Spiegelung des Doms des Heiligen Savas in Belgrad, Serbien

Serbien Auf dem Weg in die Europäische Union

In den vergangenen 30 Jahren hat die Bevölkerung Serbiens beträchtliche politische Um­wälzungen erlebt: den Zerfall der sozialistischen Republik Jugoslawien, die damit einhergehenden Kriege und die internationale Isolation durch die Staaten­ge­mein­schaft, schließlich 2006 die Los­lösung Montenegros von Serbien und 2008 die Un­ab­hängig­keits­er­klä­rung der Provinz Kosovo. Seit 2000 durchläuft das Land auf dem Westbalkan einen Trans­for­ma­tions­pro­zess von einem sozialistischen Staat zu einer markt­wirt­schaftlich orientierten Demokratie.

Die serbische Regierung ist mit umfassenden politischen, sozialen und wirtschaftlichen Herausforderungen konfrontiert. Dazu zählen Defizite bei der Rechtsstaatlichkeit, die hohe Arbeitslosigkeit sowie Unterbeschäftigung, große Armut, noch verschärft unter benachteiligten Gruppen, und die Abwanderung von Fachkräften.

Die größte Entwicklungschance für das Land bietet der Beitritt zur Europäischen Union – das strategische Ziel der serbischen Regierung. Im Januar 2014 hat die Europäische Union Beitrittsverhandlungen mit Serbien aufgenommen. Voraussetzung dafür war der 2013 erfolgte Abschluss einer Vereinbarung über die Normalisierung der Beziehungen zwischen Serbien und Kosovo. Während zahlreiche Staaten, darunter auch Deutschland, die staatliche Un­ab­hän­gig­keit Kosovos anerkannt haben, lehnt Serbien diese ab.

Ein Wahllokal bei Regionalwahlen in Serbien

Reformorientierte Regierung, schwache Opposition Interner Link

Die enge Einbindung Serbiens in internationale Strukturen ist eine wichtige Voraussetzung für eine friedliche und nachhaltige Entwicklung der Balkanregion.

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller beim Besuch einer Roma-Siedlung in Belgrad, 2015

Schlechte Berufsaussichten für junge Menschen Interner Link

Armut bleibt in Serbien ein drängendes gesellschaftliches Problem: Nach Angaben der Weltbank leben etwa 25 Prozent der Bevölkerung unterhalb der nationalen Armutsgrenze.

Syrische Flüchtlinge an der serbisch-ungarischen Grenze im August 2015

Herkunfts- und Transitland Interner Link

Serbien ist Transitland für Flüchtlinge, die in Griechenland das europäische Festland erreichen und nach Westeuropa weiterreisen. 2015 kamen mehr als 760.000 Flüchtlinge über die sogenannte Balkanroute.

Belgrad bei Nacht

Hoffen auf ausländische Investitionen Interner Link

Die politischen Umwälzungen der beiden vergangenen Jahrzehnte führten auch in der serbischen Wirtschaft zu einschneidenden Veränderungen.

Die Freiheitsbrücke über die Donau bei Novi Sad, Serbien

Wichtiger Markt in Südosteuropa Interner Link

Serbien zählt zu den wichtigsten Märkten in Südosteuropa. Seine gute logistische Anbindung und wettbewerbsfähige Löhne bieten dem Land die Chance, sich einen Namen als Fertigungsstandort für Zulieferindustrien, etwa der Automobilbranche, zu machen.

Deutsche Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit mit Serbien

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller bei einem Treffen mit Schülern der Gewerbeschule in Pecinci, Serbien, 28.05.2015

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller im Mai 2015 bei einem Treffen mit Schülern der Gewerbeschule in Pecinci, Serbien

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller im Mai 2015 bei einem Treffen mit Schülern der Gewerbeschule in Pecinci, Serbien

Serbien spielt für die politische Stabilität auf dem Balkan eine entscheidende Rolle und ist das zentrale Partnerland der deutschen Entwicklungszusammenarbeit in Südosteuropa.

Die Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Serbien hat sich seit ihrem Beginn im Jahr 2000 schrittweise gewandelt: Standen nach den Kriegen in der Region zunächst Soforthilfemaßnahmen im Vordergrund, konzentriert sich die Kooperation inzwischen auf die langfristige Stabilisierung und EU-Annäherung des Landes.

Bei Regierungsverhandlungen im September 2017 sagte Deutschland 103,5 Millionen Euro für die Jahre 2017 und 2018 zu.

Übergeordnetes Ziel ist die Unterstützung Serbiens auf dem Weg in die EU. Im Mittelpunkt des deutschen Engagements steht die 2016 gestartete "Deutsch-serbische Initiative für nachhaltiges Wachstum und Beschäftigung". Sie bildet das Dach der entwicklungspolitischen Zusammenarbeit.

Die drei Schwerpunkte für die entwicklungspolitische Zusammenarbeit sind:

  • Nachhaltige Wirtschaftsentwicklung
  • Demokratie, Zivilgesellschaft und öffentliche Verwaltung
  • Umweltpolitik, Schutz und nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen

Über das BMZ-Programm "Perspektive Heimat" werden seit Frühjahr 2017 Startchancen für Migrantinnen und Migranten geschaffen, die aus Deutschland zurückkehren. Sie erhalten Angebote zur Aus- oder Weiterbildung und Unterstützung bei der Arbeitssuche. Auch junge Menschen in Serbien, die über eine Migration nachdenken, werden beraten, wie sie sich eine Existenz im eigenen Land aufbauen können. 

Geschäftsstraße in Belgrad

Förderung von Wachstum und Beschäftigung Interner Link

Inhaltlich konzentriert sich die deutsch-serbische Zusammenarbeit auf die Themen Privatwirtschaftsförderung, Finanzsystementwicklung sowie Berufsbildung und Arbeitsmarkt.

Rathaus in Novi Sad

Bessere Lebensbedingungen dank bürgerorientierter Verwaltung Interner Link

Gute Regierungsführung ist ein wichtiger Aspekt bei den EU-Beitrittsverhandlungen. Die Kapitel zu Justiz und Grundrechten sowie zu Recht, Freiheit und Sicherheit werden seit Juli 2016 zwischen der EU und Serbien verhandelt.

Donau-Wasserkraftwerk Eisernes Tor an der Grenze zwischen Serbien und Rumänien

Schutz von Umwelt und Gesundheit durch Kläranlagen und erneuerbare Energien Interner Link

Im Umwelt-, Klima- und Gesundheitsschutz hat Serbien großen Nachholbedarf. Es mangelt an Kläranlagen, der größte Teil des Abfalls wird auf ungesicherten Müllkippen abgelagert, Energie wird größtenteils aus Braunkohle und Mineralöl gewonnen, die Treibhausgasemissionen sind hoch.