Ansicht der Stadt Cartagena an der kolumbianischen Karibikküste

Kolumbien Hoffnung auf dauerhaften Frieden und Stabilität

Durch ein Friedensabkommen, das die Regierung Kolumbiens 2016 mit der landesweit größten Guerillagruppe FARC-EP (Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia – Ejército del Pueblo) geschlossen hat, wurde ein fünf Jahrzehnte dauernder bewaffneter Konflikt beendet. Hunderttausende Menschen waren durch die Kämpfe zwischen staatlichen Sicherheitskräften, linksgerichteten Guerillagruppierungen und rechtsgerichteten paramilitärischen Verbänden ums Leben gekommen.

Bundesentwicklungsministerin Svenja Schulze (Mitte) mit Lucía Gonzales, Mitglied der Wahrheitskommission, und Padre Francisco de Roux, Präsident der Wahrheitskommission
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Regierungsgebäude in Kolumbiens Hauptstadt Bogotá

Seither steht die Umsetzung des Friedensabkommens im Mittelpunkt der kolumbianischen Innenpolitik und stellt sie vor große Herausforderungen. Die Hoffnung ruht darauf, dass es gelingt, das Land politisch und gesellschaftlich dauerhaft zu befrieden, die Spaltung der Gesellschaft gewaltfrei zu überwinden und die begangenen Verbrechen angemessen aufzuarbeiten.

Der Frieden ist noch zerbrechlich. Die Sicherheitslage im Land ist in einigen Regionen nach wie vor kritisch. Besorgnis erregt die wachsende Gewalt gegen soziale Führungspersönlichkeiten und Personen, die sich für Menschenrechte, soziale Belange und den Schutz der Umwelt einsetzen.

Zu den großen Herausforderungen für das Land gehören die Überwindung der Folgen der Corona-Pandemie und die große Zahl an intern vertriebenen und geflüchteten Menschen in Kolumbien. Laut Angaben des Hochkommissariats der Vereinten Nationen für Flüchtlinge (UNHCR) von 2022 gibt es allein 8,5 Millionen Binnenvertriebene in Kolumbien, also Personen, die vor Gewalt aus ihrer Heimatregion geflohen sind und in anderen Landesteilen Schutz suchen. Dazu kommen inzwischen rund 2,5 Millionen Flüchtlinge aus dem Nachbarland Venezuela, die vermutlich dauerhaft in Kolumbien bleiben.

Im Juni 2022 wurde Gustavo Petro zum ersten linken Präsidenten Kolumbiens gewählt. Er hat sein Amt am 7. August angetreten und ist mit hohen Erwartungen und einem großen Erfolgsdruck konfrontiert.

Internationale Zusammenarbeit

Kolumbien gestaltet wichtige globale Entwicklungsprozesse wie die Agenda 2030 (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) oder die Klimaverhandlungen der Vereinten Nationen konstruktiv mit. In Anerkennung seiner Reformbestrebungen wurde das Land im Mai 2018 zum "globalen Partner" der NATO ernannt und 2020 als neues Mitglied in die OECD (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) aufgenommen.

Beziehungen zu Deutschland

Deutschland und Kolumbien pflegen enge politische, wirtschaftliche und kulturelle Beziehungen. Deutschland hat den Friedensprozess des Landes von Anfang an aktiv begleitet und unterstützt. Die Bundesrepublik ist Kolumbiens größter Handelspartner innerhalb der EU.


Deutsche Entwicklungszusammenarbeit mit Kolumbien

Zur Unterstützung des historischen Friedensprozesses nach mehr als 50 Jahren Bürgerkrieg und auch wegen Kolumbiens wichtiger Rolle für den weltweiten Klima- und Umweltschutz hat die Bundesregierung die Zusammenarbeit mit Kolumbien seit 2010 kontinuierlich ausgebaut.

Im Rahmen von Regierungsverhandlungen im Jahr 2018 haben Deutschland und Kolumbien eine "Allianz für Frieden und nachhaltige Entwicklung" beschlossen. In ihrem Zentrum steht die Förderung des Friedensprozesses.

Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) hat dem Partnerland im November 2020 bei Regierungsverhandlungen rund 495 Millionen Euro zugesagt. Dazu kommen Förderkredite (reguläre Finanzmarktmittel) der KfW Entwicklungsbank von mehr als 585 Millionen Euro (teilweise noch in Vorbereitung), die Kolumbien vor allem dabei unterstützen sollen, die Folgen der Corona-Pandemie abzumildern.

2021 enthielt Kolumbien eine Zwischenzusage von 26 Millionen Euro für die akuten Themen Migration und Pandemiebekämpfung. Die nächsten Regierungsverhandlungen sind im Spätherbst 2022 geplant.

Die Zusammenarbeit konzentriert sich auf folgende Kernthemen:

  • Frieden und gesellschaftlicher Zusammenhalt
    Aktionsfelder: Friedensentwicklung und Migration
  • Klima und Energie, Just Transition
    Aktionsfelder: Erneuerbare Energien und nachhaltige Stadtentwicklung
  • Schutz unserer natürlichen Lebensgrundlagen
    Aktionsfelder: Waldschutz und Biodiversität
Cielo Gomez, eine Kaffeebäuerin aus der Gemeinde El Tablón de Gómez, im Südosten des Nariño-Territoriums in Kolumbien. Ihre Familie hat im Rahmen des Friedensprozesses Land, das illegal besetzt war, wieder zurückerhalten. Durch ein UN-Women-Projekt hat sie erreicht, dass ein Teil des Landes auf ihren Namen eingetragen ist. Gemeinsam mit anderen Kaffeebäuerinnen in der Region kann sie sich jetzt eine wirtschaftlich stabilere Zukunft aufbauen.

Kernthema "Frieden und gesellschaftlicher Zusammenhalt" Das Friedensabkommen mit Leben füllen Interner Link

Im Fokus der deutsch-kolumbianischen Zusammenarbeit stehen Friedensentwicklung und Krisenprävention. Hierfür wurde 2018 von der kolumbianischen Regierung und dem BMZ die "Allianz für Frieden und nachhaltige Entwicklung" vereinbart.

Windrad in der Wüste La Guajira im Norden von Kolumbien

Kernthema "Klima und Energie, Just Transition" Anspruchsvolle Ziele erreichen Interner Link

Kolumbien ist ein wichtiger Partner Deutschlands in der Klima- und Energiepolitik. Im Rahmen des Klimaabkommens von Paris hat Kolumbien seine nationalen Klimaschutzbeiträge (NDCs) Ende 2020 grundlegend überarbeitet und sehr ambitionierte neue Ziele festgelegt.

Ein Totenkopfaffe in Kolumbien klettert über den Stängel einer großen Blattpflanze

Kernthema "Schutz unserer natürlichen Lebensgrundlagen" Biodiversität und Wälder erhalten Interner Link

Kolumbien zählt zu den artenreichsten Ländern der Welt. Mehr als die Hälfte der Landesfläche ist bewaldet, etwa 30 Prozent stehen unter Naturschutz. Das Land spielt dadurch eine wichtige Rolle beim globalen Klimaschutz. Die deutsche Zusammenarbeit mit Kolumbien hat das Ziel, die Wälder und die Biodiversität des Landes zu erhalten.

Aktuelle Situation

Regierungsgebäude in Kolumbiens Hauptstadt Bogotá
Ein Bauer in der Provinz Quindío, Kolumbien
Kaffeesäcke aus Kolumbien

Stand: 17.08.2022