Kin­der spie­len ne­ben Was­ser­tanks in der Flücht­lings­un­ter­kunft 'Has­ans­ham U3' na­he Has­ans­ham im Irak

Kinderrechte Kinder in bewaffneten Konflikten

Von ei­nem Le­ben in Frie­den und Si­cher­heit kön­nen vie­le Mäd­chen und Jun­gen nur träu­men: Je­des vier­te Kind auf der Welt lebt in ei­nem Land, das von Kon­flik­ten oder Ka­ta­stro­phen be­trof­fen ist. Da­bei sind sie oft schwer­wie­gen­den Ri­si­ken aus­ge­setzt, er­fah­ren Ge­walt und Aus­beu­tung und wer­den zwangs­wei­se zu Flücht­lin­gen, Bin­nen­ver­trie­be­nen und Asyl­su­chen­den, aber auch Kämp­fen­den oder Hilfs­kräf­ten von be­waff­ne­ten Trup­pen.

Durch die ex­tre­men Ge­walt­er­fah­run­gen, de­nen Kin­der in Kri­sen und be­waff­ne­ten Kon­flik­ten aus­ge­setzt sind, wer­den sie sehr häu­fig schwer trau­ma­ti­siert. Zu­gleich man­gelt es ih­nen an ei­nem Wer­te­sys­tem und an Halt in der Ge­sell­schaft. Be­son­ders hart trifft Kin­der die Zer­stö­rung von Schu­len und Kran­ken­häu­sern, denn da­durch ver­lie­ren sie meis­tens den Zu­gang zu hu­ma­ni­tä­rer Ver­sor­gung. Die Ent­wick­lungs­mög­lich­kei­ten von Kin­dern sind in sol­chen Si­tua­tio­nen stark ein­ge­schränkt. Die Fol­gen wir­ken sich lan­ge nach Be­en­di­gung des Kon­flikts auf ih­re Ent­wick­lung aus, oft prä­gen sie den ge­sam­ten wei­te­ren Le­bens­weg.

Der Schutz von Kin­dern in be­waff­ne­ten Kon­flik­ten ist da­her ein wich­ti­ges An­lie­gen in­ter­na­tio­na­ler und deut­scher Men­schen­rechts­po­li­tik.

Kindersoldaten

Kin­der im Hilfs­pro­jekt "Kin­der­re­pu­blik Ben­pos­ta" für ehe­ma­li­ge Kin­der­sol­da­ten und miss­han­del­te Kin­der in Bo­go­ta, Ko­lum­bi­en

Kin­der im Hilfs­pro­jekt "Kin­der­re­pu­blik Ben­pos­ta" für ehe­ma­li­ge Kin­der­sol­da­ten und miss­han­del­te Kin­der in Bo­go­ta, Ko­lum­bi­en

Kin­der im Hilfs­pro­jekt Kin­der­re­pu­blik Ben­pos­ta für ehe­ma­li­ge Kin­der­sol­da­ten und miss­han­del­te Kin­der in Bo­go­ta, Ko­lum­bi­en

Ein Zu­satz­pro­to­koll zur Kin­der­rechts­kon­ven­ti­on (Externer Link) legt fest, dass Kin­der un­ter 18 Jah­ren nicht un­mit­tel­bar an krie­ge­ri­schen Aus­ein­an­der­set­zun­gen be­tei­ligt wer­den dür­fen. Doch welt­weit wer­den nach Schät­zun­gen et­wa 250.000 Kin­der von staat­li­chen und nicht­staat­li­chen be­waff­ne­ten Grup­pen als Kämp­fer miss­braucht. Ent­we­der wer­den sie zwangs­re­kru­tiert oder sie schlie­ßen sich den Trup­pen auf­grund von Ar­mut und Per­spek­tiv­lo­sig­keit frei­wil­lig an. Kin­der­sol­da­tin­nen lei­den be­son­ders, sie wer­den häu­fig Op­fer se­xu­el­ler Ge­walt, vie­le müs­sen Zwangs­ehen mit Kämp­fern ein­ge­hen.

Vie­le Kin­der­sol­da­ten sind im Krieg auf­ge­wach­sen und ken­nen nichts an­de­res als Krieg. Die ein­zi­ge Me­tho­de, die sie zur Lö­sung von Kon­flik­ten er­ler­nen, ist Ge­walt. Auch nach dem En­de der Kämp­fe bleibt die Ar­mee oft ihr ein­zi­ger Be­zugs­punkt. Zu­dem ist die Rück­kehr in ih­re Hei­mat­ge­mein­den für vie­le ehe­ma­li­ge Kin­der­sol­da­ten un­mög­lich, weil sie dort nicht als Op­fer, son­dern als Tä­ter an­ge­se­hen wer­den. Die­se Ab­leh­nung treibt vie­le der Kin­der er­neut in die Ar­me von Sol­da­ten, be­waff­ne­ten Grup­pen oder Kri­mi­nel­len.

