Kaffeesäcke aus Kolumbien

Kolumbien Hoffnung auf Frieden und Stabilität

Seit 2016 entwickelt sich Kolumbien überwiegend positiv: Die Sicherheitslage hat sich in weiten Landesteilen verbessert, ausländische Unternehmen investieren mehr Geld in die kolumbianische Wirtschaft, die Touristenzahlen steigen​. Spürbar ist die verbesserte Sicherheitslage vor allem in den ländlichen Gebieten, in denen die Kinder wieder in die Schule und Menschen abends wieder auf die Straße gehen.

Möglich wurde das durch ein Friedensabkommen, dass die Regierung 2016 mit der landesweit größten Guerillagruppe FARC (Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia) geschlossen hat.

Zuvor wurde Kolumbien mehr als 50 Jahre lang durch einen bewaffneten Konflikt zwischen staatlichen Sicherheitskräften, linksgerichteten Guerillagruppierungen und rechtsgerichteten paramilitärischen Verbänden geprägt. Mehr als 260.000 Menschen starben durch die Kämpfe, das Schicksal von mehr als 80.000 Personen ist zudem ungeklärt, sie gelten als "verschwunden". Etwa acht Millionen Kolumbianerinnen und Kolumbianer wurden durch den Konflikt zur Flucht gezwungen, die meisten von ihnen (98 Prozent) fanden Zuflucht in anderen Regionen des eigenen Landes.

Die Hoffnung ruht nun darauf, dass es gelingt, das Land politisch und gesellschaftlich dauerhaft zu befrieden, bestehende Konflikte gewaltfrei zu lösen und begangene Verbrechen und Menschenrechtsverletzungen angemessen aufzuarbeiten. Allerdings gab es in der letzten Zeit einige Rückschläge zu verzeichnen. Eine Splittergruppe der FARC verkündete, erneut zu den Waffen greifen zu wollen und Unzufriedenheit mit der aktuellen Regierung führte zu Generalstreiks im November und Dezember 2019.

Internationale Zusammenarbeit

Kolumbien gestaltet wichtige globale Entwicklungsprozesse wie die Agenda 2030 (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) oder die Klimaverhandlungen der Vereinten Nationen aktiv mit. In Anerkennung seiner Reformbestrebungen wurde das Land im Mai 2018 zum "globalen Partner" der NATO ernannt und als neues Mitglied in die OECD (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) aufgenommen.

Beziehungen zu Deutschland

Deutschland und Kolumbien pflegen enge politische, wirtschaftliche und kulturelle Beziehungen. Kolumbien gehört zu den Kooperationsländern der deutschen Entwicklungszusammenarbeit, mit denen die Bundesrepublik auf Basis zwischenstaatlich vereinbarter Verträge eng zusammenarbeitet. Die aktuellen Schwerpunkte der Kooperation sind Friedensentwicklung und Krisenprävention, Umweltpolitik und Ressourcenschutz sowie nachhaltige Wirtschaftsentwicklung.

Regierungsgebäude in Kolumbiens Hauptstadt Bogotá

Große Herausforderungen für Staat und Gesellschaft Interner Link

Der Konflikt in Kolumbien reicht bis in die 1960er Jahre zurück. Damals begannen linksgerichtete bäuerliche Guerillagruppen, sich mit Waffengewalt gegen Landraub und die extrem ungleiche Verteilung von Landbesitz zu wehren.

Ein Bauer in der Provinz Quindío, Kolumbien

Landverteilung entscheidend für gesellschaftlichen Frieden Interner Link

Durch zahlreiche Reformen in den Bereichen Wirtschaft und Gesellschaft wurden in den vergangenen Jahren deutliche Fortschritte bei der Verringerung der Armut erzielt.

Ansicht der Stadt Cartagena an der kolumbianischen Karibikküste

Zuwächse in der Land- und Bauwirtschaft Interner Link

Dank seines Rohstoffreichtums (Kohle, Erdöl) ist Kolumbien nach Brasilien und Mexiko die drittgrößte Volkswirtschaft Lateinamerikas.

