Ein Bauer in der Provinz Quindío, Kolumbien

Soziale Situation Landverteilung entscheidend für gesellschaftlichen Frieden

Durch zahlreiche Reformen in den Bereichen Wirtschaft und Gesellschaft wurden in den vergangenen Jahren deutliche Fortschritte bei der Verringerung der Armut erzielt: Zwischen 2008 und 2018 sank die Armutsrate von 42 auf 27 Prozent.

Doch noch immer sind Einkommen und Vermögen in Kolumbien im regionalen und globalen Vergleich extrem ungleich verteilt. Überdurchschnittlich groß ist die Armut in ländlichen Regionen, in denen ethnische Minderheiten leben.

Deutliche Defizite sind weiterhin bei der Wasser- und Sanitärversorgung zu verzeichnen. Die offizielle Arbeitslosenquote lag 2018 bei 9,1 Prozent, die Unterbeschäftigung wird auf über 25 Prozent geschätzt.

Vertreibung und Landraub

Kolumbien ist nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) das Land mit den meisten Binnenvertriebenen der Welt: Im Zuge des Konflikts mussten sich fast acht Millionen Menschen in anderen Landesteilen in Sicherheit bringen. Besonders betroffen ist die indigene und afrokolumbianische Bevölkerung. Zugleich wurden die militärischen Auseinandersetzungen gezielt zur illegalen Landnahme genutzt. Mehrere Millionen Hektar Ackerfläche wurden von bewaffneten Gruppen besetzt und nach Vertreibung der Kleinbäuerinnen und -bauern für agroindustrielle Großprojekte vereinnahmt.

Zwar hat die Regierung 2011 ein Gesetz zur Opferentschädigung verabschiedet, die Landrückgabe erfolgt bislang jedoch nur schleppend. Und auch nach dem Friedensschluss zwischen der Regierung und der Guerillagruppe FARC wird in vielen Gebieten um die politische Vormachtstellung und den Zugang zu Ressourcen gekämpft. Nach Angaben des UNHCR wurden 2018 erneut rund 118.000 Menschen gewaltsam vertrieben. Aktivistinnen und Aktivisten, die sich für die Opfer von Landraub einsetzen, riskieren ihr Leben – die Anzahl der Morde an Menschenrechtsverteidigerinnen und -verteidigern ist in den vergangenen Jahren massiv angestiegen.

Die Regierung Duque plant, ein landesweites Kataster aufzubauen. Dies wäre ein wichtiger Schritt um die Landrückgabe an Vertriebene zu beschleunigen und perspektivisch auch Fragen der Landneuverteilung angehen zu können.

Zuwanderung aus Venezuela

Eine weitere Herausforderung für Staat und Gesellschaft stellt die politische und wirtschaftliche Instabilität in Venezuela dar: Kolumbien hatte Ende 2019 bereits rund 1,5 Millionen Flüchtlinge und Migrantinnen und Migranten aus dem Nachbarland aufgenommen. Es wird für die aufnehmenden Gemeinden immer schwieriger, die soziale Grundversorgung für die Geflüchteten und die eigene Bevölkerung aufrecht zu erhalten. Dies beeinträchtigt die ohnehin fragile Friedenssituation im Land.