Dorf in der Somali-Region in Äthiopien, in dem sich wegen der anhaltenden Dürre Nomaden angesiedelt haben

Klimawandel und Entwicklung Migration und Klima

Der Klimawandel gefährdet die Lebensgrundlagen vieler Menschen. An manchen Orten wird das Überleben so schwierig, dass Menschen ihre Heimat verlassen. Sie ziehen dann zum Beispiel vom Dorf in die Stadt. Neben Armut und Perspektivlosigkeit sind die kurz- und langfristigen Folgen des Klimawandels eine Ursache für Migration und Vertreibung geworden.

Das sind zum Beispiel extreme Wetterereignisse wie tropische Wirbelstürme und Dürren oder schleichende Umweltveränderungen wie die Versalzung von Böden und der Anstieg des Meeresspiegels. Sie haben langfristige Folgen für die wirtschaftliche Situation, Gesundheit und Sicherheit der Menschen vor Ort und gefährden dadurch Menschenrechte wie das Recht auf angemessene Nahrung, Gesundheit sowie Wohnen. Und auch gewaltsame Konflikte können durch die Folgen des Klimawandels verschärft werden.

Besonders stark davon betroffen sind Entwicklungsländer. Sie stehen vor der Herausforderung, mit geringen Ressourcen den Folgen des Klimawandels begegnen zu müssen. Viele Menschen dort sehen sich zur Abwanderung gezwungen, um mit den verschlechterten Lebensbedingungen umzugehen.

Durch den Klimawandel bedingte Migration

Für Menschen, die von den negativen Folgen der globalen Erwärmung besonders betroffen sind, ist Migration eine Anpassungsstrategie. Diese Art der Migration sowie die Vertreibung durch Extremwetterereignisse und auch geplante Umsiedlungen, die durch die Auswirkungen des Klimawandels notwendig werden, fasst man unter dem Begriff "klimawandelbedingte menschliche Mobilität (Externer Link)" zusammen. Meist bleiben die Menschen innerhalb ihres Heimatlandes oder ihrer Heimatregion, und oft migrieren sie nur vorübergehend.

Siehe auch
Reisende in Bangladesch

Hintergrund BMZ-Engagement im Bereich Migration Interner Link

Das Bundes­entwicklungs­ministerium setzt sich nicht nur dafür ein, die Risiken von irregulärer Migration zu verringern, sondern auch dafür, die Potenziale regulärer Migration für Entwicklung zu nutzen. Es arbeitet dabei eng mit anderen Politik­bereichen zusammen, etwa der Außen-, Innen-, Arbeitsmarkt- und Bildungspolitik. Auch die Migrations­politik auf EU-Ebene gestaltet das BMZ aktiv mit. Aus entwicklungs­politischer Sicht ist es wichtig, Migration so zu gestalten, dass positive Effekte für alle Beteiligten – Aufnahme­länder, Herkunfts­länder sowie Migrantinnen und Migranten selbst – entstehen ("triple win").

Allein im Jahr 2019 führten Extremwetterereignisse zu 23,9 Millionen Vertreibungen von Menschen. Die meisten dieser Menschen kehren wieder in ihre Heimat zurück, sobald es ihnen möglich ist. Bei einer weiteren Naturkatastrophe müssen sie möglicherweise erneut ihr Zuhause verlassen – manchmal mehrfach innerhalb eines Jahres.

Doch nicht nur Naturkatastrophen wie Überschwemmungen führen dazu, dass Menschen ihre Heimat verlassen. Wenn beispielsweise Ernten aufgrund von schleichenden Umweltveränderungen wie steigenden Temperaturen abnehmen, entscheiden sich manche Menschen für Migration. Die Faktoren, die zu einer Migrationsentscheidung (Externer Link) führen, sind komplex und individuell. Häufig stehen wirtschaftliche, politische, soziale, familiäre oder demographische Gründe im Vordergrund, die dann durch Umwelt- und Klimaeinflüsse verstärkt und ergänzt werden. Viele dieser Gründe betreffen Frauen und Männer unterschiedlich. Ein geschlechtergerechter Umgang mit Klimamigration ist daher wichtig.