Kin­der­sol­da­ten wer­den ih­res Rechts auf ei­ne nor­ma­le Ent­wick­lung be­raubt. Fast al­le lei­den un­ter gro­ßen see­li­schen Pro­ble­men – oft für den Rest ih­res Le­bens. Mit dem ach­ten glo­ba­len Ent­wick­lungs­ziel (SDG 8.7) hat sich die Staa­ten­ge­mein­schaft da­zu ver­pflich­tet, den Miss­brauch von Kin­dern als Sol­da­tin­nen oder Sol­da­ten zu be­en­den.

Kin­der auf der Flucht

Ei­ne sy­ri­sche Fa­mi­lie in ei­nem Flücht­lings­la­ger an der tür­kisch-sy­ri­schen Gren­ze bei Ni­zip

Ei­ne sy­ri­sche Fa­mi­lie in ei­nem Flücht­lings­la­ger an der tür­kisch-sy­ri­schen Gren­ze bei Ni­zip

Ei­ne sy­ri­sche Fa­mi­lie in ei­nem Flücht­lings­la­ger an der tür­kisch-sy­ri­schen Gren­ze bei Ni­zip

Et­wa die Hälf­te der Ge­flüch­te­ten welt­weit ist jün­ger als 18 Jah­re. Kin­der und Ju­gend­li­che sind in ho­hem Ma­ße schutz­be­dürf­tig, ins­be­son­de­re dann, wenn sie von ih­ren Fa­mi­li­en ge­trennt wer­den. Dar­auf wird auch in den Emp­feh­lun­gen der Gen­fer Flücht­lings­kon­ven­ti­on hin­ge­wie­sen. Die Zahl der un­be­glei­te­ten min­der­jäh­ri­gen Flücht­lin­ge und Mi­gran­ten hat sich in den ver­gan­ge­nen Jah­ren stark er­höht.

Wäh­rend der Flucht, aber auch wenn sie in Auf­nah­me­län­dern Zu­flucht ge­fun­den ha­ben, sind Kin­der und Ju­gend­li­che be­son­ders ge­fähr­det, Op­fer von Miss­brauch oder Aus­beu­tung wie et­wa Kin­der­ar­beit, Men­schen­han­del oder Zwangs­re­kru­tie­rung zu wer­den. Häu­fig be­stehen zu­sätz­li­che Ri­si­ken für Mäd­chen, wie se­xu­el­le und ge­schlech­ter­ba­sier­te Ge­walt oder Zwangs­hei­rat. Oft­mals wur­den Kin­der Zeu­gen oder Op­fer von Ge­walt und sind da­her be­reits durch phy­si­sche und psy­chi­sche Fol­gen (et­wa Trau­ma­ta oder Be­hin­de­run­gen ver­schie­de­ner Art) in ih­rer Ent­wick­lung be­ein­träch­tigt.

Die in der UN-Kin­der­rechts­kon­ven­ti­on (Externer Link) verbrieften Rechte blei­ben bei zu vie­len ge­flüch­te­ten Kin­dern un­er­füllt. So kön­nen bei­spiel­wei­se nur knapp zwei Drit­tel der Flücht­lings­kin­der ei­ne Grund­schu­le be­su­chen, nur et­wa ein Vier­tel ei­ne Se­kun­dar­schu­le. Mäd­chen und Kin­dern mit Be­hin­de­run­gen wird der Schul­be­such so­gar über­durch­schnitt­lich oft ver­wehrt (Mehr­fach­dis­kri­mi­nie­rung).

Die phy­si­schen und psy­chi­schen Fol­gen, die Kin­der und Ju­gend­li­che durch Ge­walt, Flucht und Ver­trei­bung da­von­tra­gen, sind fa­tal. Durch Trau­ma­ti­sie­rung, den Zu­sam­men­bruch von Fa­mi­li­en- und So­zi­al­struk­tu­ren so­wie die Zer­stö­rung des Ge­sund­heits- und Schul­sys­tems dro­hen die­se Kin­der zu "ver­lo­re­nen Ge­ne­ra­tio­nen" her­an­zu­wach­sen.

