030“ gibt Anlass zur Hoffnung. Daraus ist die „big 5“-Agenda entstanden, bei der das Ernährungssicherungs-Programm „Feed Salone“ (= Sierra Leone) im Mittelpunkt steht: es geht um die Stärkung der Landwirtschaft, so dass bis 2030 die Fähigkeit zur Selbstversorgung erreicht werden kann.

Foto einer Gruppe Menschen vor einer Grundschule in Sierra Leone

Pressemitteilung Sichere Ernährung – stark fürs Leben: Entwicklungsministerin Alabali Radovan reist nach Sierra Leone Interner Link

22. Januar 2026 |

Entwicklungsministerin Reem Alabali Radovan: „Die Entwicklungspolitik setzt dort an, wo Armut und Hunger Zukunft rauben. Das ist Schwerpunkt Nummer Eins meiner Arbeit. Besonders Kinder und Jugendliche brauchen Entwicklungsperspektiven.“ (...)

Die Präsidentschafts- und Parlamentswahlen seit Ende des Bürgerkrieges wurden von internationalen Beobachtenden als fair und ordnungsgemäß eingeschätzt, bis auf die Wahlen im Jahr 2023, die umstritten sind. Durch die Vermittlung von Commonwealth und Westafrikanischer Wirtschaftsgemeinschaft (ECOWAS (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen)) kamen Regierung und Opposition wieder ins Gespräch und unterzeichneten im Oktober 2023 eine Erklärung zur nationalen Einheit. Daraus resultierte unter anderem die Gründung einer überparteilichen Wahlkommission sowie die Überprüfung der Wahlen von 2023 auf allen drei Ebenen (Präsidentschaft, Parlament, Kommunen). Die Empfehlungen dieser Kommission liegen vor und die Umsetzung hat begonnen.

Die innenpolitischen Spannungen scheinen jedoch fortzubestehen: Am 26. November 2023 kam es laut Regierung zu einem versuchten Staatsstreich. Die extrem schwierige soziale Lage, die große Armut der Bevölkerung und die heikle Ernährungssituation mit regelmäßig auftretenden Hungersnöten bleiben Risiken für die politische Stabilität und den sozialen Frieden.

Sierra Leone ist seit 2021 bilaterales Partnerland (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) der deutschen Entwicklungszusammenarbeit. Es ist Deutschlands erklärtes Ziel, die ärmsten Menschen besonders zu unterstützen, gerade auch in einer Zeit, in der sich andere ehemals wichtige Akteure aus diesem Bereich zurückziehen.

Frieden noch nicht ausreichend gefestigt

Die jüngere Geschichte Sierra Leones ist mit großem Leid verbunden: Von 1991 bis 2002 herrschte in dem westafrikanischen Land ein Bürgerkrieg, der als einer der gewalttätigsten und brutalsten Konflikte der vergangenen Jahrzehnte innerhalb Afrikas gilt. Zehntausende Menschen wurden getötet oder schwer verletzt, Kinder wurden verschleppt und zum Kämpfen gezwungen, Mädchen und Frauen wurden Opfer sexualisierter Gewalt, 60 Prozent der Bevölkerung waren auf der Flucht. Die Infrastruktur des Landes wurde weitgehend zerstört.

Nur zwölf Jahre nach Ende des Bürgerkriegs brach in Sierra Leone 2014 eine Ebola-Epidemie aus – mit katastrophalen Auswirkungen auf Wirtschaft und Gesellschaft. Das Land hatte sich davon noch nicht erholt, als 2020 die Corona-Pandemie die Entwicklung zusätzlich belastete. Auch die Auswirkungen des russischen Angriffskriegs in der Ukraine verschärfen die große Armut.

Im aktuellen Index der menschlichen Entwicklung der Vereinten Nationen (HDI (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen)) belegt Sierra Leone Platz 185 von 193 ausgewerteten Ländern. Über 20 Jahre nach dem Ende des Krieges haben sich die friedensfördernden Strukturen noch nicht ausreichend verfestigt, um einen Rückfall in organisierte Massengewalt auszuschließen.

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Deutsche Entwicklungszusammenarbeit mit Sierra Leone

Sierra Leone ist seit 2021 bilaterales Partnerland der deutschen Entwicklungszusammenarbeit. Es ist Deutschlands erklärtes Ziel, die ärmsten Menschen besonders zu unterstützen, gerade auch in einer Zeit, in der sich andere ehemals wichtige Akteure aus diesem Bereich zurückziehen. Die Zusammenarbeit konzentriert sich auf folgende Kernthemen:

  • Nachhaltige Wirtschaftsentwicklung, Ausbildung und Beschäftigung
    Aktionsfelder: Berufliche Bildung, Privatsektor- und Finanzsystementwicklung
  • Gesundheit, Soziale Sicherung und Bevölkerungspolitik
    Aktionsfeld: Gesundheit, Pandemiebekämpfung und One Health (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen)

Außerdem gibt es ein Engagement zu Erneuerbaren Energien und Energieeffizienz – Zugang zu modernen Energiedienstleistungen (unter anderem verbesserte Kochherde, Solar-Photovoltaik-Installationen).

