Bäuerinnen auf dem Weg zum Feld

Mali Westafrikanischer Binnenstaat in der Krise

Die politische Situation in Mali hat sich zuletzt verschlechtert. Im August 2020 kam es zu einem Militär­putsch, bei dem die gewählte Regierung unter Staats­präsident Ibrahim Boubacar Keïta nach Massen­protesten gewalt­sam abgesetzt wurde. Im Januar 2021 wurde auf Druck der inter­natio­nalen Gemeinschaft eine zivile Über­gangs­regierung gebildet. Diese wurde wiederum im Mai 2021 durch einen weiteren Militär­putsch entmachtet.

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Seit dem 26. Mai 2021 ist der Offizier Assimi Goïta, der die Putschisten beide Male anführte, neuer Präsident einer Übergangsregierung. Er hat eine Rückkehr zur De­mo­kra­tie versprochen. Als Reaktion auf den Umsturz haben die Afrika­ni­sche Union (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) (AU) und die West­afri­ka­ni­sche Wirt­schafts­ge­mein­schaft (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) (ECOWAS) die Mit­glied­schaft Malis vorerst ausgesetzt.

2012 hatte eine Rebellion von separatistischen Tuareg und ethnischen Gruppierungen im Norden Malis das Sahel-Land in eine schwere Krise gestürzt. Seither wird durch mehrere UN-Missionen versucht, Mali zu stabi­lisie­ren und beim Einsatz gegen Terror­organi­sationen zu unter­stützen.

Die deutsche Bundesregierung fordert gemeinsam mit anderen internationalen Partnern und Organisationen, wie zum Beispiel Frankreich, der Afrikanischen Union (AU) und der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft (ECOWAS), die schnellstmögliche Rückkehr Malis zur verfassungsgemäßen Ordnung.

Soldaten der UN-Stabilisierungsmission MINUSMA in Mali

Soldaten der UN-Stabilisierungsmission MINUSMA in Mali

Soldaten der UN-Stabilisierungsmission MINUSMA in Mali

Deutschland beteiligt sich militärisch an der UN-Frie­dens­mission MINUSMA (United Nations Multidimensional Integrated Stabilization Mission in Mali) und an der seit Juli 2021 unter deutscher Führung stehenden EU-Aus­bil­dungs­mission EUTM (European Union Training Mission Mali). Insgesamt sind zurzeit etwa 1.100 deutsche Soldatinnen und Soldaten in Mali stationiert.

Corona-Pandemie

Die Corona-Pandemie führt zu einer zusätzlichen Belastung und Bedrohung für das Land mit seinen schwachen staatlichen Strukturen und dem mangelhaften Gesundheitssystem. Das Bundesministerium für wirt­schaft­liche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) weitet daher seine Aktivitäten zur Bekämpfung der Pandemie und ihrer Auswirkungen aus.

Sicherheitslage kritisch

Es gilt ein landesweiter Aus­nahme­zu­stand. Überall in Mali sind terroristische Anschläge möglich. Besonders im Norden und im Zentrum des Landes kommt es immer wieder zu gewaltsamen Aus­einander­setzungen. In den nordöstlichen und zentralen Landesteilen sowie in Gebieten entlang der Grenzen zu Mauretanien, Burkina Faso und Côte d’Ivoire sind zudem Terror­gruppen aktiv.

Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit mit Mali

Mitarbeiter der Hilfsorganisation CARE International aus Mali und Niger erarbeiten einen Projektantrag zur Bekämpfung von Fluchtursachen in der Region Mali-Nord und Niger-Nord.

Mitarbeiter der Hilfsorganisation CARE International aus Mali und Niger erarbeiten einen Projektantrag zur Bekämpfung von Fluchtursachen in der Region Mali-Nord und Niger-Nord.

Mitarbeiter der Hilfsorganisation CARE International aus Mali und Niger erarbeiten einen Projektantrag zur Bekämpfung von Fluchtursachen in der Region Mali-Nord und Niger-Nord.

Mali ist eines der ärmsten Länder der Welt. Die deutsche Ent­wick­lungs­zu­sammen­arbeit mit Mali ist lokal verankert und konzentriert sich auf Projekte, die die Lebens­be­dingun­gen der Bevölkerung direkt und deutlich spürbar verbessern.

Im Mittelpunkt des aktuellen deutschen Engage­ments in Mali stehen vor allem die Sicherung der Ernährung und Land­wirtschaft, die Versorgung mit Trink­wasser sowie der Aufbau hand­lungs­fähiger dezentraler staatlicher Strukturen. Alle deutschen Maßnahmen und Auszahlungen sind mit der Umsetzung von Reformen verknüpft.

Seit dem Putsch im August 2020 arbeitet die deutsche Ent­wick­lungs­zusammen­arbeit regierungsfern – die laufenden Programme werden nicht direkt mit der Übergangs­regierung, sondern mit privaten Firmen, der Bevölkerung vor Ort und lokalen Partnern abgewickelt. Die Durchführung der Projekte wird fortlaufend an die jeweilige Sicher­heits­lage angepasst.

Zuletzt haben im März 2021 – also vor dem zweiten Putsch – Re­gierungs­ver­hand­lun­gen mit Mali stattgefunden. Für die Ent­wick­lungs­zu­sammen­arbeit hat Deutschland dabei 69 Millionen Euro für die kommenden zwei Jahre zugesagt. Von den neu zugesagten Mitteln wurde bisher nichts ausgezahlt. Es wurden keine neuen Vorhaben gestartet. Voraussetzung für die weitere Zusammenarbeit ist, dass bis März 2022 freie und faire Wahlen in Mali stattfinden.

Um die Menschen in Mali weiter unter­stützen zu können, strebt das BMZ, wenn möglich, eine Weiter­führung der Zusammenarbeit an. Abhängig von der weiteren Entwicklung in Mali wird die Bundesregierung ressort­über­greifend und gemeinsam mit den europäischen Partnern über die zukünftige Kooperation entscheiden.

Soziale Situation
Kinder in Tienfala

Sehr harte Lebensbedingungen Interner Link

Malis Bevölkerung ist von einer großen ethnischen und kulturellen Vielfalt geprägt – und leidet zu sehr großen Teilen unter extremer Armut. Dementsprechend schlecht sind die Lebens­bedin­gun­gen im Land: Von 1.000 Neu­gebo­renen sterben im Durchschnitt 94 vor ihrem fünften Geburtstag.

Wirtschaftliche Situation
Schneider an einer Nähmaschine auf einer Straße in Bamako, Mali

Mehrheit der Bevölkerung arbeitet in der Landwirtschaft Interner Link

Die malische Wirtschaft ruht vor allem auf zwei Säulen: der Landwirtschaft und dem Bergbau. Damit ist sie stark von den Weltmarktpreisen der beiden wichtigsten Exportgüter Baumwolle und Gold abhängig.