Deutsche Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit mit Kolumbien

Im Rahmen von Regierungsverhandlungen im November 2018 haben Deutschland und Kolumbien eine "Allianz für Frieden und nachhaltige Entwicklung" beschlossen. In ihrem Zentrum steht die Förderung des Friedensprozesses.

Zur Umsetzung der Allianz hat das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) dem Partnerland rund 535 Millionen Euro zugesagt, davon 500 Millionen Euro in Form zinsvergünstigter Entwicklungskredite. Im Vergleich zu 2016 haben sich die deutschen Zusagen verdoppelt. Hinzu kommen circa 55 Millionen Euro, mit denen das BMZ zivilgesellschaftliche und kirchliche Organisationen sowie die politischen Stiftungen unterstützt.

Die Zusammenarbeit konzentriert sich auf folgende Schwerpunkte:

  • Friedensentwicklung/Konfliktprävention
  • Umweltpolitik und Ressourcenschutz
  • Nachhaltige Wirtschaftsentwicklung

Das deutsche Engagement konzentriert sich auf die vom Konflikt besonders stark betroffenen Regionen Norte de Santander an der Grenze zu Venezuela sowie Meta und Caquetá in Zentralkolumbien.

Kolumbien nimmt außerdem am BMZ-Programm "Migration für Entwicklung" teil. Es unterstützt Menschen, die ihr in Deutschland gewonnenes Wissen in ihren Herkunftsländern einbringen wollen, zum Beispiel, indem sie als Fachkräfte oder Existenzgründer in ihre Heimat zurückkehren oder indem sie sich von Deutschland aus für ihr Herkunftsland engagieren.

Cielo Gomez, eine Kaffeebäuerin El Tablón de Gómez, im Südosten des Nariño-Territoriums in Kolumbien. Ihre Familie hat im Rahmen des Friedensprozesses Land, das illegal besetzt war, wieder zurückerhalten. Durch ein UN-Women-Projekt hat sie erreicht, dass ein Teil des Landes auf ihren Namen eingetragen ist. Gemeinsam mit anderen Kaffeebäuerinnen in der Region kann sie sich jetzt eine wirtschaftlich stabilere Zukunft aufbauen.

Das Friedensabkommen mit Leben füllen Interner Link

Um die Friedensentwicklung in Kolumbien zu fördern, unterstützt Deutschland staatliche Einrichtungen und zivilgesellschaftliche Organisationen dabei, den Konflikt gemeinsam aufzuarbeiten und Modelle der Gewaltprävention zu entwickeln.

Landschaft südlich von Bogotá

Nachhaltige Alternativen zur illegalen Landnutzung Interner Link

Kolumbien zählt zu den artenreichsten Ländern der Welt. Mehr als die Hälfte der Landesfläche ist bewaldet, etwa 15 Prozent stehen unter Naturschutz. Allerdings hat das Land in den vergangenen 30 Jahren mehrere Millionen Hektar Wald verloren. Zu den Ursachen zählen die Ausweitung der Landwirtschaft, der Drogenanbau sowie illegaler Holzeinschlag und der Abbau von Bodenschätzen. Aufgrund fehlender staatlicher Kontrolle dienten und dienen viele Waldgebiete Guerillabewegungen und kriminellen Gruppen als Rückzugsgebiet und wirtschaftliche Basis.

Bauernmärkte als "neues" Vermarktungsmodell: Für die Bauern aus den entlegenen Dörfern des Departamento del Meta ist es schwierig, ihre Produkte zu vermarkten – die Straßen sind schlecht und Supermärkte als Verkaufsmöglichkeit zu weit entfernt. Mit Unterstützung der regionalen Universität suchen sie nach neuen Möglichkeiten, um ihr Obst und Gemüse besser zu verkaufen.

Neue Einkommenschancen im ländlichen Raum Interner Link

Große Teile des ländlichen Raums sind von der durchaus dynamischen Wirtschaftsentwicklung Kolumbiens abgeschnitten. Die lokalen und regionalen Märkte sind kaum entwickelt, Kleinproduzentinnen und -produzenten nur wenig in Wirtschaftskreisläufe eingebunden. Den Jugendlichen fehlen Arbeitsperspektiven – sie wandern in die Städte ab.