Bundesentwicklungsminister Gerd Müller beim Besuch der Textilfabrik Tivoli Apparels Ltd. in Dhaka, Bangladesch, am 25. Februar 2020

Wirtschaftliche Situation Land im Aufschwung

Seit den 1990er Jahren wächst die Wirtschaft Bangladeschs. In den vergangenen zehn Jahren lag die jährliche Wachstumsrate nahezu konstant bei sechs Prozent oder darüber, 2018 wurde ein Plus von 7,9 Prozent erzielt. Auch für 2019 und die folgenden Jahre rechnet die Weltbank mit einem Wachstum in dieser Größenordnung. Träger des Aufschwungs sind vorrangig die Städte.

Mehr als die Hälfte des Bruttoinlandsprodukts (BIP) erwirtschaftet der Dienstleistungssektor, die Industrie trägt etwa 28 Prozent zum BIP bei. In Bangladesch entwickeln sich zurzeit neben der Textilindustrie neue exportorientierte Wirtschaftssektoren mit Wachstumspotenzial wie Schiffbau, Keramikproduktion, Pharmaindustrie, Fahrradherstellung und der IT-Sektor.

Neben den Erlösen aus dem Export sind die Transferleistungen von bangladeschischen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, die im Ausland arbeiten (vor allem in den Golfstaaten), eine der wichtigsten Devisenquellen des Landes. 2018 überwiesen sie umgerechnet mehr als 15 Milliarden US-Dollar in ihr Heimatland.

Ansicht von Dhaka, der Hauptstadt von Bangladesch

Ansicht von Dhaka, der Hauptstadt von Bangladesch

Ansicht von Dhaka, der Hauptstadt von Bangladesch

Investitionshemmnisse

Eine wichtige Ursache für die Armut in Bangladesch ist Unterbeschäftigung. Die Regierung will durch die Förderung arbeitsintensiver produktiver Wirtschaftszweige mehr Arbeitsplätze schaffen und wirbt mit Steuer- und Zollerleichterungen um ausländische Investoren. Den vergleichsweise günstigen formalen und rechtlichen Rahmenbedingungen stehen jedoch eine ineffiziente Bürokratie, mangelnde Transparenz und Korruption gegenüber.

Der Doing Business 2020-Bericht (Externer Link) der Weltbank, der das Geschäftsklima weltweit bewertet, listet Bangladesch auf Platz 168 von 190 Staaten.  Auch der schlechte Zustand der Infrastruktur schreckt potenzielle Investoren ab. Viele Straßen und Bahnstrecken sind überlastet und baufällig, außerdem behindern versandete Flussläufe und Häfen den Transport von Waren.

Zudem hemmt die mangelhafte Stromversorgung die wirtschaftliche Entwicklung des Landes. Die Regierung hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2021 eine vollständige Elektrifizierung des Landes zu erreichen.

Textilindustrie

Bangladesch ist nach China der weltweit zweitgrößte Textil- und Bekleidungsproduzent. Die Branche erwirtschaftet mehr als 80 Prozent der Exporterlöse des Landes und beschäftigt rund vier Millionen Frauen und Männer. Hauptabnehmer der Textilien sind Deutschland und die USA. Bangladesch spielt damit eine zentrale Rolle in deutschen Initiativen wie dem Bündnis für nachhaltige Textilien und dem Grünen Knopf.

Wegen schlechter Sicherheitsbedingungen in den Textilfabriken kommt es in Bangladesch immer wieder zu Unglücksfällen. Der schwerste Fabrikunfall in der Geschichte des Landes ereignete sich 2013, als nahe der Hauptstadt Dhaka das Rana Plaza, ein neunstöckiges Geschäfts- und Fabrikgebäude, einstürzte. Mehr als 1.100 Menschen wurden getötet, mehr als 2.000 verletzt.

Auf internationalen Druck wurden inzwischen weitreichende Vereinbarungen zu Brandschutz und Gebäudesicherheit im Textilsektor auf den Weg gebracht. Die in Bangladesch angestoßenen Initiativen könnten auch über das Land hinaus richtungsweisend wirken, die Umsetzung kommt jedoch vielfach langsamer voran als erhofft.

Als eines der am wenigsten entwickelten Länder (Least Developed Countries) hat Bangladesch zollfreien Zugang zu den EU-Märkten. Erreicht es den Status eines Landes mit mittlerem Einkommen (Middle Income Country), laufen diese Handelspräferenzen aus. Bangladesch muss sich dann nicht nur einem verstärkten Preiswettbewerb stellen. Um weiterhin zollfrei in die EU exportieren zu können, muss das Land auch strengere Anforderungen in den Bereichen Menschenrechte, Arbeitsrechte, Umweltschutz und gute Regierungsführung erfüllen.