Straßenszene in Douala, Kamerun

Kamerun Schwierige Begleit­umstände für Ent­wick­lung

Lange Zeit galt Kamerun als Stabilitäts­anker in einer instabilen Region. Doch seit 2016 ist das zentral­afrikanische Land, das sich vom Atlan­tischen Ozean bis zum Tschad­see erstreckt, mit wachsenden Konf­likten und zunehmenden politi­schen, gesell­schaftlichen und ethnischen Span­nungen konfrontiert. 

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Stadtansicht von Jaunde, Hauptstadt von Kamerun

Ein erheblicher Reform- und Investitions­stau hemmt die Ent­wick­lung des Landes. Korruption ist in Politik und Verwal­tung, Polizei und Justiz sowie im Bildungs­wesen allgegen­wärtig. In den englisch­sprachigen Regionen North-West und South-West kämpfen separa­tistische Gruppen für mehr Auto­nomie beziehungs­weise eine Los­lösung von Kamerun. Im Norden des Landes verübt die islamistische Grup­pierung Boko Haram immer wieder Terror­anschläge, die zahl­reiche Opfer unter der Zivil­bevöl­kerung fordern. Ange­spannt ist die Sicher­heits­lage auch an der Grenze zur krisen­geschüttelten Zentral­afrikanischen Republik.


Deutsche Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit mit Kamerun

Deutschland gehört zu den drei größten bilateralen (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) Gebern (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) des Landes. Aufgrund der Krise in den beiden englischsprachigen Provinzen, des Vorgehens der Regierung gegen die Opposition und der allgemeinen Verschlechterung der Menschen­rechts­situation in Kamerun wird die Ent­wick­lungs­zu­sammen­arbeit derzeit möglichst regierungsfern gestaltet. 2019 wurden die Regierungs­ver­handlungen als Reaktion auf die innenpolitische Situation im Land vorübergehend ausgesetzt.

Gemeinsam mit Organi­sationen der Zivil­gesell­schaft (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) wirkt das Bundes­ministerium für wirt­schaft­liche Zusammen­arbeit und Ent­wick­lung (BMZ) darauf hin, die Lebens­lage der not­leidenden Bevöl­kerung zu verbes­sern und den Fort­bestand erfolg­reicher Ent­wicklungs­ansätze zu sichern. In den anglo­phonen Regionen ist eine Um­set­zung der deutschen Projekte auf­grund der ange­spannten Sicher­heits­lage nur noch einge­schränkt möglich.

Die jüngsten Regierungs­verhand­lungen mit Kamerun fanden im November 2021 in Jaunde statt. Dabei wurden dem Land 47,99 Millionen Euro für 2021 und 2022 neu zugesagt – davon 20 Millionen Euro für finanzielle (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) und 27,99 Millionen Euro für technische Zu­sammen­arbeit (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen). Bereits im März 2021 waren zusätz­liche 4,5 Millionen Euro bewilligt worden.

Darüber hinaus hat das BMZ 8,4 Millionen Euro im Rahmen der Sonder­initiative "EINEWELT ohne Hunger" und 4,7 Millionen Euro im Rahmen der Sonder­initiative "Flucht­ursachen bekämpfen – Flücht­linge (re)integrieren" bereit­gestellt.

Kern­themen der Zu­sam­men­arbeit

Die deutsche Ent­wick­lungs­zusam­men­arbeit mit Kamerun konzentriert sich auf folgende Kern­themen:

  • Schutz unserer natürlichen Lebens­grundlagen
  • Frieden und gesellschaft­licher Zusam­menhalt
  • Leben ohne Hunger – Transformation der Ernährungs­systeme

Darüber hinaus unterstützt Deutschland das Partner­land in den Bereichen Gesund­heit, Pan­demie­be­kämp­fung und One Health, Be­völ­ke­rungs­ent­wick­lung und Familien­planung sowie bei der Digi­talisierung.

Kamerun profitiert außerdem von verschie­denen regio­nalen Program­men der deut­schen Ent­wick­lungs­zusam­men­arbeit. So unter­stützt das BMZ die zentral­afrikanische Wald­kommission (COMIFAC) und arbeitet mit der Zentral­afrikani­schen Wirtschafts- und Währungs­gemein­schaft (CEMAC) zusammen.