Künftig werden immer mehr Menschen aufgrund von Klimaveränderungen ihre Heimatorte verlassen.

Wie stark der Klimawandel Migration beeinflusst, hängt davon ab, ob der Ausstoß von Treibhausgasen verringert werden kann. Dort, wo die Auswirkungen des Klimawandels nicht mehr abgewendet werden können, müssen die Betroffenen dabei unterstützt werden, sich auf die neue Situation einzustellen und sich an die negativen Folgen anzupassen. Dies geschieht durch vielfältige Anpassungsmaßnahmen im Rahmen eines umfassenden Klimarisikomanagements.

Geraten Menschen unter Migrationsdruck, benötigen sie Unterstützung – unabhängig davon, ob sie letztendlich migrieren.

Daraus ergeben sich die im Folgenden beschriebenen Ansatzpunkte für die deutsche Entwicklungszusammenarbeit:

Menschen waschen ihre Wäsche in einem Binnenflüchtlingslager in der südsudanesischen Hauptstadt Juba

Klimasensible Sektoren besonders berücksichtigen Interner Link

Landwirtschaft, Fischerei oder der Wassersektor bedürfen besonderer Aufmerksamkeit, da sie sehr sensibel auf den Klimawandel reagieren. Dabei können Maßnahmen wie eine nachhaltige Landnutzungsplanung oder der sparsame Umgang mit Wasser den Migrationsdruck verringern.

Beratungsgespräch im Zentrum für Jobs, Migration und Reintegration in Dakar, Senegal

Potenziale regulärer Migration nutzen Interner Link

Migration, zum Beispiel saisonale Arbeitsmigration, kann eine Anpassungs- und Überlebensstrategie sein – wenn zum Beispiel abgewanderte Familienmitglieder durch Geldtransfers zum Familieneinkommen der Zurückgebliebenen beitragen. Das BMZ setzt sich dafür ein, dass die Betroffenen ihre Migrationsentscheidung auf Basis solider Informationen fällen. Das BMZ hat in 13 Partnerländern Beratungszentren für Jobs, Migration und Reintegration aufgebaut. Sie richten sich unter anderem an Menschen, die in ihrem Herkunftsland oder einem anderen Land nach Zukunftsperspektiven suchen.

Sturmschäden auf der Karibikinsel St. Lucia

Unterstützung für "trapped populations" Interner Link

Menschen in gefährdeten Regionen, die keine Möglichkeit haben zu migrieren, nennt man "trapped populations". Sie müssen an ihrem Wohnort bleiben, weil ihnen beispielsweise das Geld für Migration fehlt. Sie sind den Risiken von Umweltveränderungen und Verarmung besonders ausgesetzt und benötigen Unterstützung. Das BMZ engagiert sich, um die Bedrohungen durch den Klimawandel für diese Menschen zu verringern.

Ein Mann zeigt an seinem Haus auf St. Lucia, wie hoch die letzte Überschwemmung war.

Freiwillige, geplante Umsiedlung

In einigen Fällen ist absehbar, dass Anpassungsmaßnahmen nicht ausreichen und Gebiete durch den Klimawandel unbewohnbar werden. Die Entwicklungszusammenarbeit kann dort helfen, die freiwillige und geplante Umsiedlung von Menschen als "ultima ratio" sozialverträglich und gemeinsam mit den Betroffenen zu gestalten. Solche Umsiedlungen müssen die Achtung der Menschenrechte zur Grundlage haben. So wird Menschen ein Neuanfang anderswo ermöglicht.

Zusammenarbeit konkret

Zwei Arbeiter auf einer Baustelle am Ufer des Mayur River in der Stadt Khulna an einer Uferbefestigung.

Bangladesch Neue Perspektiven in Khulna Interner Link

Bangladesch hat schwer mit den Auswirkungen des Klimawandels zu kämpfen. Das Land liegt zu weiten Teilen im Ganges-Brahmaputra-Delta, dem größten Flussdelta der Welt. Durch den steigenden Meeresspiegel könnte ein Fünftel der Landesfläche dauerhaft überflutet werden.

