Arbeiterinnen der Textilfabrik Zaber und Zubair Fabrics Ltd. in Tongi, Bangladesch

Wirtschaftliche Situation Land im Aufschwung

Seit den 1990er Jahren wächst die Wirtschaft Bangladeschs. In den vergangenen zehn Jahren stieg die jährliche Wachstumsrate nach Angaben der Weltbank auf über acht Prozent im Jahr 2019, 2020 erreichte das Wirtschaftswachstum immerhin noch 3,5 Prozent – trotz Corona-Pandemie. Träger des Aufschwungs sind vorrangig die Städte und die Binnennachfrage, während der Export pandemiebedingt einbrach.

Mehr als die Hälfte des Bruttoinlandsprodukts (BIP) erwirtschaftet der Dienstleistungssektor, die Industrie trägt knapp 30 Prozent zum BIP bei. In Bangladesch entwickeln sich zurzeit neben der Textilindustrie neue exportorientierte Wirtschaftssektoren mit Wachstumspotenzial wie Schiffbau, Keramikproduktion, Pharmaindustrie, Fahrradherstellung und der IT-Sektor. Auf Textilerzeugnisse entfallen knapp 85 Prozent des Exportvolumens.

Neben den Erlösen aus dem Export sind die Transferleistungen von bangladeschischen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, die im Ausland arbeiten (vor allem in den Golfstaaten), eine der wichtigsten Devisenquellen des Landes. 2021 überwiesen sie umgerechnet rund 21,75 Milliarden US-Dollar in ihr Heimatland.


Investitionshemmnisse

Eine wichtige Ursache für die Armut in Bangladesch ist Unterbeschäftigung. Die Regierung will durch die Förderung arbeitsintensiver produktiver Wirtschaftszweige mehr Arbeitsplätze schaffen und wirbt mit Steuer- und Zollerleichterungen um ausländische Investoren. Den vergleichsweise günstigen formalen und rechtlichen Rahmenbedingungen stehen jedoch eine ineffiziente Bürokratie, mangelnde Transparenz und Korruption gegenüber.

Arbeiter beim Bau einer neuen Dammstraße in Khulna

Arbeiter beim Bau einer neuen Dammstraße in Khulna, Bangladesch

Arbeiter beim Bau einer neuen Dammstraße in Khulna, Bangladesch

Auch der schlechte Zustand der Infrastruktur schreckt potenzielle Investoren ab. Viele Straßen und Bahnstrecken sind überlastet und baufällig, außerdem behindern versandete Flussläufe und Häfen den Transport von Waren. Zudem hemmt die mangelhafte Stromversorgung die wirtschaftliche Entwicklung des Landes.

Textilindustrie

Siehe auch
Arbeiterinnen und Arbeiter in einer Textilfabrik in Bangladesch, in der besonders auf die Einhaltung der gesetzlichen Sozial- und Umweltstandards geachtet wird

Bangladesch ist nach China der weltweit zweit­größte Textil- und Be­kleidungs­produzent. Die Branche er­wirt­schaftet mehr als 85 Prozent der Exporterlöse des Landes und beschäftigt rund vier Millionen Frauen und Männer. Haupt­ab­nehmer der Textilien sind die EU (hier Deutsch­land) und die USA. Bangla­desch spielt damit eine zentrale Rolle in deutschen Initiativen wie dem Bündnis für nach­haltige Textilien und dem Grünen Knopf.

Wegen schlechter Sicher­heits­be­dingungen in den Textil­fabriken kommt es in Bangla­desch immer wieder zu Un­glücks­fällen. Der schwerste Fabrik­unfall in der Geschichte des Landes ereignete sich 2013, als nahe der Haupt­stadt Dhaka das Rana Plaza, ein neun­stöckiges Geschäfts- und Fabrik­gebäude, ein­stürzte. Mehr als 1.100 Menschen wurden getötet, mehr als 2.000 verletzt.

Auf internationalen Druck wurden inzwischen weitreichende Vereinbarungen zu Brandschutz und Gebäudesicherheit im Textilsektor auf den Weg gebracht. Die in Bangladesch an­ge­stoßenen Initiativen könnten auch über das Land hinaus richtungsweisend wirken, die Umsetzung kommt jedoch vielfach langsamer voran als erhofft.

Als eines der am wenigsten entwickelten Länder hat Bangladesch zollfreien Zugang zu den EU-Märkten. Verliert es diesen Status, laufen diese Handelspräferenzen aus. Bangladesch muss sich dann nicht nur einem verstärkten Preiswettbewerb stellen, sondern mit anderen Wettbewerbern (zum Beispiel Vietnam) konkurrieren. Um weiterhin zollvergünstigt in die EU exportieren zu können, muss das Land strengere Anforderungen in den Bereichen Menschenrechte, Arbeitsrechte, Umweltschutz und gute Regierungsführung erfüllen.