Corona-Pandemie

Innerhalb der verschiedenen Arbeits­bereiche der deutschen Ent­wicklungs­zusam­men­arbeit mit Kamerun hat das BMZ auf die Aus­wirkungen der Corona-Pandemie reagiert. Insbesondere weibliche Flücht­linge und Binnen­vertriebene werden dabei unterstützt, einer Infektion vorzu­beugen. In den besonders stark von Corona betroffenen Gebieten in Nord­kamerun werden Familien zu den Themen Pandemie­prävention und Hygiene beraten.

Regenwald  im Mount Cameroon Nationalpark

Kernthema "Schutz unserer natürlichen Lebensgrundlagen" Tropen­wälder bewah­ren Interner Link

Deutschland unterstützt Kamerun beim Schutz der Tropen­wälder und damit bei der Be­wahrung der natür­lichen Lebens­grund­lagen. Die Zu­sammen­arbeit trägt zu mehr Rechts­sicherheit für die Menschen bei, die in und von den Wäldern leben, sie ver­bessert die Nach­haltig­keit der Wald­be­wirt­schaftung, dient dem Klima­schutz und hilft, die Armut zu vermindern.

Marktfrau in Kamerun

Kernthema "Frieden und gesellschaftlicher Zusammenhalt" Nationale und kom­mu­nale Verwal­tung verbes­sern Interner Link

Deutsch­land unter­stützt die kameru­nische Re­gie­rung bei der Ver­wal­tung so­wie beim Auf- und Um­bau de­zent­raler Struk­turen. Arbeits­schwer­punkte sind Trans­parenz und Bürger­nähe, kom­mu­nale Ent­wick­lungs­pla­nung, Infra­struktur, Wirt­schafts­ent­wicklung, Steuer­ein­nahmen und Steuer­verwaltung.

Yams-Ernte auf einer kleinen Farm in Bafia, Kamerun

Kernthema "Leben ohne Hunger – Transformation der Ernährungssysteme" Land­wirt­schaft moder­ni­sieren Interner Link

Auf Wunsch der Regierung engagiert sich Deutschland seit 2015 für die länd­liche Ent­wick­lung Kameruns. Die Aktivi­täten inner­halb des Kern­themas "Eine Welt ohne Hunger" konzen­trieren sich auf die weniger ent­wickel­ten Regio­nen im Norden des Landes.

Weitere Bereiche der Zu­sam­men­arbeit

Gesundheit

Deutschland will kurzfristig über ein Engage­ment in den Bereichen Bevöl­kerungs­entwick­lung und Familien­planung dazu bei­tragen, grund­legende Gesund­heits­dienste sicher­zu­stellen – ins­be­sondere für Mütter und Kinder sowie für Flücht­linge und intern Vertriebene.

One Health

Im Rahmen der tech­nischen Zusam­menarbeit unter­stützt Deutsch­land Kamerun im Bereich One Health – also der Kombination von Ansätzen zur Mensch- und Tier­gesund­heit sowie zum Erhalt des natür­lichen Lebens­raums.

Digitalisierung

Die deutsche Ent­wicklungs­zusammen­arbeit mit Kamerun unter­stützt themen­über­greifend und in allen Arbeits­bereichen die Digi­talisierung des Landes. Darüber hinaus fördert Deutsch­land mit zwei Einzel­vorhaben die Einführung einer Online-In­vestitions­platt­form sowie die An­wen­dung neuer digitaler In­stru­mente, um finan­zielle Eng­pässe in der Land­be­völke­rung ab­zu­federn. In einem "BMZ-Digital­zentrum" werden diese Initia­tiven ge­bündelt und Synergien, auch mit der EU und weiteren Partnern, genutzt.

Aktuelle Situation

Politische Situation
Hintergrund
Blick auf Jaounde, die Hauptstadt von Kamerun
Soziale Situation
Wirtschaftliche Situation
Furnierproduktion in einem Betrieb in Douala, Kamerun