Küstenabschnitt auf den Fidschi-Inseln

Pazifische Inseln Geplante Umsiedlungen Interner Link

Die pazifischen Inselstaaten sind besonders anfällig gegenüber den Auswirkungen des Klimawandels. Während sie selbst nur geringfügig zur globalen Erwärmung beitragen, leiden sie aufgrund ihrer Geographie unverhältnismäßig stark unter den Folgen.

Blick auf die Karibikinsel St. Lucia: links der Atlantik, rechts das Karibische Meer

Ostkaribik Kampagne zur Bewusstseinsförderung zu Klimarisiken auf St. Lucia Interner Link

Die Ostkaribik wird immer wieder von Katastrophen heimgesucht. Die Bundesregierung unterstützt daher Aufklärungskampagnen, damit die Bevölkerung dort Risiken bewusst minimieren kann.

Fachlicher Hintergrund Vorhersagen über Migrationsbewegungen schwierig

Das Internal Displacement Monitoring Centre (Externer Link) erhebt Daten zu Vertreibungen durch Katastrophenereignisse in der Vergangenheit. Präzise Vorhersagen der zukünftigen regionalen und lokalen Auswirkungen des Klimawandels auf Migration sind auf Basis des aktuellen Wissensstands nicht möglich. Klimabedingte Migrationsbewegungen lassen sich daher nicht genau voraussagen.

Klima- und Katastrophenrisikoanalysen können zwar auf lokaler Ebene Gebiete ausmachen, die in Zukunft mit großer Wahrscheinlichkeit von den Auswirkungen des Klimawandels betroffen sein werden. Wegen der Vielschichtigkeit der Migrationsgründe lassen sich davon jedoch keine genauen Zahlen ableiten, wie viele Menschen wegziehen werden und ob es zu Vertreibung oder Umsiedlung kommen wird. Qualitative Studien – wie die gemeinsame Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) und der GIZ Home Lands (Externer Link) – können jedoch klima-induzierte Migration in ihren Kontext einbetten und mögliche politische Antworten ableiten.

Zahl der Binnenmigrantinnen und Binnenmigranten wird künftig steigen

Klimamigration findet bisher überwiegend innerhalb von Landesgrenzen statt. Es ist davon auszugehen, dass dies auch zukünftig so bleibt. Die Weltbank (Externer Link) schätzt, dass bis 2050 mit zusätzlichen 143 Millionen Binnenmigrantinnen und -migranten in Subsahara-Afrika, Lateinamerika und Südasien zu rechnen ist, falls der Klimawandel nicht durch entschlossenes Gegensteuern stärker gebremst und seine Folgen durch Maßnahmen zur Anpassung abgemildert werden.

Binnenflüchtlinge in Südsudan

Binnenflüchtlinge in Südsudan

Binnenflüchtlinge in Südsudan

Fachlicher Hintergrund: Internationale Prozesse

Deutschland unterstützt relevante internationale Prozesse:

Videos

Standbild aus dem Video "Tukuraki Village"

Fiji: Tukuraki Village – Climate Change Relocation

Standbild aus dem Video "Vunidogoloa moves higher"

Fiji: Vunidogoloa Moves Higher – Climate Change Relocation

Standbild aus dem Video "Climate Change and Human Mobility in the Caribbean"

Climate Change and Human Mobility in the Caribbean

Standbild aus dem Video ""Trapped between Climate Change & COVID-19: Human (Im)mobility in the Eastern Caribbean

Trapped between Climate Change & COVID-19: Human (Im)mobility in the Eastern Caribbean

BMZ-Publikationen

cover migration als folge klimawandel_de

BMZ-Factsheet: Migration als Folge des Klimawandels

Dateityp PDF | Sachstandsdatum 03/2021 | Dateigröße 410 KB, Seiten 2 Seiten
cover migration as a result

BMZ factsheet: Human mobility as a result of climate change

Dateityp PDF | Sachstandsdatum 03/2021 | Dateigröße 412 KB, Seiten 2 Seiten