Ein Motorboot fährt durch den Hafen von Khulna, Bangladesch

Bangladesch Dynamisches Land mit großen Herausforderungen

Das Leben in Bangladesch wird vom Wasser bestimmt: Die Flüsse Padma (Ganges), Jamuna (Brahmaputra) und Meghna bilden die Existenzgrundlage der Menschen. Das nur wenige Meter über dem Meeresspiegel liegende Tiefland bringt durch den Wasserreichtum und die fruchtbaren Böden jährlich mehrere Ernten hervor.

Vom Wasser gehen aber auch große Gefahren aus. Monsunregen, Hochwasser und Wirbelstürme aus dem Golf von Bengalen führen immer wieder zu Überflutungen und forderten in den vergangenen Jahrzehnten zahllose Todesopfer. Heute bieten Schutzhäuser den Menschen bei Überschwemmungen mehr Sicherheit, die Zerstörung der Infrastruktur und der Ernte können sie jedoch nicht verhindern.

In Zukunft werden sich diese Wetterphänomene voraussichtlich noch verstärken. Bangladesch bemüht sich deshalb intensiv um internationale Unterstützung bei der Anpassung an den Klimawandel und sieht sich als Sprecher der davon besonders betroffenen Länder.

Bangladesch ist das bevölkerungsreichste der sogenannten Least Developed Countries (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) (am wenigsten entwickelte Länder, LDCs). Das Land hat in den vergangenen Jahrzehnten bemerkenswerte Fortschritte erzielt, seine Wirtschaft entwickelt sich dynamisch. Setzt sich die positive Entwicklung fort, wird Bangladesch voraussichtlich im Jahr 2024 in die Kategorie Moderately Developed Countries (mäßig entwickelte Länder, MDCs) aufsteigen.

Entwicklungszusammenarbeit

Die Beziehungen zwischen Bangladesch und Deutschland sind freundschaftlich. Die Bundesrepublik ist nach den USA der zweitwichtigste Exportmarkt des südasiatischen Landes. Als langjähriger und verlässlicher Partner in der Entwicklungszusammenarbeit genießt Deutschland großes Ansehen.

Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) unterstützt Bangladesch vor allem in den Bereichen erneuerbare Energien und Energieeffizienz, gute Regierungsführung, Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechte, Verbesserung der Sozial- und Umweltstandards in der Textilindustrie sowie Anpassung an den Klimawandel.

Parlamentsgebäude in Dhaka, Bangladesch

Demokratische Strukturen in Gefahr Interner Link

Bangladesch spaltete sich 1971 von Pakistan ab. Nach einer politisch unruhigen Zeit mit autokratischen Regierungen und einer Reihe von Putschen gelang dem Land 1991 die Rückkehr zur parlamentarischen Demokratie.

Straßenszene in Dhaka, der Hauptstadt von Bangladesch

Das Wachstum erreicht nicht alle Interner Link

In Bangladesch leben mehr als 160 Millionen Menschen auf einer Fläche von nur 148.000 Quadratkilometern (etwa 40 Prozent der Fläche Deutschlands). Damit ist Bangladesch der Flächenstaat mit der weltweit höchsten Bevölkerungsdichte.

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller beim Besuch der Textilfabrik Tivoli Apparels Ltd. in Dhaka, Bangladesch, am 25. Februar 2020

Land im Aufschwung Interner Link

Seit den 1990er Jahren wächst die Wirtschaft Bangladeschs. In den vergangenen zehn Jahren lag die jährliche Wachstumsrate nahezu konstant bei sechs Prozent oder darüber, 2018 wurde ein Plus von 7,9 Prozent erzielt. Auch für 2019 und die folgenden Jahre rechnet die Weltbank mit Wachstum.

Reisernte in Mongla, im Südwesten von Bangladesch

Wirtschaftswachstum und Klimawandel bedrohen Ressourcen Interner Link

Die zunehmenden Umweltschäden in Bangladesch sind unter anderem die Folge von Naturkatastrophen, der großen Bevölkerungsdichte und Armut. Durch Bodenerosion und Abholzung werden große Flächen zerstört.

Deutsche Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit mit Bangladesch


Bundesentwicklungsminister Gerd Müller bei seinem Gespräch mit der Premierministerin von Bangladesch, Sheikh Hasina

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller bei einem Gespräch mit Sheikh Hasina, der Premierministerin von Bangladesch, im Februar 2020

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller bei einem Gespräch mit Sheikh Hasina, der Premierministerin von Bangladesch, im Februar 2020

Mit einem Volumen von rund drei Milliarden Euro seit Beginn der Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit ist Deutschland ein wichtiger bilateraler Geber für Bangladesch. Für die Jahre 2017 und 2018 hat die Bundesregierung Bangladesch insgesamt 221,4 Millionen Euro zugesagt. Darüber hinaus erfolgte 2019 eine Zwischenzusage über 85 Millionen Euro.

Die Kooperation der beiden Staaten konzentriert sich gegenwärtig auf die folgenden drei Schwerpunktbereiche:

  • Erneuerbare Energien und Energieeffizienz
  • Gute Regierungsführung, Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechte
  • Anpassung an den Klimawandel in städtischen Gebieten
Solaranlage, die eine Grundwasserpumpe betreibt.

Kostendeckende und umweltfreundliche Stromversorgung sicherstellen Interner Link

Mit zunehmender industrieller Produktion verschärft sich die bestehende Energiekrise in Bangladesch. Versorgungsengpässe führen zu häufigen Stromausfällen, die überlastete und veraltete Infrastruktur hemmt die wirtschaftliche Entwicklung. Gleichzeitig hat sich Bangladesch im Rahmen des Pariser Klimaabkommens dazu verpflichtet, seinen Kohlendioxid-Ausstoß zu reduzieren. Dazu will das Land verstärkt erneuerbare Energien einsetzen und die Infrastruktur zur Energieübertragung modernisieren und ausbauen.

Ein Mann transportiert Jeans auf einer Rikscha

Sozialstandards und unabhängige Justiz stärken Interner Link

Die Lage der Menschenrechte in Bangladesch gibt Anlass zur Sorge. Grundrechtsverletzungen werden nicht hinreichend konsequent und effektiv verfolgt. Zudem sind die Bürgerinnen und Bürger noch nicht ausreichend über ihre Rechte informiert. Fortschritte hat es bei den Rahmenbedingungen gegeben: Bangladesch hat alle internationalen Menschenrechtsabkommen ratifiziert, 2010 auch als erster Staat Südasiens das Statut des Internationalen Strafgerichtshofs.

Arbeiter beim Bau einer neuen Dammstraße in Khulna

Auf Klimarisiken vorbereitet sein Interner Link

Bangladesch gehört zu den Ländern, die am stärksten von den Folgen des Klimawandels betroffen sind. Bei anhaltender Klimaerwärmung wird im Golf von Bengalen bis zum Jahr 2050 mit einem deutlichen Anstieg des Meeresspiegels und dem Verlust von etwa einem Zehntel der Landesfläche gerechnet. Laut Schätzungen könnte dies zur Migration von etwa 15 Millionen Menschen und insbesondere zu einem starken Zuzug in die großen Städte des Landes führen.

Luftaufnahme des Flüchtlingslagers Kutupalong in Bangladesch, in dem Rohingya leben, die aus Myanmar vertrieben wurden.

Luftaufnahme des Flüchtlingslagers Kutupalong in Bangladesch, in dem Rohingya leben, die aus Myanmar vertrieben wurden.

Luftaufnahme des Flüchtlingslagers Kutupalong in Bangladesch, in dem Rohingya leben, die aus Myanmar vertrieben wurden.