Ansicht von Sarajewo bei Sonnenuntergang

Bosnien und Herzegowina Staat auf der Suche nach einer Identität

Bosnien und Herzegowina ist ein Nachfolgestaat der ehemaligen Republik Jugoslawien. Die Bevölkerung des Landes musste für ihre Eigenstaatlichkeit einen hohen Preis bezahlen: Kurz nach einem Referendum im März 1992, bei dem sich mehr als 60 Prozent der Wählerinnen und Wähler für die Unabhängigkeit aussprachen, begann ein Krieg, der bis 1995 andauerte.

Erst die Intervention der Vereinten Nationen und der NATO beendeten den Konflikt. Im November 1995 gaben die Kriegsparteien ihre Zustimmung zum Friedensabkommen von Dayton, das unter Beteiligung der Europäischen Union und der USA zustande kam. Die Verfassung des Landes ist in diesem Friedensabkommen festgelegt.

Seitdem besteht Bosnien und Herzegowina aus zwei autonomen Teilen (Entitäten) – der Bosnisch-Kroatischen Föderation (FBiH) und der Serbischen Republik (Republika Srpska, RS). Dem Grenzdistrikt um die Stadt Brčko wurde ein Sonderstatus verliehen. Verbunden sind die Landesteile durch eine gemeinsame Zentralregierung, die jedoch nur eingeschränkte Befugnisse hat. 

Beziehungen Deutschlands zu Bosnien und Herzegowina

Deutschland und Bosnien-Herzegowina verbinden seit langem enge politische, wirtschaftliche und kulturelle Beziehungen. Die Bundesrepublik ist einer der größten bilateralen Geber für Bosnien und Herzegowina und einer der wichtigsten außenpolitischen Partner und Für­sprecher des Balkanlandes in der Europäischen Union. So hat die enge Zusammenarbeit mit Deutschland geholfen, den wirtschaftlichen und sozialen Reformprozess des Landes zu fördern und das Land auf seinem Weg der Annäherung an die EU voranzubringen: Das Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommen mit der EU trat am 1. Juni 2015 in Kraft, am 15. Februar 2016 hat Bosnien und Herzegowina offiziell den EU-Beitritt beantragt. 

Transformationspartner

Bosnien und Herzegowina ist ein Trans­for­ma­tions­partner (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen)  der deutschen Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit. Durch diese Form der Partner­schaft unterstützt die Bundes­republik gezielt die politischen und ökonomischen Trans­for­ma­tions­pro­zesse in der EU-Nach­barschaft.

Das deutsche Engagement in Bosnien und Herzegowina konzentriert sich auf den Bereich nachhaltige Wirt­schafts­ent­wicklung sowie auf die Förderung der erneuerbaren Energie und Energieeffizienz.


Ein Schild, das vor einer Landmine warnt. In Bosnien und Herzegowina gibt es mehr als 25 Jahre nach Ende des Bürgerkriegs immer noch rund tausend Quadratkilometer Minenfelder.

Demokratischer Neuanfang in schwierigem Kontext Interner Link

Die größte gesellschaftliche Her­aus­for­de­rung besteht in Bosnien und Herzegowina darin, den Menschen eine Perspektive für friedliches Zusammen­leben zu bieten.

Eine Verkäuferin in einem Imbiss

Chancenungleichheit für Frauen und Roma Interner Link

Rechtsprechung, Bildung und Medien orien­tieren sich vor allem an der je­weils ei­ge­nen eth­ni­schen Gruppe, eine über­grei­fen­de, ge­samt­staat­liche Iden­ti­tät gibt es nicht.

Bank in der Kleinstadt Sanski Most

Schwieriges Umfeld für Investitionen Interner Link

Während des Krieges kam die Wirtschaft von Bosnien und Herzegowina fast zum Erliegen. Bis heute gehört sie zu den schwächsten Volkswirtschaften Europas. 

Deutsche Entwicklungszusammenarbeit mit Bosnien-Herzegowina

Die ursprünglich für November 2018 vorgesehen Regierungsgespräche wurden wegen Wahlen im Land und der bis Ende 2019 andauernden Regierungsbildung abgesagt; später mussten sie aufgrund der Covid-19-Krise weiter verschoben werden.

Im Jahr 2020 erfolgte eine Zwischenzusage in Höhe von elf Millionen Euro. Als Reaktion auf die Coronakrise wurde unter anderem eine deutsche Zusage für den Europäischen Fonds für Bosnien und Herzegowina in Höhe von fünf Millionen Euro gegeben.  

Für 2021 sind außerplanmäßige Regierungsgespräche mit weiteren Zusagen für Unterstützung bei der Bewältigung der Coronakrise vorgesehen. Ab 2022 werden dann Re­gie­rungs­ver­hand­lungen im vor­ge­sehenen Zwei­jahres­rhythmus statt­finden. 
Die Schwer­punkte des deutschen Engagements liegen auf Energie und nachhaltiger Wirt­schafts­ent­wick­lung.

Nach dem neuen Themenmodell der deutschen Entwicklungszusammenarbeit gehören diese Schwerpunkte zu folgenden Kernthemen:

  • Verantwortung für unseren Planeten – Klima und Energie
  • Ausbildung und nachhaltiges Wachstum für gute Jobs
Der Fluss Vrbas

Kernthema Verantwortung für unseren Planeten – Klima und Energie  Stabile und nachhaltige Energieversorgung Interner Link

Eine leistungsfähige Energieversorgung ist eine wichtige Voraussetzung für die stabile wirtschaftliche und finanzielle Entwicklung von Bosnien und Herzegowina.

Mitarbeiterin bei dem Automobilzulieferer Veritas in Sarajevo, Bosnien und Herzegowina. Hier werden unter anderem Leitungen für Audi und VW produziert.

Kernthema Ausbildung und nachhaltiges Wachstum für gute Jobs Wettbewerbsfähigkeit steigern, lokale Ent­wick­lung fördern Interner Link

Um die soziale Marktwirtschaft in Bosnien und Herzegowina weiterzuentwickeln, fördert die Bundesregierung die lokale und regionale Wirtschaft sowie Selbstverwaltung. Dabei werden die regionalen Entwicklungs- und Wirtschaftsförderungsagenturen weiterhin beratend unterstützt.