Seit 2010 unterstützt Deutschland den Wiederaufbau des Landes nach dem Bürgerkrieg. Um den Frieden zu festigen und Jugendliche schnell in Beschäftigung zu bringen, engagiert sich das Bundesentwicklungsministerium (BMZ) vor allem in den Bereichen berufliche Bildung, Privatsektorförderung und ländliche Infrastruktur.

Seitdem sind mehr als 50.000 Jugendliche in unterschiedlichsten beruflichen Fähigkeiten aus- und fortgebildet worden und konnten ihr Einkommen steigern. Rund 1.000 Hektar Anbauflächen für Reis wurden wiederhergestellt und tragen nun zur Ernährungssicherung bei. Gefördert wurde außerdem der Bau von Tiefbrunnen, Reismühlen und Getreidespeichern mit Solaranlagen sowie die Sanierung von Märkten und ländlichen Zufahrtswegen.

Bei Regierungsverhandlungen im Oktober 2025 erhielt Sierra Leone Zusagen in Höhe von 28,2 Millionen Euro, um die Projekte in den genannten Kernthemen fortzusetzen.

Neben der bilateralen Zusammenarbeit fördert das BMZ mit einem Regionalvorhaben eine verantwortungsvolle Rohstoffpolitik und Lieferketten in Westafrika. Die Mitgliedsstaaten der Mano River Union (Sierra Leone, Guinea, Liberia und Côte d’Ivoire) werden dabei unterstützt, mehr staatliche Einnahmen aus Rohstoffen zu erzielen, die Arbeits- und Produktionsbedingungen in diesem Wirtschaftsbereich zu verbessern, die Tätigkeiten der Bergbaufirmen wirksamer zu kontrollieren und die Transparenz der Zahlungsströme zu erhöhen.

Deutschland unterstützt außerdem die Arbeit zahlreicher Nichtregierungsorganisationen (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) in Sierra Leone, insbesondere in den Bereichen Bildung und Ausbildung, Gesundheit, Mädchen- und Frauenrechte sowie Landrechte.

Kokosnussverkäufer am Fähranleger Lakka Beach

Kernthema „Nachhaltige Wirtschaftsentwicklung, Ausbildung und Beschäftigung“ Ländliche Infrastruktur und Wertschöpfungsketten aufbauen Interner Link

Ziel des deutschen Engagements in den Aktionsfeldern Berufliche Bildung sowie Privatsektor- und Finanzsystementwicklung ist es, die Ausbildung und Beschäftigung von Jugendlichen zu fördern, Einkommen zu verbessern, ländliche Wertschöpfungsketten (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) aufzubauen (Gemüse, Kakao, Kaffee, Geflügelfutter und Cassava) und dabei auch die sozialen und ökologischen Aspekte der Wirtschaftsentwicklung zu berücksichtigen.

Patientin im Princess Christian Hospital in Freetown, Sierra Leone

Kernthema „Gesundheit, Soziale Sicherung und Bevölkerungsdynamik“ Gesundheitssystem stärken, Infektionen vorbeugen Interner Link

Die Gesundheitsversorgung in Sierra Leone weist erhebliche Mängel auf. Die Gesundheitsdienste sind unterfinanziert, es fehlt an medizinischem Fachpersonal und technischer Ausstattung. Als Reaktion auf die Ebola-Epidemie 2014/15 fördert das BMZ Projekte, die das Gesundheitssystem stärken und die Epidemieprävention im Sinne von One Health (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) verbessern.

Aktuelle Situation

Entwicklungspolitische Kennzahlen

  • Sierra Leone
  • Deutschland

Allgemeine Informationen

Hinweise für die Nutzung

Klicken Sie sich durch die oben angeordneten verschiedenen Rubriken und finden Sie aktuelle Zahlen aus Sierra Leone sowie – zum Vergleich – aus Deutschland.

Weitere Informationen zu den einzelnen Daten und die Quellenangabe können Sie mithilfe des i-Zeichens abrufen.

Sierra Leone Hauptstadt Freetown

Gesamtbevölkerung

in Millionen (2024)
8,64
83,52

Fläche

in Quadratkilometern
72.300
357.680

Rang im HDI

Index der menschlichen Entwicklung (HDI), 193 Länder (Ränge können mehrfach belegt sein)
184
YE
Flagge von Jemen
185
SL
Flagge von Sierra Leone
186
BF
Flagge von Burkina Faso
4
DK
Flagge von Dänemark
5
DE
Flagge von Deutschland
5
SE
Flagge von Schweden

Stand: 21.01.2026