Kin­der ver­fü­gen al­ler­dings auch über ei­ne gro­ße Wi­der­stands­fä­hig­keit und das Po­ten­zi­al, sich an ver­än­der­te Um­stän­de an­zu­pas­sen und sie po­si­tiv zu ge­stal­ten. Als Ak­teu­re des Wan­dels kön­nen sie auch im Hin­blick auf lang­fris­ti­ge kri­sen­prä­ven­ti­ve An­sät­ze, ge­walt­freie Kon­flikt­be­ar­bei­tung und (Re-) In­te­gra­ti­on ei­ne po­si­ti­ve Rol­le spie­len. Dies er­kennt auch die UN-Si­cher­heits­rats­re­so­lu­ti­on 2250 (Externer Link) zu Ju­gend, Frie­den und Si­cher­heit aus­drück­lich an.

Deutsches Engagement

Ein afghanischer Junge blickt zwischen zwei deutschen Soldaten der Friedenstruppe hindurch.

Ein afghanischer Junge blickt zwischen zwei deutschen Soldaten der Friedenstruppe hindurch.

Ein afghanischer Junge blickt zwischen zwei deutschen Soldaten der Friedenstruppe hindurch.

Deutsch­land för­dert ge­zielt die Rech­te und Zu­kunfts­chan­cen von Kin­dern und Ju­gend­li­chen auf der Flucht, in Auf­nah­me­län­dern und in Kon­flikt­ge­bie­ten. In den Maß­nah­men der Son­der­initia­ti­ve "Flucht­ur­sa­chen min­dern, Flücht­lin­ge (re)in­te­grie­ren" stel­len Kin­der und Ju­gend­li­che ei­ne Haupt­ziel­grup­pe dar.

Zu den ge­för­der­ten An­sät­zen zäh­len un­ter an­de­rem psy­cho­so­zia­le Be­treu­ung und Ge­sund­heits­ver­sor­gung für Kin­der, In­stand­set­zung und Auf­bau schu­li­scher Ka­pa­zi­tä­ten in Auf­nah­me­län­dern, För­de­rung ein­kom­mens­schaf­fen­der Maß­nah­men für jun­ge Men­schen, Ein­rich­tung kin­der­freund­li­cher Or­te in Flücht­lings­la­gern und Schu­len oder Imp­fun­gen von Klein­kin­dern. Der Schutz jun­ger Men­schen und die Stär­kung ih­rer Rech­te stel­len zu­dem ei­nen wich­ti­gen Bei­trag zur Frie­dens­för­de­rung und zur Sta­bi­li­sie­rung gu­ter Re­gie­rungs­füh­rung dar.

Auch die ent­wick­lungs­för­dern­de und struk­tur­bil­den­de Über­gangs­hil­fe be­rück­sich­tigt in be­son­de­rem Ma­ße Kin­der und Ju­gend­li­che. Sie soll die Fol­ge­wir­kun­gen von Kri­sen, Kon­flik­ten und Ka­ta­stro­phen lin­dern und ei­ne Brü­cke zwi­schen hu­ma­ni­tä­rer Hil­fe und der nach­fol­gen­den nach­hal­ti­gen Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit schla­gen. In ers­ter Li­nie geht es da­bei um die Wie­der­her­stel­lung ei­ner Ba­sis­in­fra­struk­tur und so­zia­ler Grund­leis­tun­gen, die be­son­ders auch Kin­dern und Ju­gend­li­chen zu­gu­te­kom­men.

Zu­dem hat der Bun­des­tag am 1. Ju­ni 2017 das Ge­setz zur Be­kämp­fung von Kin­der­ehen (Externer Link) be­schlos­sen, wel­ches das Ehe­mün­dig­keits­al­ter von 16 Jah­ren auf 18 Jah­re her­auf­setzt. Ei­ne Ehe ist durch rich­ter­li­che Ent­schei­dung auf­zu­he­ben, wenn ein Ehe­part­ner zum Zeit­punkt der Ehe­schlie­ßung das 16., aber noch nicht das 18. Le­bens­jahr voll­endet hat­te. Ehen, bei de­nen ei­ner der Ehe­gat­ten zum Zeit­punkt der Ehe­schlie­ßung das 16. Le­bens­jahr noch nicht voll­endet hat­te, sind grund­sätz­lich un­wirk­sam. Die­se Grund­sät­ze gel­ten auch für Ehen mit Min­der­jäh­ri­gen, die nach aus­län­di­schem Recht wirk­sam ge­schlos­sen wur­den. Das ent­spre­chen­de Ge­setz ist am 22. Ju­li 2017 in Kraft ge­tre­ten.

Weiterführende Informationen finden Sie im Themenfeld Flucht.

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